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Von Regionalliga in die Premier League Undav über Märchen-Wechsel: „Manchmal muss ich mich kneifen“

Unions Deniz Undav reagiert während des Fußballspiels zwischen Royal Union Saint-Gilloise und Royal Sporting Club Anderlecht.

Deniz Undav, hier am 30. Januar 2022 für Royal Union Saint-Gilloise im Einsatz, wechselt im Sommer zu Brighton Holve & Albion in die Premier League.

Vor anderthalb Jahren wechselte der Drittliga-Fußballer Deniz Undav zum Zweitliga-Club Royale Union Saint-Gilloise. Daraus entwickelte sich ein beinahe märchenhafter Aufstieg.

In den USA würde man diese Geschichte wohl als sogenannte „Cinderella-Story“ bezeichnen: Deniz Undav (25) hat in den letzten Jahren eine verrückte Entwicklung hingelegt.

Der Stürmer spielte vor vier Jahren noch in der Regionalliga Nord bei der zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig. 2018 ging es zum SV Meppen in die 3. Liga, 2020 schließlich zum damaligen belgischen Zweitligisten Royale Union Saint Gilloise.

Deniz Undav stieg mit Royal Union Saint-Gilloise auf

In 56 Spielen erzielte Undav beachtliche 37 Treffer (15 Vorlagen) und stieg mit den Belgiern in die erste Liga auf. Auch deshalb wurde er in diesem Winter mit einem Wechsel in die Bundesliga in Verbindung gebracht (unter anderem wohl Wolfsburg und Gladbach) – am Montag (31. Januar 2022) wurde dann der Wechsel in die Premier League zu Brighton Holve & Albion bekannt!

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Doch nicht nur Undav hat sein eigenes Fußball-Märchen geschrieben, auch seinem belgischen Ex-Klub verhalf er zu einem solchen. Denn Royal Union Saint-Gilloise wartete 48 Jahre auf eine Rückkehr in die Jupiler Pro League, bis Undav den Traditionsklub (124 Jahre alt) mit seinen Buden ins Oberhaus schoss.

Deniz Undav bis Saisonende von Brighton zurück zu Saint-Gilloise ausgeliehen

In dieser Saison spielt Saint-Gilloise nicht nur einfach in Belgiens oberster Spielklasse mit, führt dieses sogar als souveräner Tabellenführer an (neun Punkte Vorsprung auf Platz zwei). An den bisherigen 25 Spieltagen am häufigsten eingenetzt? Hat natürlich Undav mit 18 Treffern (zusammen mit Ex-Nürnberg-Stürmer Michael Frey).

Undav hat seinen Vertrag in England zwar schon unterschrieben, Brighton leiht ihn aber in der Rückrunde noch an Saint-Gilliose aus und spielt erst ab Sommer in der Küstenstadt. Beide Klubs haben mit dem Pokerspieler Tony Bloom denselben Besitzer.

Deniz Undav: „Manchmal muss ich mich kneifen“

„Manchmal muss ich mich kneifen“, sagte Undav der „Kreiszeitung Syke“ über seinen Aufsteig. Denn der Angreifer ist das, was sein früherer Trainer Torsten Lieberknecht (48) gern einen „Profi auf dem zweiten Bildungsweg“ nennt. Mit 16 Jahren wurde er (geboren in Achim bei Bremen) bei Werder aussortiert, mit 21 bot ihm Eintracht Braunschweig für die 3. Liga keinen neuen Vertrag an.

Deniz Undav gegen Marcel Gaus vom FC Ingolstadt.

Deniz Undav (r.), hier am 28. Juni 2020, spielte zwei Jahre lang in der 3. Liga für den SV Meppen.

Nach sechs Jahren beim SC Weyhe, TSV Havelse und bei Eintracht II wechselte Undav 2018 zum SV Meppen, für den er in seiner zweiten Drittliga-Saison 17 Tore schoss. Danach war klar, dass er es auf Umwegen doch noch in den Profifußball schaffen wird.

Union Berlin wollte Deniz Undav haben

Dass er sich 2020 für das damals noch zweitklassige Saint-Gilloise entschied und nicht für einen deutschen Erst- oder Zweitliga-Klub, wunderte seinerzeit viele. In der Rückschau erklärt Undav das aber auch mit seinen Erfahrungen in Bremen und Braunschweig.

„Kein anderer Verein ist in die Offensive gegangen – nur Union“, sagte er. „Sie haben alles gegeben, alle zwei Tage meinen Berater angerufen. Ich habe gemerkt: Die kämpfen um mich, da bekomme ich zum ersten Mal richtige Wertschätzung. Das Gefühl kannte ich nicht.“

„Eine der fünf Top-Ligen Europas“ war schon immer Undavs Traum

Die spektakuläre Entwicklung seines Teams hat derweil viele Gründe: ein eingespieltes Team, kluge Transfers. Der Klubbesitzer Bloom rekrutiert Spieler nach ähnlichen Prinzipien, wie sein Unternehmen den Wert von Sportwetten ermittelt: mit akribischer Datenanalyse.

Auch delegierte er nach dem Aufstieg talentierte Spieler wie den Japaner Kaoru Mitoma und den Polen Kacper Kozlowski von Brighton nach Belgien. Undav wird im Sommer den umgekehrten Weg gehen und sich so seinen Traum von „einer der fünf Top-Ligen Europas“ erfüllen.

Dem belgischen Fußball kommt der Erfolg seines Überraschungsteams ebenfalls gerade recht. Die Staatsanwaltschaft will demnächst 57 Verdächtige in einem 2018 aufgedeckten Skandal um Geldwäsche, Betrug und Spielmanipulation anklagen. Involviert sind auch Vertreter des Verbandes, des FC Brügge und des RSC Anderlecht. „Bei so viel schlechten Nachrichten will man ab und zu gern an Märchen glauben“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über Royale Union Saint-Gilloise. (tsc/dpa)

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