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Schreibt Ende in Köln Geschichte?F95 am Boden – Funkel-Zitat lässt tief blicken

Fortuna-Trainer Alexander Ende gestikuliert an der Seitenlinie.

Copyright: IMAGO/as-sportfoto

Fortuna-Trainer Alexander Ende wirkt ratlos. 

Fortuna Düsseldorf ist am Boden. Mal wieder. Unser Autor betreut den Klub seit Ewigkeiten. Er fühlt sich aktuell an die Vergangenheit erinnert.

Es war im Mai 2019. Fortuna beendete eine Saison mit 44 Punkten und feierte schon Wochen vorher den Klassenerhalt. In der Fußball-Bundesliga, der ersten wohlgemerkt.

Als jemand, der mit diesem Verein jobtechnisch 22 Jahre unterwegs war und bis hin zur 4. Liga alles mitgemacht hat, beschloss ich, mich mal anderen Themen zu widmen. Mehr ging einfach nicht, dafür kannte ich das Umfeld zu gut.

In Düsseldorf bekommst du keine Ruhe rein, vor allem nicht, wenn Erfolg „droht“

F95 war immer was ganz Besonderes. Es war fantastisch, das Comeback bis nach ganz oben begleiten zu dürfen. Ich habe sensationelle Menschen kennengelernt. Bei jedem geglückten Schritt haben wir zusammen gefeiert. Und als nach dem Bundesliga-Comeback 2012 die Klasse nicht gehalten werden konnte, haben alle weiter zusammen gekämpft. Das gilt übrigens nicht nur für den EXPRESS, sondern auch für diverse andere Kollegen.

Das Problem in Düsseldorf ist aber, und das wurde noch nie so deutlich wie nach dem Aufstieg 2018 unter Friedhelm Funkel: Wenn Fortuna, die man als Geschäftsmann oder Prominenter in nicht so guten Zeiten mal gerne links liegen lässt, mal sowas wie ein wenig Erfolg hat, kommen sie alle aus ihren Nestern.

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Normalerweise hast du für fünf Plätze, die von den Mitgliedern direkt in den Aufstiegsrat gewählt werden, sechs bis sieben Kandidaten. Nach dem letzten Aufstieg waren es mehr als doppelt so viele. Und dabei hatte der Wahlausschuss noch mehrere andere abgelehnt.

Damit sind wir beim Problem: In Düsseldorf bekommst du keine Ruhe rein, vor allem nicht, wenn Erfolg „droht“. Dann wird ein Sportchef eingestellt, der als oberstes Ziel hat, den Erfolgstrainer rauszuschmeißen, und du findest dich ganz schnell wieder in Liga 2 wieder. Und da machst du nach mehreren gescheiterten Aufstiegsversuchen ein „All-in“-Versprechen und holst eine Truppe, die beim Worst Case gar keinen Vertrag hat. Alle ablösefrei weg – den gleichen Mist gab es schon mal 1999. Nix gelernt, leider …

Man kann es aber noch schlimmer machen, wie sich jetzt herausstellt. Sven Mislintat kam als neuer Sportvorstand, als es nur noch um den Klassenerhalt ging. Zumindest das schien noch zu klappen, ehe es eine Niederlagenserie hagelte und Trainer Markus Anfang gehen musste.

Natürlich kam jeder auf die naheliegende Idee, die ja eigentlich auch immer funktioniert und im Prinzip die einzige Personalie ist, wenn der entsprechende Mann gerade mal wieder Düsseldorf oder Köln helfen kann. Auf eine Einladung meines Heimatvereins war Friedhelm Funkel in der vergangenen Woche auf unserer Bezirkssportanlage als Gast und antwortete auf meine Frage, ob sein Handy im April und Mai kaputt war, weil er diesmal nicht als Feuerwehrmann in Erscheinung getreten ist: „Es gab Anfragen, aber da war nichts dabei. Der Verein, dem ich gerne geholfen hätte, wollte mich nicht.“ Als das Mikro aus war, sagte er: „Du weißt ja, was ich meine.“

Natürlich. Es kam Alexander Ende. Bilanz: Zwei überraschend starke Heimspiele mit Siegen gegen Dresden und Elversberg in der Vorsaison, auswärts alles verklatscht und das teilweise historisch peinlich, jetzt zwei Auftaktniederlagen in Liga 3. Bei der ersten gelten aufgrund von Pech und einer fatalen Fehlentscheidung noch mildernde Umstände, gegen teilweise noch pubertierende Hoffenheim-Nachwuchs-Kicker aber nicht mehr. Insgesamt stehen fünf Niederlagen in sieben Spielen.

Das alles ist eigentlich seit über zwei Jahren nicht mehr zu ertragen. Das wird in dieser Form auch nicht mehr lange gutgehen. Die Aufsichtsrats-Spitze mit Björn Borgerding und Sebastian Fuchs muss schon lange weg, bevorstehende Transfers auszuplaudern ist alles andere als eine Qualifikation für dieses Amt.

Bleibt der neue Sportvorstand Samir Arabi. Der hat Ende seine Lieblingsspieler von dessen Ex-Klub Münster geholt, der trotz der Düsseldorfer Katastrophen-Saison noch einen Platz unter Fortuna landete. Dazu erstaunlich viele Spieler, die der Karlsruher SC nicht mehr haben wollte – die Badener waren in den letzten Jahren übrigens nicht wahnsinnig verhaltensauffällig, wenn es um die Spitzenplätze in der Zweiten Liga ging.

Dazu kommt: Fortunas Kader ist jetzt gespickt mit zentralen Mittelfeldspielern. Ende steht auf die Raute, mit der eigentlich Thomas Schaaf vor über 20 Jahren bei Werder Bremen letztmals so richtig erfolgreich war – lustigerweise mit Klaus Allofs als Sportchef. Sollte ein neuer Trainer kommen, der auf Flügelspieler steht, guckt der ins Leere. Dabei haben gerade die den Erfolg der jüngeren Vergangenheit ausgemacht – siehe Christos Tzolis, der ab sofort für Arsenal spielt.

So wie es aussieht, wird das eine richtig üble Saison. Im Pokal gegen Freiburg dürfte es eine ordentliche Leistung geben, da kein Druck da ist. Das sieht im nächsten Ligaspiel gegen Stuttgart II schon anders aus. Sollte Ende das auch vergeigen, könnte er in die Geschichte eingehen.

Nach einem Düsseldorfer Spiel in Köln ist Fortuna zwar vor 93 Jahren mal Deutscher Meister geworden, ein Trainer ist aber noch nie danach rausgeflogen. Und wir reden hier nicht von Müngersdorf, sondern „nur“ vom Südstadion.

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