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„Abenteuerlich“Kahn und Effenberg gehen auf Nagelsmann los

Im Doppelpass diskutieren Oliver Kahn und Stefan Effenberg über ein DFB-Comeback von Manuel Neuer. Beide finden kritische Worte.

Kommt er oder kommt er nicht zurück? Das immer wahrscheinlichere DFB-Comeback von Manuel Neuer bewegt Fußball-Deutschland. Im Sport1-„Doppelpass“ gab es deutliche Kritik am Bayern-Torwart und Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Beide hatten am Samstag durch vielsagende Interviews die Spekulationen um eine WM-Nominierung Neuers weiter angeheizt. Neuer hatte nach dem 5:1-Sieg des FC Bayern gegen den 1. FC Köln auf entsprechende Nachfragen im Sky-Interview mit einem leichten Grinsen gesagt: „Das ist heute kein Thema für mich.“ Nagelsmann verzichtete im „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF ebenfalls auf ein Dementi oder eine klare Bestätigung zu einer Neuer-Nominierung.

Effenberg kritisiert Neuer und Nagelsmann

Leidtragender ist für viele schon jetzt die bisherige Nummer eins Oliver Baumann. Der Hoffenheim-Torwart wusste am Samstag noch nichts von einer möglichen Änderung im DFB-Tor, wie er selbst nach dem 0:4 in Mönchengladbach verriet. Für Stefan Effenberg ein großes Problem. „Die Torhüterposition ist eine extrem sensible Position, wo du wirklich als Trainer eine klare Entscheidung treffen musst“, sagte der ehemalige Nationalspieler. „Es ist die einzige Position im Fußball, wo du dich als Trainer definitiv 100 Prozent festlegen musst. Das hat Nagelsmann, Stand heute, nicht getan und das sehe ich als Fehler auch Baumann gegenüber.“

Doch auch Neuers Interview stieß Effenberg bitter auf. „Also Nagelsmann hin oder her gestern im ‚Sportstudio‘: Manuel Neuer hätte ja auch ein klares Statement geben können und vielleicht auch müssen und sagen müssen: ‚Ich komme nicht mit oder ich spiele die WM nicht mehr. Ich konzentriere mich voll auf den FC Bayern.‘ Das hätte man eigentlich auch erwarten können vonseiten des Spielers.“ Das blieb allerdings aus – weil Neuer sich ein DFB-Comeback offenbar wieder vorstellen kann.

Einer, der sich gut in die Situation hineinversetzen kann, ist Oliver Kahn. Der Torwart-Titan verlor seinen Platz als Stammtorhüter einst vor der Sommermärchen-WM 2006 an Jens Lehmann. „Du kannst die Situation allerdings jetzt überhaupt nicht miteinander vergleichen“, betonte Kahn jedoch: „Denn der damalige Konkurrenzkampf mit Jens Lehmann wurde ja schon einige Monate vor der Weltmeisterschaft in Deutschland entschieden.“

Kahn konnte sich im WM-Jahr seit dem Frühjahr auf die Reservistenrolle einstellen. Er entschied sich damals nach längerer Überlegung, trotz der Degradierung als Nummer zwei zur WM zu fahren. Diese Zeit hätte Baumann nun nicht. „Wenn man jetzt auf einmal auf die Idee kommt oder wenn Julian sich Gedanken macht, jetzt auf einmal schnell hier noch einen Torwarttausch vorzunehmen, dann ist das natürlich schon abenteuerlich“, so Kahn.

Seiner Einschätzung nach schwächt Nagelsmann damit womöglich auch seine eigene Position. „Denn so eine Entscheidung hat ja nicht nur eine Ausstrahlung auf die Torhüter, vor allem auf Oliver Baumann, sondern auch auf die Mannschaft selbst, die sich natürlich auch die Frage stellen wird: Also wie glaubwürdig, wie verlässlich sind denn sind denn jetzt Aussagen, wenn sie hier in Zukunft kommen?“

Kahn hält das Timing rund um das mögliche Neuer-Comeback für bedenklich. „Bei so etwas ist es immer besser, viel, viel früher abzuräumen“, so der ehemalige Welttorhüter. „Ich würde an Oliver Baumanns Stelle Nagelsmann jetzt selber anrufen und ihn fragen: Trainer, was ist da los?“, sagte Effenberg.

Julian Nagelsmann bei einem Interview.

„Soll ich’s nochmal wiederholen?“

Nagelsmann windet sich bei Neuer-Frage im „Sportstudio“