Am Montagabend gab es im ausverkauften Gloria in Köln beste Unterhaltung. Ex-FC-Trainer und Fußball-Globetrotter Ewald Lienen (72) sprach über seine Karriere, alte Zeiten und natürlich auch über den 1. FC Köln.
Gloria rappelvollEx-FC-Coach Lienen in Bestform über El Mala & Kwasniok

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Ewald Lienen (Mitte) mit Musiker Helmut Krumminga und Sportjournalist Michael Born (r.) am Montagabend, 2. März 2026, im ausverkauften Kölner Gloria.
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Dieser Mann zieht magisch an! Wenn Ewald Lienen (72) erzählt, kleben alle an seinen Lippen. Seine Art: mal schroff, mal böse, mal humorvoll – aber immer menschlich!
Am Montagabend begeisterte er über 400 Fans im ausverkauften Gloria-Theater in Köln mit seinem Bühnenprogramm „Fußball und wie das Leben so spielt“. Programm ist vielleicht zu viel gesagt: Lienen erzählte einfach drauflos, verzettelte sich ab und zu und lieferte etliche Lacher mit seinen Anekdoten und Ansichten.
Ewald Lienen geht Immer-Gewinnen-Mentalität gegen den Strich
Michael Born (Sportjournalist aus Hamburg) saß ebenfalls in einem Sessel auf der Bühne, versuchte, Lienen immer wieder einzufangen oder etwas zu fragen. Konkrete Antworten gab es fast nie. Dafür intelligente Ausführungen über Massenmedien, soziale Netzwerke oder die Verdummung der Gesellschaft. Lienen in Höchstform!
„Für mich ist das ein Heimspiel“, sagte der Trainer, der im Jahr 2000 erstmals mit dem 1. FC Köln den Aufstieg schaffte, zu Beginn. Um dann gleich auszuteilen: „Elon Musk ist ein Arschloch, er hat gesagt, dass die größte Schwäche unserer Gesellschaft die Empathie sei. Überleg dir mal, was dieser Mensch sagt, der 90 Prozent des Reichtums dieser Erde an sich reißt. Und uns nach allen Regeln der Kunst verarscht! Von so einem Idioten muss ich mir das sagen lassen? Nein, denn die Empathie ist die Grundlage von unserer Menschlichkeit.“ Da gab es gleich mal tosenden Applaus!
Empathie und Menschlichkeit forderte Lienen dann auch im Umgang mit Trainern. Köln-Coach Lukas Kwasnok erfährt gerade, wie es einem ergehen kann. In den sozialen Netzwerken wird er verunglimpft. Viele Fans fordern nach der 0:2-Niederlage beim FC Augsburg seine sofortige Entlassung.
Lienen stellte klar: „Menschen machen Fehler, ich habe auch ein, zwei gemacht. Aber es gibt keine Begründung, jemanden lächerlich zu machen.“ Für Lienen fehlt im Umgang mit Trainern oft der Respekt: „Mich stört das einfach.“
In Sachen 1. FC Köln fing Lienen dann eine fast philosophische Grundsatzdiskussion an. Von Kollege Born auf die aktuelle Krise inklusive Abstiegsangst angesprochen, antwortete Lienen schmunzelnd: „Interessiert das in Köln irgendjemanden? Ich beobachte die Geschichte jetzt 25 Jahre. Du musst das Leben feiern.“ Dann holt er aus: „Wir sind auf dem Trip: Die Wirtschaft muss profitabel sein. Komischerweise geht der Profit nur in die Tasche von einigen wenigen. Im Fußball muss ich gewinnen. Ja, man bleibt natürlich gerne in der Bundesliga. Aber das alles so hochzuhängen, ist nicht gut. Es wird nur darauf abgezielt: Gewinnen die? Oder gewinnen die nicht? Diese Kultur nervt mich extrem.“
Lienen stellt dann eine Frage: „Was ist Erfolg?“ Seine Antwort: „Für mich geht es nicht nur ums Gewinnen. Wenn es im Leben nur darum ginge … Im Fußball finde ich: Wenn die Mannschaft fit ist, wenn sie fair ist, wenn der moralische Kompass stimmt und dann noch den Ball gut laufen lässt, dann ist das viel wert. Aber in unserem Land wird gesagt: ‚Ja, die haben gut gespielt. Aber sie haben verloren.‘ Ja, leck mir doch die Socke! Irgendeiner verliert eben, das ist immer so.“
Der ehemalige Trainer redet sich in Rage: „Wenn es immer nur darum ginge, zu gewinnen, dann können wir den Laden zumachen. Da sind wir kurz davor. Der FC ist jetzt in der Bundesliga und da ist es keine Überraschung, dass sie im Moment, nach jahrelangem Knattern und mal rauf, mal runter, auch mal verlieren. Das ist alles nicht so einfach, es hat was mit Finanzen zu tun, mit Kontinuität in der Führung und so weiter.“
Dann ging es um Kölns Talent Said El Mala. Born fragte: „Würdest du ihn häufiger von Anfang an bringen?“ Lienen holte wieder aus: „Du stellst mir diese Frage!? Ich bin 18 Jahre Profi gewesen, 24 Jahre Profitrainer, sieben Jahre Experte im Fußball. Ich wäre sehr prädestiniert, ein Urteil abzugeben, wenn ich den Jungen jeden Tag vor mir sehen würde, mit ihm trainieren würde, mit ihm sprechen würde und ihn beurteilen könnte. Aber vom Fernsehen aus zu sagen: ‚Wieso stellt der den denn nicht auf?‘“ Das Publikum applaudierte lautstark.
Lienen weiter: „Dass El Mala ein toller Spieler ist, ist völlig klar. Aber es ist auch klar, dass er lernen muss, sich in ein Mannschaftsspiel einzufügen. Das wird er natürlich nicht auf der Bank lernen, das ist klar.“ Allerdings müsse er noch „erzogen werden. Er muss für die Mannschaft arbeiten und ein gewisses Abwehrverhalten lernen. Es ist wichtig, dass er die Qualität, die er hat, nicht verplempert, indem er in völlig ungefährlichen Zonen anfängt zu dribbeln. Tor schießt er dann, wenn er am Sechzehner anfängt.“
Die Stärken von El Mala fasste Lienen so zusammen: „Er kann den Unterschied machen, weil er super schnell ist und an den Leuten vorbeikommt und eine überragende Schusstechnik hat. Das haben wir hierzulande nicht zu häufig.“
Lienen hat in seiner Karriere 333 Spiele absolviert und 49 Tore erzielt. Er spielte für Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld und den MSV Duisburg. Als Trainer arbeitete er unter anderem beim MSV Duisburg, Hansa Rostock, 1. FC Köln, Panionios Athen und dem FC St. Pauli.



