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Neues FC-Duo hat viel vor Kessler & Berg über ihre Pläne, Aufgaben und das Heldt-Erbe

Lukas Berg und Thomas Kessler vom 1. FC Köln sprechen am Geißbockheim über ihre neuen Rollen.

Lukas Berg (l.) und Thomas Kessler sind das neue starke Duo der Lizenzspielerabteilung beim 1. FC Köln.

Thomas Kessler und Lukas Berg sind beim 1. FC Köln „Sportlicher Leiter Lizenzspielerabteilung“ und „Leiter Administration Lizenzspielerabteilung“. Was genau sich hinter ihren Titeln verbirgt und wie ihre Mission beim FC aussieht, verraten Sie im EXPRESS-Interview.

Köln. Sie bilden das neue schlagkräftige Duo in der Führungsebene des 1. FC Köln: Thomas Kessler (35) und Lukas Berg (27) haben beim FC mit Sportchef Jörg Jakobs (50) das sportliche Ruder übernommen. Im ersten Teil des großen EXPRESS-Interviews sprechen die beiden über ihre neuen Rollen, die Zusammenarbeit, das Erbe von Horst Heldt (51) und mögliche Akzeptanzprobleme.

Lukas Berg und Thomas Kessler, wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Thomas Kessler: In meiner Phase als Trainee. Da sind wir uns früh über den Weg gelaufen, weil angedacht war, dass ich eine Station mit Lukas gemeinsam mache – das Thema Digitalisierung Sport. Dazu ist es am Ende nicht gekommen, weil Lukas seine neue Rolle übernommen hat. Aber wir haben bereits im CRM (Customer Relation Management, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet, da haben wir uns so richtig kennengelernt.

Nun sind Sie beide die Leiter des Lizenzbereichs. Das ging wahrscheinlich schneller als gedacht…

Kessler: Der Plan war eigentlich ein anderer. Ich wollte zwei Jahre mein Trainee machen und nebenbei das Management-Programm des DFB und der DFL absolvieren. Dennoch war für mich jetzt sofort klar, dass ich diese Rolle übernehmen möchte, als das Angebot kam. Ich fühle mich absolut in der Lage, diesen Job beim FC auszufüllen. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, hätte ich ‚nein‘ gesagt.

Verbindet Sie dieser rasante Aufstieg auf der Karriereleiter?

Lukas Berg: Was uns vor allem verbindet, ist, dass wir den Status quo nicht gerne akzeptieren. Damals, als wir uns kennengelernt haben und im selben Büro saßen, haben wir sehr schnell über Inhalte gesprochen, die uns beide antreiben. Wir wollen hier am Geißbockheim Dinge voranbringen. Dass wir das als Quereinsteiger mit ähnlichen Voraussetzungen machen, verbindet uns zusätzlich. Grundsätzlich liegen wir komplett auf einer Wellenlänge.

Louis Schaub, Thomas Kessler und Lionel Souque verfolgen das Training des 1. FC Köln.

Thomas Kessler (M.) verfolgte am 15. Juli 2021 mit Louis Schaub und Lionel Souque das Training des 1. FC Köln.

Kessler: Was aber nicht heißt, dass wir immer einer Meinung sind. Wir hatten in den vergangenen Wochen auch schon hitzige Diskussionen. Reibungspunkte sind wichtig.

Fürchten Sie aufgrund Ihres Alters und ihrer geringen Erfahrung Akzeptanzprobleme in der Branche?

Berg: Es wäre ungewöhnlich, wenn man sich nicht damit beschäftigen würde, dass das passieren kann. Letztendlich geht es aber darum, den Job für den Klub bestmöglich zu machen. Ich habe vier Jahre lang in verschiedenen Positionen am Geißbockheim gearbeitet, Kess hat den Verein als ehemaliger Aktiver noch mal aus einer ganz anderen Perspektive miterlebt. Diese Erfahrungen machen uns stark, wir beide wissen, wie der FC tickt. Das Alter spielt für mich dabei keine Rolle. Ich würde mir wünschen, dass unter dem Strich nur unsere Arbeit bewertet wird.

Kessler: Innerhalb des Klubs gibt es überhaupt kein Akzeptanzproblem. Generell will ich über meine Arbeit definiert werden, nicht über mein Alter oder meine Erfahrung. Ich glaube auch, dass ich bereits während meiner aktiven Karriere viele wichtige Erfahrungen gesammelt habe, die mir jetzt helfen. Ich habe mir viele Gedanken über Abläufe und Strukturen im Verein gemacht – das hat mich immer mehr fasziniert als Fragen rund ums Trainerteam.

Ihre genauen Job-Titel lauten „Leiter Administration Lizenzspielerabteilung“ und „Sportlicher Leiter Lizenzspielerabteilung“. Was sind Ihre Aufgabenfelder und wie läuft die Zusammenarbeit?

Berg: Wir haben uns früh zusammengesetzt und besprochen, wie wir die Aufgabe teilen wollen. Wir sind schnell zu dem Schluss gekommen, dass es meine Rolle ist, den Apparat Profi-Fußball im organisatorischen Bereich am Laufen zu halten und zu entwickeln. Während Kess‘ einen sportlichen Schwerpunkt hat und den Draht zur Mannschaft hält, laufen bei mir die administrativen Fäden zusammen. Es ist sinnvoll, das als Doppelfunktion zu machen, weil es alleine schwieriger ist, so viele Themenfelder proaktiv zu bespielen. Dadurch, dass wir eine Büro-WG gegründet haben, sind die Drähte zwischen uns aber ohnehin kurz.

