Der 1. FC Köln ist mit vier Punkten aus vier Spielen in die neue Saison gestartet. Den Fans wird einmal mehr alles abverlangt. Nach zuletzt eher gruseligen Vorstellungen wachsen die Sorgen, dass es in die falsche Richtung geht. Beim FC müssen vor dem Derby alle Antennen ausgefahren werden. Ein Kommentar:
FC-KommentarSchwarz oder weiß: Köln droht der Derby-Knall

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Sportgeschäftsführer Thomas Kessler (l.) und Trainer René Wagner stehen mit dem 1. FC Köln vor einem richtungsweisenden Derby.

Nach dem 1:2 des 1. FC Köln beim Hamburger SV schwappt die nächste fette Empörungswelle über den Klub hinweg. Die Fans und Förderer des FC haben eine Stimme – in den sozialen Netzwerken und auch in den Kommentarspalten von EXPRESS.de lassen sie Dampf ab.
Das ist keine Negativ-Blase von frustrierten Anhängerinnen und Anhängern – selbst kühnste Optimisten fangen an zu zweifeln. Im Volksparkstadion standen die enttäuschten Fans in Fleisch und Blut vor der Mannschaft und bedachten sie mit einem Pfeifkonzert.
Kesslers Hochrisikospiel mit Trainerneuling Wagner
Verwundern darf das beim FC niemanden. Wenn die zahlende Kundschaft in den Zirkus geht und der Jongleur alle Bälle fallen lässt oder der Clown unlustig ist, gibt es auch keinen Beifall. Profifußball ist eben auch Unterhaltung, die Profis bewegen sich im Showgeschäft. Aber der FC ist weit mehr als ein Zirkus.
Der Klub bestimmt die Stimmung in einer ganzen Region. Für hunderttausende Menschen ist er das Lebenselexier in einem immer schwieriger werdenden Alltag. Doch es geht nicht nur um Jeföhl. Der FC ist auch ein Wirtschaftsmotor. Zahlreiche Arbeitsplätze hängen vom Erfolg des Vereins ab. Da will man natürlich, dass das Herz des größten Klubs einer Millionenstadt erstklassig schlägt.
Doch seit gut 30 Jahren sucht der FC mit gewaltigen Rhythmusstörungen den Erfolg. Die Sehnsucht, an alte Zeiten anzuknüpfen, ist riesig. Die Geduld ist aber eher mikrig. Die Folgen: Immer und immer wieder werden Trainer oder sonstige Führungspersonen ersetzt. Das Ergebnis: Besser wird es nicht.
Es gibt ein bekanntes Zitat: „Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten!“ Beim 1. FC Köln versuchen die handelnden Personen gerade, genau diesen Wahnsinn der vergangenen 30 Jahre zu beenden.
Auslöser war vielleicht der tiefste Tiefpunkt der Vereinsgeschichte. Transfersperre und Abstieg 2023/24. Nachdem der Resetknopf zwangsweise gedrückt werden musste, begann ein neues Zeitalter – alles andere als einfach. Der FC musste nach dem Missmanagement aufholen, was in zwei Transferperioden verpasst wurde. Die Folgen sind bis heute spürbar. Auch im zurückliegenden Sommer gab es einen großen Kaderumbruch.
Mit René Wagner (38) gibt es jetzt einen Trainernovizen, der seine ersten Erfahrungen als Chef sammelt und etwas aufbauen will. Mit Simpson-Pusey (20), Said El Mala (20) und Mikey Moore (19) stehen sehr junge Spieler in der Startelf, die aktuell zu den besten im Kader zählen. Die gestandenen Spieler wie Lochoshvili oder Skhiri sind noch keine Leistungsträger, müssen dies aber schnell werden, wenn die Mannschaft bestehen will.
Für die FC-Fans ist es aktuell eigentlich mega-spannend: Sie dürfen dabei sein, wie etwas entsteht. Wie El Mala zum Nationalspieler reift und dabei nicht immer am Limit performt. Wie der Trainer seine Lehren aus Niederlagen zieht. Oder wie sich eine Struktur im neuen Team entwickelt.
Hier kannst du die neue Folge des Podcasts „Wir waren klar besser“ hören:
Aber der 1. FC Köln darf dabei kein Experimentierkasten sein, zu viel steht auf dem Spiel. Einem Trainerneuling wie Wagner ohne Kredit bei den Fans die Verantwortung zu übertragen, ist in jedem Fall ein Hochrisikospiel. Das dürfte Sportgeschäftsführer Thomas Kessler (40) bewusst sein. Dass die Verantwortlichen ihrem Konstrukt noch Zeit geben, ist richtig und nachvollziehbar. Die entscheidende Frage ist: Wie viel Zeit? Zunächst sind es knapp drei Wochen.
Die Lage ist jetzt ernst: Kessler könnte der ganze Laden schon nach dem nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 11. Oktober 2026, 15.30 Uhr/Liveticker auf EXPRESS.de) komplett um die Ohren fliegen. Alle Verantwortlichen und alle Spieler müssen jetzt die Antennen maximal ausfahren. Denn der Trend geht in eine gefährliche Richtung. In der aktuellen Verfassung könnte der FC wohl nur gegen Union Berlin bestehen.
Nach der Länderspielpause kommt der Tabellenletzte aus Mönchengladbach. Bislang haben die Fohlen noch keinen Punkt geholt. Mit dem neuen Trainer, der aller Voraussicht nach Alexander Blessin (53) heißen wird, soll sich das ändern. Der FC will nicht schon wieder Aufbaugegner wie beim HSV sein. Mit einem Sieg im Derby kann Wagner allerdings einiges erreichen und abschütteln: Der FC hätte dann das für viele Fans wichtigste Spiel der Saison gewonnen und sieben Zähler Vorsprung auf den Erzrivalen.
Es ist in jedem Fall ein Schwarz-oder-Weiß-Spiel für Köln. Ein Dreier sorgt für eine Befreiung und würde Wagner einiges an Kredit einbringen. Bei einer weiteren Niederlage wird es dagegen richtig düster.
Dann wird es spannend zu sehen, wie lange Kessler an seinem Trainerteam festhält. Wie laut werden die Proteste gegen Wagner im Stadion? Wie viel Zeit ohne Entwicklung und Erfolge gibt man einem Coach? Gibt es ein Ende mit Schrecken oder einen Schrecken ohne Ende? Auch hier würde der Spruch eine Bedeutung bekommen: „Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten!“
In den anstehenden drei Wochen vor dem Derby MUSS Wagner mit seinen Jungs jetzt wirklich Lösungen erarbeiten. Es geht um eine Spielidee, um Struktur, das Abwehrverhalten nach gegnerischen Standards und zielgenaue Abschlüsse.
Sollte es im Derby davon nichts zu sehen geben, will keiner mehr Ausreden hören. Dann wird es keine einfache Aufgabe für die FC‑Verantwortlichen. Aber eins ist klar: Niemand will in die Historie eingehen, weil er einen weiteren Abstieg nach Missmanagement zu verantworten hat.

