Beim großen Eröffnungsfest haben am Samstag Tausende Besucher zum ersten Mal das runderneuerte Opernhaus und das Schauspielhaus angesehen. Doch es gab auch Protest – und der war unübersehbar.
„Pickel der Eröffnungsfeier“Kölnerin zeigt Protest auf Opernplatz

Copyright: Ayhan Demirci
Mit zwei Protestplakaten hat die Kölnerin Andrea Trombelli am ersten Tag der Opern-Eröffnung sehr kritisch Stellung bezogen.

Denn die Botschaft ging von der Mitte des Offenbachplatzes aus. Schonungslos ging die Kölnerin Andrea Trombelli mit dem Operndesaster ins Gericht und stellte sich am Samstag mit selbstgefertigten Protestplakaten vor der Programmbühne ins Zentrum des Geschehens.
Das zeugt von der Lust zur Provokation, aber auch von Mumm. „Heute Morgen habe ich noch gedacht: Ich habe richtig Angst.“, räumt die ehemalige Immobilienkauffrau aus der Südstadt im Gespräch mit dem EXPRESS ein. „Aber mir war diese Sache zu wichtig.“ Nun sei sie, sagte sie selbstironisch, der „hässliche Pickel der Eröffnungsfeier “.
Auf zwei Plakaten steht schonungslos das Desaster in Zahlen
So erinnerte sie also vor Beginn des großen Festprogramms, an dessen Anfang Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), Schauspielintendant Kay Voges und Opernintendant Hein Mulders die Besucher von der Bühne am Offenbachplatz begrüßten, an die bitteren Fakten und Zahlen – 14 Jahre Sanierung und 1,5 Milliarden Euro Kosten: „So viel Geld, das woanders dringend gebraucht wird“, sagt Trombelli, der besonders Obdachlosen-Projekte und die Schaffung von Frauenhäusern am Herzen liegen.
Sie kritisiert, dass das Baudesaster nicht aufgearbeitet wird, um möglicherweise Lehren für künftige Großprojekte zu ziehen. Mehrere Gäste sagten ihr beim Vorbeigehen Danke, manche blieben stehen und begannen ein Gespräch. Die Reaktionen, sagt Trombelli, seien überwiegend zustimmend.
Als dann Stadtoberhaupt Burmester Kölns neue Bühnen nach 14 Jahren eröffnete, hatte er eine Botschaft für die Bürger, die an diesem sonnigen Samstag das kulturelle Zentrum der Innenstadt in Empfang nahmen: „Wir wissen alle, dass es zu lange gedauert hat“, sagte er. „Ich muss mich entschuldigen, die Stadt muss sich entschuldigen, weil wir Fehler gemacht haben.“
Er sagte auch: „Mit der Wiedereröffnung unserer Bühnen geben wir der Stadt einen zentralen Ort der Begegnung, der Inspiration und der künstlerischen Freiheit zurück, der allen Kölnerinnen und Kölnern gehört.“
Burmester: Bislang hat sich niemand entschuldigt, also tue ich es
In der FAZ, die sich in der Samstagausgabe der schwierigen Wiedergeburt der Kölner Oper widmet, wird Burmester noch mit den Worten zitiert, dass es „nichts zu beschönigen“ gebe, dass man die Fehler, die bei der Sanierung gemacht wurden, „nicht kleinreden“ dürfe und sich aus seiner Sicht bislang niemand dafür entschuldigt habe, deshalb werde er dies als Oberbürgermeister tun.
Bei Andrea Trombelli dürfte das gut angekommen sein. Burmester, den sie bei einem anderen Anlass einmal kennengelernt habe, habe sie auf dem Platz auch begrüßt.
Am heutigen Sonntag geht die Eröffnungsfeier, zu der Musik, Tanz und Mitmachangebote und natürlich Entdeckungstouren durch die Spielstätten gehören, weiter. Den Abschluss bildet am Abend ein Konzert im Opernhaus, an dem das Ensemble der Kölner Oper, der Opernchor, das Gürzenich-Orchester und die Band Kasalla teilnehmen.
In der kommenden Woche kehren Oper und Schauspiel auch mit ihrem regulären Programm wieder an ihre eigentlichen Spielstätten zurück. Nach einem Festakt am Donnerstag folgen die ersten Premieren, im Opernhaus ist das am Sonntag „Der Rosenkavalier“.

