Heikles Engagement Während der Krieg tobt: Ex-HSV-Coach Zinnbauer heuert in Moskau an

Joe Zinnbauer steht an der Seitenlinie

Ex-HSV-Coach Joe Zinnbauer, hier als Trainer des FC St. Gallen am 1. April 2017, übernimmt bei Lokomotive Moskau.

Joe Zinnbauer, ehemaliger Coach des Hamburger SV, übernimmt zur kommenden Saison den russischen Erstligisten Lokomotive Moskau. Ein Engagement, das durchaus kritische Stimmen zutage fördern dürfte.

Seit vier Monaten tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Derweil sind Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrer Heimat geflüchtet. Doch auch Russland haben viele Menschen den Rücken gekehrt. Den umgekehrten Weg geht nun Joe Zinnbauer (52).

Der ehemalige Coach des Hamburger SV übernimmt zur kommenden Saison den russischen Erstligisten Lokomotive Moskau. Die Verpflichtung hatte der Klub bereits am Donnerstag (30. Juni 2022) offiziell gemacht.

Es ist ein durchaus heikles Engagement: Beispielsweise hatte Daniel Farke (45, jetzt Borussia Mönchengladbach) seinen Vertrag bei FK Krasnodar nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine aufgelöst und das Land verlassen. Sandro Schwarz (43, jetzt Hertha BSC) brachte die Saison bei Dynamo Moskau zu Ende, verabschiedete sich dann aber ebenfalls aus Russland. Und auch Lokomotive Moskau verlor mit Markus Gisdol (52) seinen deutschen Coach.

Ein weiterer Deutscher blieb allerdings: Ex-Bundesliga-Profi Marvin Compper (37), zuvor Gisdols Assistent, übernahm interimsweise bis zum Saisonende und schloss die Spielzeit in der Premier Liga auf dem sechsten Rang ab. Nun bekommt er mit Zinnbauer einen neuen Chef, rückt als Co-Trainer wieder zurück in die zweite Reihe.

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Ex-HSV-Trainer Joe Zinnbauer übernimmt Lokomotive Moskau

Im Antritts-Interview auf der vereinseigenen Website schwärmte Zinnbauer, der den HSV in der Saison 2014/15 für 24 Spiele in der Bundesliga betreut hatte, von den Bedingungen vor Ort. „Das ist alles sehr überzeugend“, erklärte der Coach. Über seinen künftigen Assistent Compper sagte er: „Wir verstehen uns gut, wir haben die gleiche Fußballphilosophie. Ich kann sagen, dass Marvin und ich auf einer Wellenlänge liegen.“

Zur Vertragslaufzeit machte der russische Klub zunächst keine Angaben. Zinnbauer hatte nach seiner Zeit beim HSV ab 2015 für zwei Jahre den FC St. Gallen in der Schweiz betreut. Anschließend trainierte er ab 2019 in Südafrika die Orlando Pirates, war im August vergangenen Jahres aber zurückgetreten, um wieder in der Nähe seiner Familie in Deutschland zu sein. Zinnbauers Sohn lag nach einem schweren Autounfall, der sich im Oktober 2020 ereignete, lange im Koma.

Nun folgt der Schritt nach Russland. Fakt ist jedoch: Zinnbauer dürfte für sein neues Engagement einiges an Kritik ernten. Der Coach selbst äußerte sich bislang nicht zur Situation in der Ukraine. (kos)

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