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„Wird unschöne Entscheidungen geben“ FC-Duo Kessler & Berg über XXL-Kader, Neuzugänge und Baumgart

Lukas Berg und Thomas Kessler sprechen im Interview über ihre Rolle beim 1. FC Köln

Lukas Berg (l.) und Thomas Kessler haben beim 1. FC Köln die Leitung der Lizenzspielerabteilung übernommen.

Thomas Kessler und Lukas Berg haben beim 1. FC Köln neben Jörg Jakobs das sportliche Ruder übernommen. Dem neuen FC-Duo steht direkt ein heißer Transfersommer bevor. Der Kader muss ausgedünnt werden und Geld für Neuzugänge fehlt.

Köln. Thomas Kessler (35) und Lukas Berg (27) stehen beim 1. FC Köln plötzlich in der ersten Reihe, das Duo hat die Leitung der Lizenzspielerabteilung übernommen. Im zweiten Teil des großen EXPRESS-Interviews sprechen die beiden über den Transfersommer, den XXL-Kader und das „Moneyball“-Prinzip.

Lukas Berg und Thomas Kessler im EXPRESS-Interview

Lukas Berg und Thomas Kesser, was denken Sie, wann so richtig Bewegung in den Transfermarkt kommt?

Berg: Es wartet alles auf die ersten Dominosteine. Ich glaube, international hat es jetzt die ersten Bewegungen gegeben. Wann sich das auf lokale Märkte auswirkt, müssen wir abwarten. Viele Vereine sind ähnlich wie wir noch in der Beobachtungsphase. Corona-bedingt überlegt man sich im Moment fünfmal, ob man gewisse Dinge macht oder doch lieber sein lässt. Wir haben aber keine Hektik, weil wir schon damit gerechnet haben, dass es durch die EM und die lange Transferphase bis zum 31. August in diesem Jahr länger dauern kann.

Herrscht selbst bei den Abgängen keine Hektik? Der Kader ist riesig…

Kessler: Jeder Spieler, der beim FC unter Vertrag steht, hat in den vergangenen beiden Wochen die Chance bekommen, sich dem neuen Trainer zu zeigen. Es ist klar, dass wir nicht mit der Kader-Größe in die Saison gehen können. Der Trainer hat in den Phase der Vorbereitung die Möglichkeit, sich jeden einzelnen Spieler anzuschauen und dann wird es Entscheidungen geben – auch unschöne, die nicht allen Parteien gefallen. Das ist immer hart, aber es gilt nun mal das Leistungsprinzip.

Wird es Ihnen schwerfallen, Ex-Mitspielern so eine Entscheidung mitzuteilen?

Kessler: Schon als Spieler habe ich viele Gespräche mit den Jungs geführt. Sie wussten schon damals, dass ich niemals meinem Eigeninteresse folge. Es geht immer nur um das Wohl des Vereins. Es wird sicher für den ein oder anderen eigenartig sein, dass ein Ex-Mitspieler mittlerweile so etwas wie sein Vorgesetzter ist, aber das ist ein normaler Weg im Profi-Fußball. Und es ist nie schön, unangenehme Gespräche mit ehemaligen Mannschaftskameraden zu führen, aber es gehört zum Job dazu.

Muss der FC weitere Spieler verkaufen, um handlungsfähig zu sein?

Kessler: Wir müssen Spieler abgeben, weil der Kader zu groß ist – aber wir sind nicht gezwungen, Spieler des Geldes wegen vom Hof zu jagen. Dennoch sage ich, dass kein Spieler bei uns unverkäuflich ist. Wenn es Möglichkeiten gibt, die für alle Beteiligten Sinn machen, dann werden wir auch handeln. Das haben wir bei Iso Jakobs gesehen. Er ist ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, der sich toll entwickelt hat und den wir gerne behalten hätten. Er hat nun aber die Chance bekommen, bei einem Team mit Champions-League-Aussichten zu unterschreiben. Dann setzt man sich zusammen und findet eine zufriedenstellende Lösung.

Transfergewinne wie durch Jakobs waren in der Vergangenheit beim FC eher die Ausnahme. Vereine wie der FC Midtjylland oder FC Brentford setzen extrem auf datenbasierte Transfers und erwirtschaften so regelmäßig hohe Gewinne – Stichwort „Moneyball“. Ist das auch ein Modell für den FC?

