Es ist der nächste Nackenschlag für den 1. FC Köln. Das Thema Geißbockheim-Ausbau wird sich erneut hinausziehen. Ob es jemals eine Lösung gibt, steht in den Sternen. Kölns Sportausschussvorsitzender Oliver Seeck ist fassungslos.
Grashüpfer, Falter & LibellenGeißbockheim-Schock beim FC: Seeck ist fassungslos

Seit zwölf Jahren kämpft der 1. FC Köln darum, am Geißbockheim die Bedingungen zu verbessern. Jetzt war die Hoffnung groß, dass endlich Klarheit geschaffen wird. Doch das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) hat eine für Donnerstag, 11. Juni 2026, angesetzte Verhandlung kurzfristig abgesagt.
Oliver Seeck ist tief frustriert nach der Absage in Münster
Als Begründung gab das Gericht an: „Am heutigen Nachmittag ist eine Stellungnahme der Antragsteller zu Artenschutzfragen eingegangen, die weitere Aufklärung erfordert.“ Aus zwölf Jahren werden jetzt deutlich mehr! Wann ein neuer Termin stattfindet, ist völlig unklar. Hinter der Klage aus dem Jahr 2020 stehen die Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ (BI) und der BUND NRW. Auf Anfrage bezeichnete Friedmund Skorzenski von der BI das Gutachten als einen „Hammer“. Es sei erst seit Sonntag verfügbar gewesen und sei dann sofort von den Rechtsanwälten vorgelegt worden.
Am Dienstagmorgen meldete sich Oliver Seeck (52) zu Wort. Der Sportausschussvorsitzende der Stadt Köln, SPD-Politiker und Aufsichtsratsvorsitzende der Kölner Sportstätten, sagte gegenüber EXPRESS.de: „Die gestrige Absage des Oberverwaltungsgerichts Münster für die heute angesetzte Verhandlung über den Ausbau des Trainingszentrums am Geißbockheim hat mich fassungslos und, ehrlich gesagt, tief frustriert zurückgelassen.“
Seeck weiß, was die Absage erst einmal bedeutet: „Wieder einmal wird eine Entscheidung vertagt, wieder einmal müssen alle Beteiligten auf Klarheit warten – und wieder einmal ist ein Ende dieser juristischen Hängepartie nicht absehbar.“
Die Begründung des Gerichts empfindet der 52-Jährige als besonders bitter: „Naturschützer haben kurzfristig neue Argumente zum Artenschutzgutachten eingebracht – es geht um Tagfalter, Grashüpfer und Libellen. Ich zweifle nicht daran, dass auch Fragen des Artenschutzes ernstzunehmen sind. Aber was hier passiert, ist eine systematische Blockade eines Verfahrens, das seit über zwölf Jahren läuft. Das OVG hatte bereits 2022 ein Urteil gesprochen, das vom Bundesverwaltungsgericht Leipzig im April 2024 aufgehoben und zur erneuten Entscheidung zurückverwiesen wurde. Und nun? Wieder eine Verschiebung auf unbestimmte Zeit.“
Der FC will 2027 ein neues Nachwuchsleistungszentrum für 50 Millionen Euro neben dem Franz-Kremer-Stadion errichten. Da dadurch ein Fußballplatz wegfällt, hätte der Klub noch weniger Trainingsmöglichkeiten. Neue Plätze können aber woanders in Köln nicht gebaut werden. Weder an den Gleueler Wiesen am Geißbockheim, noch am Fort V (Satelittenplätze). Dafür gibt es im Rat keine politische Mehrheit und Widerstand der Umweltschutzorganisationen.
Seeck hätte nach einem OVG-Urteil gerne Klarheit geschaffen und dem FC Flächen für neue Plätze zur Verfügung gestellt: „Unabhängig davon, wie das Gericht entschieden hätte, wäre gehandelt worden: Entweder hätten wir den Weg für den Ausbau am Geißbockheim erneut einschlagen wollen, oder wir hätten unverzüglich die Umsetzung der sogenannten Satellitenplätze als tragfähige Alternative auf den Weg gebracht. Beides sind Optionen, mit denen der 1. FC Köln arbeiten kann. Was dieser Verein nicht kann, ist weiter zuwarten.“
Seeck will aber weiterhin nicht aufgeben: „Ich appelliere an das OVG Münster, diesem Verfahren die nötige Priorität einzuräumen und zeitnah einen neuen Termin anzusetzen. Zwölf Jahre Ungewissheit sind für alle Beteiligten – den Verein, die Stadt und die Fans – mehr als genug. Der 1. FC Köln verdient Planungssicherheit. Und wir müssen politisch wieder handlungsfähig werden.“

