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Effenberg im „Doppelpass“„Glaube nicht, dass sich das in der Bundesliga durchsetzen wird“

Stefan Effenberg, Florian König und Ruth Hoffmann im Doppelpass.

Copyright: Screenshot Sport1

Die „Doppelpass“-Runde am 19. April besprach das Thema Marie-Louise Eta und Union Berlin. 

Aktualisiert:

Die Meisterschaft quasi entschieden, Bewegung im Abstiegskampf, aber ein Thema dominiert den Bundesliga-Spieltag: das Debüt von Trainerin Marie-Louise Eta bei Union Berlin. 

Es ist DAS Thema der Bundesliga. Nicht nur national, auch international wird seit Tagen über Union Berlin gesprochen. Genauer: über Trainerin Marie-Louise Eta.

Sie ist die erste Frau, die ein Bundesliga-Team trainiert. Damit hat Eta schon Bundesliga-Geschichte geschrieben. Ihr Debüt in Deutschlands Fußball-Oberhaus wurde medial genau beobachtet. Auch wenn das Ergebnis nicht positiv ausfiel, gab es dennoch Lob für Eta.

Statistik spricht für Eta und Union, das Ergebnis für Wolfsburg

Die Nachfolgerin von Ex-FC-Trainer Steffen Baumgart, der bei Union für Eta seinen Hut nehmen musste, hatte ihre Mannschaft beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg hervorragend eingestellt, die statistischen Werte sprachen fast alle für Eta: 27:7 Torschüsse erspielte sich ihr deutlich offensiveres Team, das eine bessere Passquote als in der Vorwoche hatte und auch 78 Prozent der Zweikämpfe gewann. Das Problem: Wolfsburg gewann 2:1 in der Alten Försterei.

Und dennoch: Etas Premieren-Auftritt wird durchaus positiv bewertet. Moderator Florian König nahm direkt Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche in die Pflicht, Unions Entscheidung zu bewerten: „Wie hast du das aufgenommen, als du gehört hast, Union geht diesen mutigen Schritt, diesen neuen, innovativen Schritt?“ 

„Ich weiß nicht, ob es wirklich mutig ist. Letztlich kennt sie der Verein natürlich und sie ist ja schon lange da, war auch schon als Co-Trainerin dabei. Von daher finde ich, dass das keine mutige Entscheidung ist, letztendlich vielleicht auch eine konsequente Entscheidung. Wenn sie überzeugt sind von der Qualität, finde ich das gut. Am Ende geht es um die Qualität und darum, die Chance zu haben. Von daher finde ich das gut.“

Folgen demnächst mehr Cheftrainerinnen auf Eta in der Bundesliga? „Ist Marie-Louise Eta eine Ausnahme oder erst der Anfang? Stefan, wie nimmst du das wahr?“, wollte König vom Sport1-Experten Effenberg wissen. „Ist sie für dich eine Ausnahme, unter diesem Druck, unter dieser weltweiten Beachtung jetzt zu coachen, an der Seitenlinie zu stehen und das alles zu verkraften, gar nicht so einfach, ne?“

Der frühere Bayern- und Gladbach-Star Effenberg holte tief Luft: „Aber sie stellt sich der Verantwortung. Da spricht ja schon mal für Marie-Louise Eta. Ich glaube, sie hat die Fachkompetenz und damit verbunden, die Qualität. Sie kennt das Team. Ich wünsche mir, dass das nicht die Ausnahme bleibt. Aber ich glaube, dass wir jetzt in Zukunft nicht sehr viele davon sehen werden in der Bundesliga.“

„Warum glaubst du, dass das nicht passiert?“, wollte König wissen. „Ja, die Frage hätte ich so nicht beantworten sollen, weil dann sofort die Nachfrage kommt. Sie ist der Herrenmannschaft sehr eng verbunden. Sie war ja schon Assistenzcoach und hat da auch einen ordentlichen Job gemacht. Aber ich glaube nicht, dass sich das in der Bundesliga durchsetzen wird“, sagte Effenberg.

„Signalwirkung für Deutschland, für den deutschen Fußball“

„Ist das schade, wenn das so wäre, wenn Stefan recht behält?“, fragte König anschließend in die Runde und band Persönlichkeitscoach Mounir Zitouni in die Diskussion ein. „Man muss schauen, ob das so kommt. Ich glaube schon, dass es eine absolute Signalwirkung für Deutschland, für den deutschen Fußball tatsächlich ist. Ich bin auch in dieser Woche von ganz, ganz vielen Menschen, auch Frauen, angesprochen worden, die normalerweise nicht viel mit Fußball zu tun haben, und für die ist das wirklich ein Thema.“

Der ehemalige Fußballprofi hielt dann ein Plädoyer für einen Wandel im Fußball – und für mehr Frauen auf der Trainerbank: „Und ich glaube, dass die gesellschaftliche Entwicklung einhergehen muss mit Sichtbarkeit. Und wir haben jetzt eine Trainerin im deutschen Fußball, die ist sichtbar, und genauso wie es irgendwann mal die erste Flugpilotin gab, Ende der 80er, die sichtbar war, ist es jetzt eine Trainerin. Und ich glaube, dass das wichtig ist. Tatsächlich, um den jungen Frauen und Mädchen wirklich als ein Vorbild zu dienen. Um zu zeigen: Da kann es hingehen. Und natürlich gibt es in der Männerfußballwelt eigene Regeln, Codes, einen Verhaltenskodex, aber das verändert sich. Das wird sich verändern. Sie wird sich anders verhalten, anders agieren. Und das ist auch gut so.“

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