Berg: Da haben wir, wie auf vielen Feldern, einiges an Entwicklungspotenzial, was das Thema Digitalisierung angeht. Wir müssen aber ganz genau entscheiden, was für den FC der richtige nächste Schritt ist. Es geht nicht darum, Midtjylland, Brentford oder auch die nächste TSG Hoffenheim zu werden. Wenn wir jetzt mit einem riesigen Digitalisierungsprojekt einreiten würden, würde das die Organisation überfrachten. Dass wir das langfristig machen wollen und müssen, ist klar. Dafür haben wir eine gute Idee entwickelt, die sich von der Herangehensweise anderer Klubs unterscheidet und zur Strategie des 1. FC Köln passt. Dazu gehört auch, dass bei allen Schritten das NLZ berücksichtigt wird. Es geht nicht nur darum, irgendeine Software einzukaufen, damit wir unsere Schuldigkeit getan haben. Das Thema Digitalisierung darf niemals ein Selbstzweck sein, sondern muss in erster Linie Mehrwerte für den sportlichen Bereich bringen. Dabei muss man immer berücksichtigen, dass diese nicht von heute auf morgen entstehen.

Auf welchen Positionen muss der FC jetzt ganz aktuell nachlegen?

Kessler: Bis auf die Größe sind wir mit dem aktuellen Kader sehr zufrieden. Ich habe keine Bauchschmerzen, mit den vorhandenen Spielern morgen in die Saison zu starten. Dass man immer punktuell nachjustieren muss, wenn uns zum Beispiel noch ein Spieler verlässt, ist keine Frage. Wir müssen nun erst mal den Kader auf eine Größe bringen, mit der unser Trainer vernünftig arbeiten kann. Deshalb hoffen wir, dass jetzt Bewegung in den Markt kommt.

Einer von bislang vier Neuzugängen ist Torhüter Marvin Schwäbe. Welche Perspektive haben Sie ihm aufgezeigt?

Kessler: Marvin hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er eine tolle Entwicklung genommen hat. Ich finde auch, dass er bei seinem Debüt gegen Duisburg ein starkes Spiel gemacht hat. Er kommt als dänischer Meister zu uns. Timo hat sich im vergangenen Jahr stabilisiert und in meinen Augen eine gute Saison gespielt. Er ist unsere Nummer eins. Timo ist der Platzhirsch, Marvin der Herausforderer. Ich glaube, dass der Trainer auch im Tor auf das Leistungsprinzip setzt.

Marvin Schwäbe bei einer Parade im Training des 1. FC Köln

Marvin Schwäbe nimmt beim 1. FC Köln den Konkurrenzkampf mit Timo Horn auf.

Der wohl wichtigste Neuzugang war Trainer Steffen Baumgart. Wie nehmen Sie ihn wahr?

Kessler: Er ist ein geradliniger Typ, lauter als seine Vorgänger zuletzt. Ich glaube, einige Mitarbeiter mussten während des Trainings ihre Fenster zumachen (lacht). Er ist hoch motiviert, bringt viele Ideen mit, versucht viele Dinge voranzutreiben – auch abseits des Platzes. Das wünsche ich mir von einem Cheftrainer. Wir sind ein besonderer Klub und die Menschen, die hier arbeiten, müssen zu dem Verein passen. Ich habe den Eindruck, dass Steffen Baumgart mit seiner Art richtig gut nach Köln passt. Er kann die Leute mitreißen. Ich bin glücklich, dass der FC ihn davon überzeugen konnte, dass der Verein die richtige Adresse ist. Ich wünsche mir, dass wir seine euphorisierende Art auch auf die Ränge übertragen können, wenn wir endlich wieder vor Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion spielen können.

Berg: Steffen ist sehr authentisch, das zeichnet ihn aus. So, wie er dort draußen den Acker umpflügt, so macht er das auch gerne bei uns im Büro. Das ist total wertvoll und schafft Klarheit. Was ich persönlich beeindruckend finde: Er denkt von der Eigenzentrierung weg. Er betont immer wieder, dass er Projekte angehen will, die für den Klub langfristig von Bedeutung sind.

Wird einer von Ihnen künftig mit auf der Bank sitzen?

Kessler: Es ist angedacht, dass ich auch bei Spielen nah an der Mannschaft dran bin. Daher gehe ich davon aus, dass ich auf der Bank sitzen werde. Lukas wird weiterhin auf der Tribüne dabei sein.