Abo

Doppelpass ist der RennerBis zu 98 Prozent der Neubürger wählen jetzt die Mehrstaatigkeit.

Landesamt für Einwanderung (LEA) in Berlin

Copyright: Jörg Carstensen/dpa

In Berlin wurden laut Mediendienst Integration im vergangenen Jahr rund 36.100 Anträge auf Einbürgerung gestellt. (Symbolbild)

Deutscher Pass? Ja, aber fast niemand gibt den alten auf.

Der deutsche Pass? Ja, bitte – aber den alten behalte ich! Fast alle, die letztes Jahr eingebürgert wurden, haben sich für den Doppelpass entschieden. Das ist das krasse Ergebnis einer Umfrage vom Mediendienst Integration.

Die Zahlen sind eindeutig: In den Städten, die mitgemacht haben, sagten zwischen 85 und 98 Prozent Ja zur doppelten Staatsbürgerschaft. Und die paar Leute, die nur den deutschen Pass nahmen? Das hatte meistens einen einfachen Grund: Entweder waren sie vorher staatenlos, oder ihr Heimatland spielt da nicht mit. Länder wie Indien, Äthiopien und Eritrea erlauben das nämlich grundsätzlich nicht.

Neues Gesetz macht Doppelpass für alle möglich

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hat mit einer Reform, die Ende Juni 2024 in Kraft trat, den Weg dafür freigemacht. Die neue Regel ist simpel: Wer den deutschen Pass bekommt, kann seinen alten generell behalten. Früher war das ein riesen Akt und ging meist nur für Leute aus der EU oder in ganz speziellen Situationen.

Außerdem verkürzt sich die Wartezeit: Fünf Jahre rechtmäßiger Aufenthalt in Deutschland genügen nun, anstelle der früheren acht. Für Menschen mit herausragender Integration war durch die Reform eine Einbürgerung schon nach drei Jahren möglich – allerdings wurde diese sogenannte Turbo-Einbürgerung von der schwarz-roten Bundesregierung im vergangenen Jahr wieder gekippt.

Herz und Verstand: Darum ist der Doppelpass so beliebt

Aber warum wollen so viele Leute zwei Pässe? Für viele ist es eine Herzenssache. Sie fühlen sich mit dem Land ihrer Wurzeln oder dem ihrer Eltern noch stark verbunden, was früher ein Hinderungsgrund für die Einbürgerung war. Aber es geht auch knallhart ums Praktische: einfacher reisen, unkomplizierter erben oder in beiden Ländern ohne Probleme arbeiten können.

Doppelte Staatsbürgerschaft

Copyright: Daniel Bockwoldt/dpa

In bestimmten Fällen war die doppelte Staatsbürgerschaft schon früher möglich. Seit einer Reform der Ampel-Regierung ist sie generell erlaubt. (Symbolbild)

Nicht jeder ist Fan: Das sagen die Kritiker

Doch nicht jeder ist von der Mehrstaatigkeit begeistert. Die AfD würde sie am liebsten nur noch in begründeten Einzelfällen zulassen. Auch die Union zeigt sich skeptisch, im deutlichen Gegensatz zur SPD, die die Reform mitgetragen hat. Insbesondere Politiker wie Fraktionschef Jens Spahn und der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (beide CDU), äußern Bedenken. Als Argumente nennen Gegner mögliche Loyalitätskonflikte und die befürchtete Entstehung von «Parallelgesellschaften».

Einbürgerungsfeier mit Frank-Walter Steinmeier

Copyright: Oliver Berg/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm im April 2025 an einer Einbürgerungsfeier in Köln teil. (Archivfoto)

Kleiner Dämpfer bei den Anträgen für 2025

Insgesamt ist die Zahl der neuen Einbürgerungsanträge 2025 laut Mediendienst leicht gesunken – um circa zehn Prozent auf rund 189.000. Die meisten Anträge gingen demnach in Berlin ein (etwa 36.100). München folgte auf Platz zwei der Großstädte mit rund 17.800 Anträgen. In der bayerischen Metropole ist aber nicht nur der Andrang hoch, sondern auch der Bearbeitungsstau: Anfang Mai warteten dort laut Mediendienst über 40.200 Anträge auf ihre Bearbeitung.

Im vergangenen Jahr wird mit insgesamt weit über 300.000 Einbürgerungen gerechnet, wie bereits publizierte Zahlen aus einigen Bundesländern und Recherchen der «Welt am Sonntag» andeuten. Die größte Gruppe der neuen Deutschen kam 2025 aus Syrien, gefolgt von Menschen aus der Türkei, Afghanistan, dem Iran und Russland.

Diese Hürden gibt es für den deutschen Pass

Wer die deutsche Staatsbürgerschaft anstrebt, muss aber einiges erfüllen. Man muss die Sprache beherrschen, seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren und mindestens fünf Jahre legal und ohne Straftaten in Deutschland gelebt haben. Zusätzlich sind ein Identitätsnachweis und Wissen über die deutsche Gesellschaftsordnung nötig. Unabdingbar ist auch ein Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie zur historischen Verantwortung Deutschlands für das NS-Unrecht und dessen Folgen, speziell für den Schutz jüdischen Lebens.

Sicherheitscheck: Verfassungsschutz schaut genau hin

Vor einer Entscheidung über die Einbürgerung erfolgt eine Abfrage beim Verfassungsschutz, um Hinweise auf Extremismus oder Islamismus zu prüfen. Im vergangenen Jahr übermittelte die Behörde bei weniger als einem Prozent der Fälle relevante Erkenntnisse. Die Zahl der Ablehnungen aufgrund solcher Hinweise bewegte sich 2025 in den erfassten Städten laut Mediendienst Integration im niedrigen einstelligen Bereich. Zum Beispiel hatte das Landesamt für Verfassungsschutz in Thüringen bei nur zwei von 4.542 geprüften Personen entsprechende Informationen.

Klare Kante: Kein Pass ohne Bekenntnis zu Israel

In Sachsen-Anhalt wurden zwölf Einbürgerungsanträge abgelehnt, da die Antragsteller ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels verweigerten. Diese Vorschrift existiert in dem Bundesland seit Anfang 2023.

Mitte 2025 wurde eine ähnliche Regelung auch in Brandenburg eingeführt. Ob es dort bereits zu Konsequenzen kam, dazu lagen dem Mediendienst nach eigener Auskunft jedoch keine Daten vor. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

GoPro
GoPro vor dem Aus
Hohe Chip-Preise bringen den Kamera-Hersteller in Existenznöte