Wie geht es weiter mit dem 1. FC Köln? In den kommenden Jahren will man noch mehr Mädchen- und Frauenfußball anbieten. Doch der Ausbau am Geißbockheim stockt. FC-Boss Türoff ist wütend.
„Was für ein Scheißdreck“Türoff redet sich bei Geißbockheim-Ausbau in Rage

Der Geißbockheim-Ausbau stockt seit zwölf Jahren! Der 1. FC Köln sucht zwei, drei neue Plätze, um für seine Nachwuchsmannschaften überhaupt Trainingszeiten anbieten zu können. Das Problem: Die Stadt Köln hat bisher keine konkreten Zusagen tätigen können.
Ob drei Plätze auf den Gleueler Wiesen gebaut werden können, steht nach der kurzfristigen Absage des Gerichtstermins in Münster weiter in den Sternen. Dennoch will der FC mit dem Bau des Nachwuchsleistungszentrums neben dem Franz-Kremer-Stadion beginnen. Anfang 2027 sollen die Bagger rollen.
Ausbildung beim 1. FC Köln: Kommen die Kinder sicher zu Satellitenplätzen?
Da ein Kunstrasenplatz dann wegfällt, setzt der FC auf Ausweichplätze. Am Fort VI (Militärring) könnte bald ein Platz ertüchtigt werden. Bei einem weiteren Platz dort gibt es Umweltschutzbedenken, da auch Flutlichtmasten errichtet werden müssten. Am Geißbockheim könnte der FC noch Trainingsplatz 2 zu einem Kunstrasenplatz umbauen, er liegt unmittelbar am bestehenden Trainingsgelände. Doch alle anderen Plätze wären sogenannte Satellitenplätze.
Für FC-Finanzgeschäftsführer Philipp Türoff (50) sind diese Plätze ein schlechter Kompromiss und eigentlich nur eine absolute Notlösung. Denn was solche Plätze für die Kinder und Jugendlichen bedeuten, ist eigentlich unzumutbar.
Türoff beschreibt die Situation drastisch und mit klaren Worten: „Wir müssen den politischen Parteien sehr deutlich erklären, was das operativ für uns bedeutet, wenn es um Satellitenplätze in der Peripherie geht. Wir haben fast 30 Minibusse hier herumfahren, um überall im Rheinland Kinder einzusammeln, wo diese zur Schule gehen. Da meistens bis 16 Uhr Schule ist, müssen die Kinder bis 17 Uhr am Geißbockheim sein. Dann muss auch das Training stattfinden, damit sie spätestens um 19 Uhr wieder zu Hause sind, wo das Abendessen in den Familien wartet.“
Türoff berichtet von besorgten Elterngesprächen, wenn ein Junge oder ein Mädchen angemeldet werden soll. Dann kommen Fragen auf. „Wo steigt das Mädchen aus dem Minibus? Wo zieht sich das Mädchen um? Wie ist der Weg zum Fußballplatz? Wie kommt es dann vom Platz wieder in eine Umkleidekabine? Wo kann es duschen und sich unter Licht sicher umziehen? Wie kommt es wieder in den Minibus, um sicher zum Geißbockheim zu kommen und von dort nach Hause gebracht zu werden?“, berichtet Türoff.
Die Politikerinnen und Politiker würden nach der Aufklärung des FC dann auch „kapieren, was es bedeutet, wenn ein Satellitenplatz so weit weg ist, dass wir umladen müssen“. Dabei sei eine weitere Schwierigkeit, dass nicht nur wenige, sondern Hunderte Kinder eingesammelt und dann in die entsprechenden Mannschaften verteilt werden müssten.
Türoff redet sich in Rage: „Wenn ich nur nach Hürth oder irgendwo anders hinfahren muss, bedeutet das auch auf dem Rückweg, dass alle wieder eingesammelt werden müssen. Das muss hier im dunkelsten November, bei scheiß Regen so funktionieren, dass ich allen Eltern noch erklären kann, dass das unter allen Aspekten von Kinderschutz, Betreuung und Sicherheit für Jungen und Mädchen aller Altersklassen funktioniert.“
Bei der gesamten Diskussion um den Geißbockheim-Ausbau kommt dem FC-Boss dieses Kernproblem zu kurz. Die Politik redet locker über Satellitenplätze, aber beim FC fühlt sich damit niemand wohl. Türoff sagt: „Wir haben schon in der Sekunde richtigen, verdammten Schmerz, wo die Kinder hier umgeladen werden müssen. Das muss man mal kapieren, was für ein Scheißdreck das ist.“
Selbst die Gleueler Wiese sei ein Kompromiss, bei dem der FC Bauchschmerzen hätte. „Das ist auch schon ein Spazierweg – im November unbeleuchtet. Das ist schon weit entfernt vom Ideal. Aber da könnten sie sich immerhin noch am Geißbockheim umziehen.“
Türoff möchte die Stadtpolitik endlich wachrütteln: „Diese Problematik gehört einfach dazu. Da kann jeder mal überlegen, ob er uns seine elfjährige Tochter zur Ausbildung anvertraut oder nicht. Wenn man so tut, als ob man die FC-Plätze einfach mal ein paar Kilometer hierhin oder dahin schieben kann, muss man mir mal erklären, wie wir das handhaben sollen.“

