„Sehr kritisch“Aufmarsch sorgt in Köln für Wirbel – Parteien distanzieren sich

In Köln findet am Samstag (19. September) erneut der „Marsch für das Leben“ statt. Die Demonstration wird von Gegenprotesten begleitet. (Archivbild)

Copyright: Thomas Banneyer

In Köln findet am Samstag (19. September) erneut der „Marsch für das Leben“ statt. Die Demonstration wird von Gegenprotesten begleitet. (Archivbild)

Aktualisiert:

Am Samstag zieht der „Marsch für das Leben“ wieder über den Kölner Neumarkt. Die Polizei erwartet 3000 Teilnehmende – und ebenso viele beim Gegenprotest. Im Stadtrat distanzieren sich fast alle Fraktionen.

Dieser Aufmarsch sorgt im Vorfeld für jede Menge Wirbel: Der „Marsch für das Leben“ zieht am Samstag (19. September) erneut durch die Kölner Innenstadt. Start ist um 13 Uhr auf dem Neumarkt, dort endet der Zug auch mit einer Kundgebung. Die Polizei rechnet mit 3000 Teilnehmenden und warnt vor kurzfristigen Straßensperrungen. Von Autofahrten in die Innenstadt wird abgeraten.

Veranstalter ist der Bundesverband Lebensrecht. Die Demonstration, bis 2006 unter dem Namen „1000 Kreuze für das Leben“, richtet sich gegen Schwangerschaftsabbrüche, Sterbehilfe und Leihmutterschaft. Das Projekt „Spotlight Antifeminismus“ der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz sieht darin trotz des überparteilichen Auftretens eine Vernetzungsplattform für antifeministische Kräfte aus christlich-fundamentalistischen und extrem rechten Milieus.

Parteien im Kölner Stadtrat distanzieren sich

Aus dem Kölner Stadtrat kommt breite Ablehnung – einzige Ausnahme ist die AfD-Fraktion, die zur Teilnahme aufruft und einen Vorabendtermin ausrichtet.

SPD-Fraktionschef Christian Joisten erklärte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wir sehen den sogenannten ‚Marsch für das Leben‘ sehr kritisch.“ Frauen müssten „selbstbestimmt über ihren Körper und ihre Familienplanung entscheiden können“. Das Demonstrationsrecht gelte aber „selbstverständlich auch für Positionen, die wir entschieden ablehnen“.

Die gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen, Michelle Achour, sagte, der Marsch biete „eine Bühne für fundamentalistisches, antifeministisches, queerfeindliches und in Teilen rechtsextremes Gedankengut“.

Eva-Maria Ritter von der FDP/KSG-Fraktion befand, die dort vertretenen Positionen widersprächen „unserer liberalen Lebenseinstellung fundamental“. Die Linke ruft ausdrücklich zum Gegenprotest auf, ebenso Volt: Eine Unterstützung sei „mit den Werten von Volt unvereinbar“, so Fraktionschefin Jennifer Glashagen. Die CDU-Fraktion antwortete auf eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeigers“ bislang nicht.

Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sendet Grußwort

Rückhalt erhält der Marsch aus der katholischen Kirche: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sandte ein Grußwort, ebenso der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp will teilnehmen, wandte sich aber gegen eine parteipolitische Vereinnahmung des Lebensschutzes. Innerkirchlich bleibt die Veranstaltung umstritten, unter anderem weil in den Vorjahren rechtsextreme Aktivisten und AfD-Politiker wie Beatrix von Storch mitliefen.

Die Journalistin und Podcasterin Lina Dahm beschreibt den Marsch gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „Ort der Vernetzung“: „Da treffen christlich-fundamentalistische und konservative AkteurInnen auf AfD-PolitikerInnen und Personen aus der (extremen) Rechten.“ Eine „per se rechtsradikale Agenda“ stecke nicht dahinter, doch über das Thema würden unterschiedliche fundamentalistische und rechte Positionen anschlussfähig.

Den Gegenprotest organisiert das feministische Bündnis „Pro-Choice Köln“, unterstützt von „Pro Familia“. Er soll zwischen 11 und 20 Uhr auf derselben Strecke verlaufen, erwartet wird eine ähnlich hohe Teilnehmerzahl. Auch „Köln gegen Rechts“ mobilisiert: „Kommt also zahlreich und zeigt, dass in Köln Rechtsextremisten und klerikale Spinner nichts zu suchen haben.“ (red)

Menschen halten Transparente mit der Aufschrift „Wir sind keine Maschinen der Reproduktion“ und „Wir sind Frauen im Kampf für die Revolution“.
Demo-Alarm in Köln
Polizei im Großeinsatz – Appell an alle Bürger