Gericht prüft FC-Klage Lanxess-Arena-Chef unterstützt Fußball-Klubs im Kampf gegen Corona-Fan-Willkür

Nur wenige Fans sind im Stadion im Spiel der 1. Bundesliga.

Gegen den FC Bayern München waren am 15. Januar 2022 nur 750 Fans im Kölner Stadion. Dieses Bild soll sich schnell ändern.

Auch der 1. FC Köln und Borussia Dortmund klagen gegen die derzeit geltenden Fan-Obergrenzen in der Bundesliga. Auch der Chef der Kölner Lanxess-Arena unterstützt dieses Vorgehen.

Wie geht es weiter bei den Fan-Beschränkungen in der Bundesliga? Nach RB Leipzig hat auch der 1. FC Köln noch am Montagabend (31. Januar 2022) beim Oberverwaltungsgericht Münster einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung (Eilverfahren) gestellt. Das Gericht hat den Eingang des Antrags inzwischen bestätigt.

Mit diesem Vorgang strebt der FC eine Erhöhung der zugelassenen Zuschauerkapazität beim Bundesliga-Heimspiel im Rhein-Energie-Stadion am kommenden Samstag (5. Februar 2022, 15.30 Uhr) gegen den SC Freiburg an. „Unser Ziel ist es, bereits gegen den SC Freiburg Anpassungen bei der Auslastung zu erreichen.“ Die Kölner wollen laut Antrag mehr als 25.000 Fans, oder hilfsweise 10.000, begrüßen dürfen.

Statt der momentan in NRW zugelassenen 750 Zuschauerinnen und Zuschauer, will der FC sein Stadion zu 25 Prozent ausgelastet haben und somit zumindest 12.500 Fans hereinlassen. In zahlreichen Bundesländern kam es in den vergangenen Wochen zu Kompromisslösungen beim Umgang mit Obergrenzen für Zuschauerinnen und Zuschauer. In Nordrhein-Westfalen warten die Vereine auf solche Lösungen bisher vergeblich. 

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Das Gericht hat schon darauf hingewiesen, dass es nicht über Zuschauerzahlen entscheiden kann. Dort wird lediglich die Frage behandelt, ob die Coronaschutzverordnung des Landes bei der Frage der Großveranstaltungen insgesamt bestätigt oder außer Vollzug gesetzt wird.

Auch die Frage, wann entschieden wird, ist derzeit offen. Zuerst erhält das Land bis Mittwoch (24 Uhr) die Möglichkeit einer Stellungnahme. Zudem ist für das Gericht offenbar keine besondere Eile geboten. „Es droht kein endgültiger Rechtsverlust, das Fußball-Spiel an sich kann ja so oder so stattfinden“, sagte Jörg Sander, Vorsitzender Richter am OVG Münster. „Die Vereine sind knapp dran. Die Regel ist nicht neu, und dass man am Wochenende Heimspiele hat, weiß man ja schon länger.“

1. FC Köln: Maßnahmen nicht mehr nachvollziehbar

„Wir gehen davon aus, dass wir so die Obergrenze von 750 Zuschauern für Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen kurzfristig verändern können. Wir haben bis zuletzt eine faire und nachvollziehbare Auslastung unserer Heimspiele im Konsens mit der Politik angestrebt, immer vor dem Hintergrund unserer Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie“, heißt es im gemeinsamen Statement von FC-Vorstand und -Geschäftsführung.

„Wir sind uns auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, aber das heißt in diesem Fall, aufmerksam zu machen, wenn Maßnahmen nicht mehr nachvollziehbar und ohne Effekt erscheinen und gleichzeitig die Überlebensfähigkeit vieler Veranstalter in Kultur und Sport gefährden. Vor allem die regionalen Unterschiede beim Umgang mit Großveranstaltungen bestärken uns, eine juristische Prüfung zu veranlassen.“

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle (46) hatte bereits mehrfach sein Unverständnis über die derzeitige Fan-Regelung geäußert. Dies untermauerte er abermals. „Die Vereine der Fußball-Bundesliga, darunter auch der 1. FC Köln, gehörten in den vergangenen Monaten mit ihren ausgefeilten und immer wieder der pandemischen Lage angepassten Gesundheits- und Hygiene-Konzepten zu den gesellschaftlichen Akteuren, die Lösungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie vorgelebt haben und damit Vorbildfunktion für viele kulturelle Großveranstaltungen einnahmen.“

Auch Borussia Dortmund klagt: Beschränkung ist rechtswidrig

Kurz vor dem 1. FC Köln war auch NRW-Rivale Borussia Dortmund aktiv geworden. Auch der BVB wird einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung im Normenkontrollverfahren einreichen. Die zurzeit gültige Beschränkung hält der Klub für rechtswidrig. Sie verstößt nach seiner Überzeugung gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und das Gleichbehandlungsgebot.

„Der nun folgende Schritt“, betont der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke (62), „ist bedauerlich und für uns die ultima ratio. Letztlich ist es aber unsere Aufgabe, Borussia Dortmunds berechtigte Interessen zu wahren.“ Der BVB rechnet vor, dass das „größte deutsche Freiluftstadion“ gegenwärtig nur zu 0,92 Prozent ausgelastet werden darf. Sonntag empfängt die Borussia Bayer Leverkusen.

Sachsen will Fan-Regelung lockern

Der BVB verwies dabei auf Entgegenkommen vonseiten der jeweiligen Landesregierungen in Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Hygienekonzepte hätten sich bewährt. Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) kündigte am Montag an, dass während der Kabinettssitzung am Dienstag ein Corona-Beschluss für mehr Fans beraten werde.

DFL-Chefin Donata Hopfen zeigt Verständnis für Vereine

Die neue DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen (45) hat Verständnis für die Klagen von inzwischen drei Bundesliga-Klubs. „Es steht jedem frei, den Klageweg einzuschreiten oder einzuleiten, wenn er sich nicht sauber repräsentiert oder richtig gerecht behandelt fühlt“, sagte Hopfen bei Sky. „Und deswegen verstehe ich diesen Weg und kann die Vereine an der Stelle auch tatsächlich verstehen.“

Lanxess-Arena-Chef: Kultur- und Eventzweig wird zeitnah kollabieren

Unterstützung erhalten die Fußball-Vereine auch von Stefan Löcher (50). Der Geschäftsführer der Kölner Lanxess-Arena hat ähnliche Probleme. „Das Vorgehen gegen die zugelassene Stadionkapazität ist ein wichtiges und richtiges Zeichen gegen den faktisch unsinnlichen Umgang mit Großveranstaltungen in Deutschland. Wir brauchen für Fußballspiele und Events eine wesentlich differenziertere und somit wissenschaftlich begründete Basis, mit der wir möglichst schnell wieder coronasicher veranstalten dürfen“, sagt der Arena-Chef.

Stefan Löcher telefoniert.

Lanxess-Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher bei einem Termin am 23. November 2021.

„In Leipzig sind zurzeit 1000 Zuschauer zulässig, bei uns in NRW, egal ob im Stadion oder der Arena, sogar nur 750 – gerade einmal 3 Prozent unserer Gesamtkapazität. Mit dieser Marschroute wird der bedeutende Kultur- und Eventzweig zeitnah kollabieren. Daher unterstützen wir die Vorstöße der Fußball-Kollegen ausdrücklich.“ 

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