„Feuer in den Hintern geblasen“ Calmunds Gewinner und Verlierer zur Bundesliga-Pause

Reiner Calmund steht vor dem Hyatt-Hotel in Köln am Rhein-Ufer.

Früher nannte man Reiner Calmund den XXL-Manager. Nun wiegt er nach seiner Magen-Operation nur noch 90 Kilogramm, wie sich auch beim Termin am Rhein zeigte.

Ex-Fußball-Schwergewicht Reiner Calmund analysiert die Hinrunde der Bundesliga-Saison. Das sind seine Gewinner und Verlierer zur Winterpause.

Winterpause in der Bundesliga. Der FC Bayern kann sich unter den Weihnachtsbaum schon wieder die Meisterschale legen – bei neun Punkten Vorsprung auf den BVB. Es war einiges los an den ersten 17 Spieltagen. Für EXPRESS.de zieht Fußball-Experte Reiner Calmund (73) Bilanz. Der machte zuletzt vor allem durch seine Gewichtsreduktion Schlagzeilen. „Calli“ hat zwar 90 Kilo abgenommen, aber sein Wort hat weiterhin Gewicht.

Welche Vereine sind für Sie die Gewinner der Hinrunde?

Reiner Calmund: Da muss ich zuerst natürlich den FC Bayern München nennen. Souveräner Tabellenführer, auch in der Champions League beeindruckend unterwegs. Und das trotz einiger Ausfälle wie Kimmich oder Goretzka. Seit Jahrzehnten gehören sie zu den Top drei in Europa.

Wer beeindruckte Sie noch?

Reiner Calmund: Der SC Freiburg. Der dritte Platz in der Tabelle kommt nicht von ungefähr. Sie spielen einen aggressiven Tempo-Fußball. Das ist was fürs Herz. Vor zehn Jahren waren sie in der Winterpause Letzter, hatten Top-Torjäger Papiss Demba Cissé für zwölf Millionen Euro an Newcastle verkauft. Damals ist der damalige Präsident Fritz Keller in sein Weingut gegangen, hat zwei Flaschen geköpft und kam auf die Idee, Christian Streich zum Chef-Coach zu machen. Was dann passierte, war ein kleines Wunder. Sie wurden Zwölfter und klopfen nun ans Tor zur Champions League. Das neue Stadion erinnert mich schon ein wenig an die Königsklasse. Platz drei oder vier am Saisonende halte ich für absolut realistisch. Mit Christian Günter, der in meinen Augen 500 PS unter der Haube hat, und Nico Schlotterbeck haben sie zwei Spieler im Kader, bei denen ich fest davon ausgehe, dass Hansi Flick sie mit zur WM nach Katar nimmt. Da steckt viel Musik drin. Zudem sind sie in der Vereinsführung sehr gut mit Oliver Leki, Jochen Saier und Dr. Heinrich Breit besetzt.

Und der dritte Gewinner?

Reiner Calmund: Das ist für mich Mainz 05. Die schauten vor einem Jahr zum Weihnachtsfest schon auf die Rote Laterne in der Liga. Doch dann kam Christian Heidel zurück, der schon Trainer wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel in Mainz installiert hat. Sein Plan mit Bo Svensson ging voll auf, er hat da einfach ein Händchen. Martin Schmidt unterstützt alles als Sportdirektor. Plötzlich ist Europa nur noch drei Punkte weg.

Sylvia, Reiner und Nicha Calmund posieren für eine Weihnachtskarte.

Mit diesem Weihnachtsmotiv grüßten Sylvia, Reiner und Nicha Calmund ihre Freunde zum Fest. „Wir rutschen mit halbem Gewicht, aber dafür mit doppelt so viel Power in 2022“, lautet das Motto.

Welche Persönlichkeiten setzten für Sie die Glanzlichter: Lewandowski, Schick, Haaland?

Reiner Calmund: Klar, die drei haben alle ihre Tore erzielt. Aber ich würde Anthony Modeste nennen. Er ist der Garant für die Kölner Platzierung. Ihm hat Steffen Baumgart Feuer in den Hintern geblasen. Dieser positiv bekloppte Trainer mit seiner Mütze ist daher für mich der zweite Star der Hinrunde. Und ich verneige mich vor Thomas Müller. 2014 habe ich vor Ort in Brasilien erlebt, wie er mit einem Dreierpack gegen Portugal den Traumstart in die WM ermöglichte. Nun gelang ihm ein tolles Comeback in der Nationalmannschaft, zudem hat er alleine in der Bundesliga schon 20 Scorer-Punkte.

Leipzig, Mönchengladbach und Wolfsburg sind die Enttäuschungen

Bei so vielen Gewinnern: Wer hat Sie bisher enttäuscht?

Reiner Calmund: Leipzig, Mönchengladbach und Wolfsburg. Allerdings glaube ich zumindest bei den ersten beiden, dass sie es trotzdem noch in der Rückrunde in die Europapokal-Regionen schaffen können. Leipzig hat nun mal vor der Saison mit Upamecano, Sabitzer und Konaté drei Leistungsträger verloren. Da kann man danach keinen Hokuspokus erwarten. Den Gladbacher Verantwortlichen traue ich auch zu, dass sie die Truppe nach der Pause wieder auf Vordermann bringen. Hertha BSC hat sich zumindest mit dem Sieg gegen den BVB etwas Luft verschafft, sonst hätte ich die auch noch nennen können.

Reiner Calmund schaut vor dem Hyatt-Hotel Richtung Rhein.

Immer noch voll vernetzt im Bundesliga-Zirkus. Reiner Calmund genießt seine Zeit ohne festes Amt im Fußball-Business.

Sind Sie denn mit der Ausbeute von Marco Rose in Dortmund zufrieden?

Reiner Calmund: Da werden unter dem Baum sicher keine Sektkorken knallen. Seine Hinrunde ist alles andere als gelungen. Aber ich halte ihn trotzdem für einen Top-Trainer. Er hatte zwischenzeitlich mit vielen Ausfällen wie Haaland, Reus oder Reyna zu kämpfen. Zudem steht die Abwehr nicht stabil.

Noch ein Wort zum 1. FC Köln. Dort wird die Geschäftsführung neu aufgestellt. Wie beurteilen Sie das?

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Reiner Calmund: Zum Stil des Abschieds von Horst Heldt und zum unglücklichen Umgang mit Friedhelm Funkel habe ich mich ja schon oft geäußert. Nun wird auch Alexander Wehrle Richtung Stuttgart ziehen. Ich weiß, dass er sehr, sehr enttäuscht vom 1. FC Köln vom ganzen Hickhack ist. Im Verein sollten einige mal genauer in den Spiegel schauen. Man hat schlicht nicht alles dafür getan, um ihn zu halten. Er war in den neun Jahren ein Glücksgriff für den Verein, hatte eine hohe Identifikation. Dass jemand, der so viel Erfahrung hat und so gut in der Branche verknüpft ist, geht, ist mehr als schade. Trotzdem wünsche ich der neuen Geschäftsführung alles Gute. Schließlich sind große Teile meiner Familie Anhänger des 1. FC Köln. 

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