„Unbegreiflich“Vor Pokal-Duell: Kölner Kult-Reporter über Modeste-Aus und FC-Fehler

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Der Kölner Markus Höhner kommentiert am Mittwochabend das Achtelfinalspiel des DFB-Pokals zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Schalke 04 live auf Sport1 – privat drückt er dem 1. FC Köln die Daumen.

von Anton Kostudis (kos)

Köln – Seit Jahrzehnten ist Kult-Reporter Markus Höhner (55) am Spielfeldrand und Kommentatoren-Pult im Einsatz, seine Stimme kennen nahezu alle Fußball-Fans. Am Mittwochabend (18.30 Uhr, Sport1) nimmt der Kölner erneut hinter dem Mikrofon Platz, kommentiert live die Achtelfinal-Partie des DFB-Pokals zwischen dem VfL Wolfsburg und dem krisengeschüttelten FC Schalke 04.

  • Markus Höhner kommentiert DFB-Pokal-Achtelfinale VfL Wolfsburg gegen FC Schalke 04
  • Der Sport1-Reporter ist bekennender Fan des 1. FC Köln
  • Im Interview spricht er über die Kölner Pokal-Chancen und übt auch Kritik

Wenn er nicht als Berichterstatter unterwegs ist, drückt Höhner seinem 1. FC Köln die Daumen. Mit EXPRESS hat er nun über seinen Herzensklub, die Faszination DFB-Pokal und die Kölner Rheinland-Rivalen gesprochen.

Es war neben dem Leverkusen-Aus die große Sensation: Der FC Bayern flog in Kiel überraschend aus dem DFB-Pokal. Hat das dem Wettbewerb gutgetan?

Alles zum Thema Markus Gisdol

Total, natürlich. Plötzlich ist das ein neuer Wettbewerb. Jetzt treten alle ohne den Ballast an, dass Bayern München quasi eh schon gewonnen hat. Das finde ich für den Wettbewerb absolut bereichernd. Es war ja auch kein Betrug: Kiel hat das mit tollen sportlichen Mitteln erarbeitet. Und Holstein hat damit nicht nur für sich die nächste Runde gebucht, sondern den Wettbewerb auch völlig offen gemacht. Vor allem ambitionierte Klubs wie Dortmund und Leipzig, aber auch Vereine wie Stuttgart und sogar Schalke und der 1. FC Köln sehen nun die realistische Chance, dass sie mit ein, zwei anständigen Losen einen Titel gewinnen können. Das wird auf jeden Fall richtig spannend.

Die starken Wolfsburger empfangen Krisen-Klub Schalke, Sie kommentieren das Spiel live. Hand aufs Herz: Darf der VfL nicht schon sicher fürs Viertelfinale planen?

Nein, das würde ich nicht sagen. In diesem Spiel ist es eine ganz andere Situation für Schalke. Sie können damit mental anders umgehen, haben nicht den Druck wie in der Liga. Sie wissen natürlich, dass es um alles geht. Aber eben nur in diesem Wettbewerb. Daher glaube ich, dass es für sie – bei all dem aktuellen Stress – mehr eine Freude als eine Belastung sein wird. Christoph Daum hat mir mal gesagt, dass er immer lieber gegen eine Mannschaft spielt, die am Wochenende zuvor 4:0 gewonnen hat. Beim Schalke-Spiel sind die Vorzeichen ja genauso gegensätzlich: Schalke im Keller und wieder nicht gewonnen, Wolfsburg mit einem klaren Sieg jetzt Tabellendritter. Aber das kaschiert ein bisschen. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, dass das in die Verlängerung geht.

Bayer Leverkusen ist am Dienstag sensationell beim Viertligisten Rot-Weiss Essen aus dem Pokal geflogen. Gladbach muss gegen Stuttgart ran. Wie sehen Sie die Kölner Rheinland-Rivalen?

Dass Bayer nun in Essen aus dem Pokal geflogen ist, war natürlich wirklich nicht zu erwarten. Das ist eine echte Sensation! Gladbach? Eine sehr ambitionierte Mannschaft mit einem guten Kader, die alle Chancen auf Berlin hat. Ich finde, dass beide Mannschaften trotz gewisser Schwankungen dennoch eine gute Saison spielen. Ganz ohne Schwankungen spielen die allerwenigsten Teams, selbst die Bayern nicht. Aber klar: Die Konkurrenz „patzt“ es möglich, dass die Bayern in der Bundesliga deutlich Tabellenführer sind.

Was ist für den 1. FC Köln im Pokal möglich?

Regensburg muss man bezwingen, das muss der Anspruch sein. Ich glaube, es gibt auch keinen Erstligisten, der sich bei einem mittelmäßig platzierten Zweitligisten etwas anderes auf die Fahne schreiben würde. Und wenn du dann zwei ordentliche Lose bekommst, warum sollte es für den FC nicht möglich sein, weit zu kommen? Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Mannschaft in den kommenden Wochen ein bisschen fängt.

