„Im Fußball muss etwas passieren“ Bundesliga vor Geisterspielen: NRW kämpft noch um Mini-Kulisse

Der deutsche Profifußball muss sich auf die Rückkehr der Geisterspiele einstellen. Während Markus Söder um Einigkeit bemüht war, sträubt sich NRW aber noch gegen einen kompletten Zuschauer-Ausschluss.

In den Bundesligastadien rollt der Ball wohl künftig wieder nur noch vor leeren Tribünen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54) sagte am Dienstag (30. November 2021), dass es zwar noch „unterschiedliche Ansätze“ gebe, er aber von Geisterspielen ausgehe: „Alle sind sich einig, dass im Fußball was passieren muss. Das hat man auch im Stadion in Köln gesehen, dass sich nicht an Auflagen gehalten wurde.“

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (46) sehe das so, sagte Söder zunächst. Doch bei dessen Pressekonferenz wenige Minuten später klang das schon wieder weniger eindeutig. Wüst sprach sich für „deutliche Reduktionen bei Großveranstaltungen“ aus. Damit blieb allerdings unklar, ob sich das NRW-Kabinett für Geisterspiele oder einen Teil-Ausschluss der Zuschauer ausspricht.

Auf Nachfrage zur angedachten Regelung für den Bundesliga-Gipfel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Samstag (4. Dezember 2021, 18.30 Uhr) sagte Wüst: „Bilder wie am Wochenende in Köln wird es und darf es nicht wieder geben.“ Bei einer angedachten Regelung von einer Auslastung zu einem Drittel dürften rund 27.000 Fans die Partie im Signal-Iduna-Park verfolgen.

Markus Söder hofft auf Einigkeit rund um Geisterspiele

Markus Söder sprach sich zuvor deutlich für Spiele ohne Zuschauer aus: „Wenn Freude und Euphorie da sind, stößt die Eigenverantwortung an ihre Grenzen, so will ich es mal positiv formulieren. Bis Weihnachten wollen wir generell verzichten auf Zuschauer. Wo Weihnachtsmärkte geschlossen sind, können nicht zeitgleich 18.000 Fans zum Fußball. Am Donnerstag soll das so beschlossen werden auf der Ministerpräsidentenkonferenz.“ 

„Man kann davon ausgehen, dass die Bundesliga ohne Zuschauer weiterspielen soll. Das ist eine richtige Entscheidung“, sagte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU). Am Donnerstag sollen die Beratungen der Länder ab 11 Uhr fortgesetzt werden, dann ist auch mit endgültigen Beschlüssen zu rechnen.

Geisterspiel-Pläne in Bayern Baden-Württemberg und Sachsen

Zuvor hatten Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen sich klar für geschlossene Stadien an allen Bundesliga-Standorten ausgesprochen, in Nordrhein-Westfalen sollten zunächst zumindest weiterhin Mini-Kulissen erlaubt sein. Die CDU hatte sich nach Informationen aus nordrhein-westfälischen Koalitionskreisen dafür ausgesprochen, die Zuschauerzahl auf ein Drittel der Stadion-Kapazität zu begrenzen.

Das würde etwa bei Borussia Dortmund rund 27.500 erlaubte Fans bedeuten, der 1. FC Köln könnte wie beim Saisonauftakt gegen Hertha BSC 16.500 Zuschauer begrüßen, Borussia Mönchengladbach rund 17.800 Fans. Das Thema könnte sich am Donnerstag zum großen Zankapfel entwickeln.

Nachdem in der vergangenen Woche bereits Sachsen den Anfang gemacht und Bundesligist RB Leipzig Spiele ohne Zuschauer verordnet hatte, folgen mit dem FC Bayern München, dem FC Augsburg und der Spielvereinigung Greuther Fürth schon einmal drei Klubs aus der Bundesliga und mit dem 1. FC Nürnberg und dem FC Ingolstadt zwei Vereine aus der zweiten Liga.

In Baden-Württemberg geht die Tendenz in Richtung neuer Spiele ohne Fans. „Es ist klar, dass im Profifußball Geisterspiele kommen“, sagte Regierungssprecher Arne Braun am Sonntag über angedachte weitere Verschärfungen. Betroffen wären die Bundesligisten VfB Stuttgart, SC Freiburg und TSG Hoffenheim sowie die Zweitligisten Karlsruher SC, SV Sandhausen und 1. FC Heidenheim.

Nordrhein-Westfalen will Stadien weiter bis zu einem Drittel auslasten

Teilweise gelten die Forderungen bereits in einzelnen Ländern oder Regionen, etwa Kapazitätsbeschränkungen bei Veranstaltungen. Der befürchtete Flickenteppich mit deutlich unterschiedlichen Regelungen an den einzelnen Bundesliga-Standorten wäre so weiter möglich.

Die Entscheidung zum Zuschauer-Ausschluss oder einer strikten Deckelung würde neben der Fußball-Bundesliga auch alle anderen Profi-Ligen wie die Basketball-Bundesliga (BBL), die Handball-Bundesliga (HBL) oder die DEL im Eishockey betreffen.

Angela Merkel und Olaf Scholz laden zu Corona-Beratungen

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz (63, SPD) hatten ab Mittag mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder über die Corona-Lage beraten. Die Rufe nach einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen und Beschränkungen waren in den vergangenen Tagen nochmals lauter geworden. Grund sind die hohen Infektionszahlen und die Verbreitung der neuen Omikron-Variante.

Dass die Stadien deutschlandweit wieder leerer werden, ist bereits klar. „Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren“, sagte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (49, CDU) im ZDF: „Dass es am letzten Wochenende noch große Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten.“

Ähnlich äußerte sich Grünen-Chef Robert Habeck (52). „Die Bundesliga muss nicht in vollen Stadien spielen. Das ist jetzt schon möglich und hätte auch schon am letzten Wochenende untersagt werden können“, sagte Habeck: „Wir werden sicherlich in der Schalte der Ministerpräsidenten mit Frau Merkel und Herrn Scholz eine Lösung finden, dass genau das auch in Zukunft unterbleiben wird. Es war ein Fehler, dass die Bundesliga am letzten in vollen Stadien gespielt hat. Das ist völlig klar, das hätte man unterbinden sollen.“ (bc/msw/ubo)

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