Union zurück in Europa Am Olympiastadion wehen rote Fahnen – „ein komisches Gefühl“

Zwei Tage vor dem Spiel gegen Kuopio wird das Olympiastadion in die rot-weißen Vereinsfarben von Union gehüllt.

Am Olympiastadion in Berlin, eigentlich die Heimspielstätte von Hertha BSC, wehen rote Flaggen von Union. Da das Stadion an der Alten Försterei nicht UEFA-Richtlinien entspricht, weichen die Eisernen für die Spiele in der Conference League in das Stadion in West-Berlin aus.

Union Berlin ist zurück auf der europäischen Fußballbühne: Nach dem 4:0 im Hinspiel gegen Kuopio könnte man meinen, dass es langweilig wird. Doch weil die Eisernen umziehen müssen, brodelt es in Berliner Fußball-Herzen.

Berlin. Als wäre für Hertha BSC als Bundesliga-Schlusslicht nicht alles schon schlimm genug. Jetzt wehen auf dem Olympiastadion auch noch rote Fahnen.

Lokalrivale 1. FC Union Berlin hat es sich für sein „Sch(l)üsselspiel“ in der Conference League erstmal in der riesigen Heimspiel-Arena des chronisch erfolglosen Big City Clubs bequem gemacht. „Es geht los...“, verkündeten die Eisernen in einem Online-Clip und zeigten ihr im Sonnenschein wehendes Banner.

Union zurück auf Europas Fußballbühne – im Olympiastadion

Da vor dem Playoff-Rückspiel gegen Kuopio PS am Donnerstag (20.15 Uhr/RTL Nitro) nicht einmal der ewig mahnende Trainer Urs Fischer angesichts des 4:0-Sieges vor einer Woche in Helsinki den Zeigefinger aus sportlicher Sorge heben kann, sind es die feinen Spitzen, die dem Gastauftritt der Köpenicker im Westen der Hauptstadt eine besondere Brisanz verleihen und die Berliner Fußball-Seele beschäftigen.

„Schauplatz für die Rückkehr der Eisernen auf die internationale Fußball-Bühne in Berlin ist das städtische Olympiastadion, und natürlich wird das leuchtende Union-Rot dort die dominierende Farbe sein“, verkündete man und lieferte als Beweis die Bilder von Umbauarbeiten im Spielertunnel gleich mit. Leuchtendes Union-Rot, überall. Das Hertha-Blau kommt gerade ziemlich matt daher.

Hertha-Trainer Dardai: „Ein komisches Gefühl“

„Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl. Aber wir drücken die Daumen. Sollen sie erfolgreich sein und von mir aus bis zum Finale das Stadion nutzen“, sagte Pal Dardai ein wenig trotzig. Der Chefcoach der Hertha mag grundsätzlich keine Sentimentalitäten. Die große Rivalität werde ohnehin nur von außen aufgebauscht, meinte er.

Cheftrainer Pal Dardai von Hertha BSC geht vor dem Spiel über den Rasen und blickt nach oben.

Hertha BSC-Coach Pal Dardai, hier am 21. August, drückt dem Stadtrivalen Union Berlin die Daumen für das Europa-Comeback, beschreibt es jedoch auch als komisches Gefühl.

Den innerhalb von zwei Jahren rapide vollzogenen Machtwechsel im Berliner Fußball kann aber auch Dardai nicht übersehen. Union hat die mit 375 Millionen Euro Investoren-Geld alimentierte Hertha als Nummer eins sportlich abgelöst und spielt – wenn auch nur im drittrangigen Europacup – da, wo die Hertha sehnsüchtig hin will: International.

Union bekommt die Tickets weg, Hertha nicht

„Union spielt international“, dieser Schriftzug prangt auf den natürlich knallroten T-Shirts, die am Donnerstag an die Fans in der eigentlich ungeliebten Riesen-Arena am anderen Ende der Stadt verteilt werden. Der nächste Teil der blauen Demütigung: Nicht einmal die 25 000 erlaubten Tickets konnte Hertha für ihr Bundesliga-Spiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (1:2) verkaufen. Union wird die 18 241 Zuschauer übertreffen, obwohl der finnische Pokalsieger aus Kuopio realistischerweise sportlich schon eliminiert ist. Es wird ein eisernes Volksfest im Olympiastadion.

Mit keiner Silbe wird bei Union die Hertha genannt. Unerwähnt bleibt auch, dass man quasi nur zur Untermiete spielt, weil das eigene Stadion den UEFA-Kriterien nicht entspricht. Es fehlt an Sitzplätzen. Fast logisch, dass dieser Makel das Tor öffnet für eine süffisante Retourkutsche. „Wenn die Not haben, sollen sie es nutzen, aber den Rasen bitte nicht kaputt machen“, befahl Dardai.  (dpa/nb)

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