Anthony Modeste hat den FC am Deadline Day überraschend noch verlassen. War es richtig, ihn abzugeben?

Nein. Und ich befürchte auch, dass das Bielefeld-Spiel blendet. Ohne Andersson, bei dem keiner weiß, wann er wieder vollständig fit ist, mangelt es dem Kader meiner Meinung nach an Abschlussqualität. Marius Wolf hat jetzt doppelt getroffen, der macht einen prima Job. Aber der wird nicht zum neuen Knipser werden. Und wenn ich mir den Kader anschaue, frage ich mich: Wer könnte da wirklich Tore erzielen?

Mit Emmanuel Dennis hat der FC kürzlich allerdings einen Stürmer verpflichtet.

Ja, das stimmt. Und Gisdol hat gegen Bielefeld prompt mit ihm als echtem Stürmer spielen lassen. Das ist enorm wichtig. Dennis hat zwar kein Tor gemacht, war aber durch seine Laufwege mindestens an zwei Toren beteiligt, hat Räume geschaffen. Zuvor hat der FC wochenlang ohne jeglichen Plan in der Offensive gespielt. Und wer so mummlos spielt, wird auch keine Tore erzielen. Dann bekommen die Stürmer nämlich auch keine Bälle, ob sie Modeste, Andersson oder Dennis heißen. Deswegen halte ich die sehr laute Kritik an Tony für unangebracht. Ich kann einen Modeste nicht für ein 0:5 in Freiburg verantwortlich machen, wo andere die Fehler begangen haben. Und statt Modeste, der es erwiesenermaßen kann, starkzumachen, hat Gisdol ihn jetzt meiner Meinung nach auch ein Stück weit weggeekelt. Das ist für mich schon auch ein Schaden am Verein.

Auch auf Max Meyer ruhen beim FC große Hoffnungen. Wie schätzen Sie den Transfer ein?

Max Meyer ist ein guter Spieler, er kann die Mannschaft weiterbringen. Dennoch sprechen auch seine Statistiken eine eindeutige Sprache. Aber du brauchst auch Leute, die eine Abschlussquote haben, die dir Tore auf den Zettel bringen. Und da bin ich pessimistisch. Und es wäre sicher nicht meine erste Idee gewesen, einen Stürmer abzugeben. Das einzige Potenzial sehe ich bei Ondrej Duda, aber nur, wenn er mit einem echten Stürmer zusammenspielt. Das hat seinerzeit bei Hertha funktioniert, weil vor ihm Leute wie Ibisevic, Selke oder Kalou die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Dann konnte er da sein für zweite Bälle und hatte Räume, die durch die Stürmer gemacht wurden. Aber er vorne drin alleine – das war ein albernes Projekt.

Vor knapp einem Jahr sagten Sie uns im Interview, Sie seien „perplex, wie Gisdol den FC hinbekommen hat“. Haben Sie ihre Meinung mittlerweile geändert?

Und da stehe ich zu, denn genauso war es auch. Ich war damals schockiert über den Plan, ihn zu holen, weil ich es ihm nicht zugetraut hatte. Ich konnte dann aber wirklich nicht fassen, wie er die Mannschaft da rausgeführt hat. Allerdings haben dann genau dieselben Mechanismen wie in Hoffenheim und Hamburg eingesetzt. Er hat seinerzeit beide Mannschaften rausgeführt, doch dann sind sie komplett eingebrochen. Nichts anderes ist 18 Spiele lang und über Wochen und Monate beim FC passiert. Und ich finde es fahrlässig, dass Horst Heldt das nicht berücksichtigt hat – und den Vertrag, der ohnehin bis 2021 lief, um zwei weitere Jahre ohne jede Not verlängert hat. Das ist mir unbegreiflich.

Auf den FC wartet in der Bundesliga ein Hammer-Programm. Trauen Sie dem Team dennoch die Wende zu?

Irgendwen musst du ja schlagen, um Punkte zu holen. Für mich definiert sich das am Ende über Mut. Wie in Frankfurt im vergangenen Jahr, als der FC beeindruckend zurückgekommen ist. Und als Gisdol etwas gemacht hat, was er jetzt nicht mehr macht: mutig wechseln. Da auch noch mal mein Kompliment an ihn und seine Handschrift. Nur hat er diese mittlerweile verloren.

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Welche Paarung würden Sie sich fürs Finale wünschen?

Da ich aus der Region komme, wären mir am Ende natürlich Schalke, Dortmund, Gladbach und Köln am liebsten. Ich bin ein Junge aus dem Westen, und das sind die vier großen Traditionsvereine, auf die ich deswegen natürlich schaue. Wenn es Stuttgart oder sogar sensationell Essen wird, wäre das auch in Ordnung. Aber auf einen konkreten Tipp kann und will ich mich da gar nicht festlegen.