Kessler: Lukas ist in meinem Handy schon in der Favoriten-Liste, dahin haben es vorher nur meine Frau und meine Mutter geschafft (lacht). Wir sind permanent im Austausch, arbeiten Hand in Hand als Team, so wollen wir auch wahrgenommen werden – auch von der Mannschaft. Der Fußball hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Es wird immer mehr Expertise gefordert, das sieht man auch an den Trainerteams, die immer größer werden. Ich bin sehr glücklich mit der Konstellation und sehr optimistisch, dass diese auch zukunftsfähig ist. Die Positionen, die Lukas und ich besetzen, sind unabhängig davon, wer der neue Geschäftsführer Sport werden soll. Wir wollen den Verein voranbringen, auch dann wenn ein neuer Geschäftsführer kommt.

Berg: Die Entwicklung in der Bundesliga geht aus meiner Sicht dahin, keine One-Man-Shows mehr zu haben. Um auf die Entwicklungen der Branche reagieren zu können, ist es im Sinne des Klubs, dass die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden.

Sie wollen den Verein vorabringen – wie soll das aussehen? Haben Sie eine Vision vor Augen?

Kessler: Unser Fokus liegt gerade weniger auf den großen Visionen. Für uns ist es aktuell wichtig, Fakten zu schaffen. Wir haben noch viele Transfer-Aktivitäten vor der Brust. Wir sind glücklich, dass wir schon Neuzugänge präsentieren konnten, was nicht selbstverständlich ist in unserer Situation. Es wird noch einige Abgänge geben müssen. Das kurzfristige Ziel ist, dass wir diese Mannschaft so stabilisieren, dass wir alle ein entspannteres Bundesliga-Jahr erleben können als das vergangene. Niemand möchte noch mal in die Relegation und auf der letzten Rille ins Ziel kommen. Wir wollen die Weichen so stellen, dass das Trainerteam guten Gewissens in die neue Saison gehen kann. Natürlich hat der Verein auch langfristige Zielsetzungen, die wir am besten unterstützen können, indem wir wie eben beschrieben in der Liga bleiben.

Berg: Wir müssen das Kurzfristige priorisieren, ohne das Langfristige aus den Augen zu verlieren. Wir müssen auch immer ein Auge darauf haben, dass die Dinge, dir wir heute machen, langfristig funktionieren.

Lukas Berg spricht im Interview über seine Rolle beim 1. FC Köln.

Lukas Berg hat beim 1. FC Köln die Nachfolge von Frank Aehlig angetreten. Er bildet nun mit Thomas Kessler ein Team.

Sehen Sie Ihre Rollen nur als Chance oder angesichts der finanziell wie sportlich schwierigen Situation auch als Bürde?

Kessler: Ich glaube, jeder Job beim FC ist immer Chance und Bürde zugleich. Wir tragen eine hohe Verantwortung dem Verein und den Mitarbeitern gegenüber. Wir haben mehr als 110.00 Mitglieder und ein Stadion, das – wenn nicht gerade Pandemie ist – immer mit 50. 000 Fans ausverkauft ist. Das ist eine Wucht, der wir gerecht werden müssen. Ich gehe mit großer Demut an diese Aufgabe heran. Das habe ich als Spieler schon gemacht und das werde ich jetzt wieder tun.

Sie wurden beide von Horst Heldt eingestellt. Gab es nach seiner Entlassung noch mal Kontakt?

Kessler: Wir hatten keinen Kontakt mehr. Ich kann Horsts persönliche Enttäuschung natürlich nachvollziehen. Ich bin zwar einer derjenigen, die nach seinem Abgang neu ins Team gerutscht sind, aber ich war nicht involviert in die Abläufe. Ich glaube, es ist zu früh, um sich auf einen Kaffee zu treffen. Aber ich habe keine Bauchschmerzen, irgendwann mit ihm über die Angelegenheit zu sprechen.

Berg: Es ist bekannt, dass Horst Heldt und ich eine gute Arbeitsbeziehung zueinander hatten, es war ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir die Chance als Nachfolger von Frank Aehlig gegeben hat. Wir hatten auch nach seinem Abschied noch Kontakt, mussten noch Dinge abwickeln, so ist das im Profifußball. Aber wir sind alle professionell genug, diese neue Konstellation zu akzeptieren und verstehen uns menschlich weiterhin gut.

Herr Kessler, welchen Stellenwert nimmt Ihr Management-Programm im Arbeitsalltag ein?

Kessler: Es ist absolut händelbar. Alle meine Kollegen, die diesen Lehrgang absolvieren, sind in ähnlichen Positionen wie ich. Wir haben in der Regel alle drei Monate eine Präsenzphase, in der wir uns an zwei Tagen an verschiedenen Standorten in Deutschland treffen. Dazu kommt noch die Vor- und Nachbereitung. Wir werden sehr praxisnah gefördert, ohne dass der Arbeitsalltag darunter leidet. Es ist ein großer Mehrwert für meine berufliche Entwicklung und ich bin sehr dankbar, dass mir der FC diese Möglichkeit bietet.