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Sportboss über FC-Finanzen & Geißbockheim Keller: „Dann bekommt er ein schlechteres Angebot“

Sport-Geschäftsführer Christian Keller beobachtet das Training des 1. FC Köln am 6. Januar 2023.

Sport-Geschäftsführer Christian Keller beobachtet das Training des 1. FC Köln am 6. Januar 2023.

Sportchef Christian Keller spricht im Interview mit EXPRESS.de über die Finanzen des 1. FC Köln, den Geißbockheim-Ausbau und seine Top-Talente.

Im ersten Teil des EXPRESS.de-Interviews sprach Christian Keller (44) über die Bundesliga-Fortsetzung gegen Werder Bremen (Samstag, 21. Januar 2023) und die auslaufenden Verträge. Im zweiten Teil gibt’s vom Sportboss des 1. FC Köln weitere Einblicke in die Kader-Planung, die Klub-Finanzen und deutliche Worte zur Geißbockheim-Posse.

Christian Keller, müssen einige FC-Verträge aufgrund finanzieller Zwänge einfach auslaufen?

Keller: Wir sind nicht in der Lage, die Größenordnung zu zahlen, die wir noch vor ein paar Jahren zahlen konnten. Heißt: Wenn ein Spieler mit seinem aktuellen Gehalt über dem liegt, was wir uns leisten können, bekommt er ein schlechteres Angebot – selbst, wenn wir ihn verlängern möchten. Dann liegt es am Spieler, ob er das machen will. Dabei muss er auch die Gesamtsituation auf dem Markt beobachten, ob die Gehälter insgesamt rückläufig sind. Ist so ein Vertrag noch mal realistisch? Sollte er sich dann für unser reduziertes Angebot entscheiden, gehe ich davon aus, dass er sich trotzdem jeden Tag etwas Warmes zu essen leisten kann.

Keller über FC-Etat: „Müssen nun nochmals ein bisschen runtergehen“

Also werden Sie die Ausgaben für Gehälter, wie schon zur aktuellen Saison, noch einmal nach unten schrauben?

Keller: Wir haben in der Budget-Planung eine entsprechende Zielvorgabe. Zu dieser Saison waren 20 Prozent Reduzierung das Ziel – in Bezug auf die Bundesliga. Diese Vorgabe haben wir realisiert. Für die Saison 2023/24 müssen wir nun nochmals ein bisschen weiter runtergehen, um den FC wirtschaftlich wieder zu gesunden.

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Ist der FC im Sommer auch erneut auf Transfer-Einnahmen angewiesen?

Keller: Unser Ziel ist es, im Sommer erstmalig seit vielen Jahren kein strukturelles Defizit mehr zu haben. Das heißt, dass wir uns aus eigener Kraft ohne Sondereffekte tragen. Für mich sind Transfererlöse und Erlöse aus internationalem Wettbewerb Sondereffekte, damit können wir nicht konstant rechnen. TV-, Sponsoring- und Ticketerlöse sowie Merchandising und Sonstiges müssen ausreichen, um unseren Aufwand zu refinanzieren. Das schaffen wir im Sommer, wenn wir unsere Hausaufgaben bis dahin ordentlich erledigen.

Wie läuft die Planung für die neue Saison, was Zugänge angeht? Leart Paqarada dürfte der erste Neue werden…

Keller: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er bei uns spielt. Generell haben wir klare Vorstellungen, auf welchen Positionen Lücken auftreten und welche Spieler dafür infrage kommen könnten.

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U19-Stürmer Justin Diehl ist als interner Zugang eingeplant. Stimmt es, dass der FC ihn nicht – wie bislang offiziell bekannt – bis 2023, sondern bis Juni 2024 unter Vertrag hat?

Keller: Das ist richtig.

Wie schätzen Sie seine Perspektive ein?

Keller: Justin ist einer von mehreren sehr talentierten Spielern unserer U19, ich will ihn da gar nicht herausheben. Alle fünf Jungs, die zuletzt im Profi-Training waren, haben es sehr gut gemacht. Dazu kommen Talente wie Emin Kujovic, Damions Downs und die noch jüngeren Marlon Monning und Jaka Cuber Potocnik. Wenn Justin sich mit seiner Familie und seinem Umfeld im Klaren ist, wo der richtige Entwicklungsort für ihn ist, bringt er viel dafür mit, den Durchbruch nach ganz oben zu schaffen. Bis 2024 sind wir vertragsgemäß auf jeden Fall dieser Ort. Was darüber hinaus ist, werden wir sehen.

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Christian Keller:

Viele Fans befürchten einen zweiten Fall Wirtz…

Keller: Ich sehe uns schon in der Lage, das Potenzial unserer Talente einzuschätzen. Und wir versuchen sicherlich, entsprechenden Spielern hier einen Weg aufzuzeigen. Dann muss der Spieler den Weg mitgehen wollen. Für mich geht es in dem Alter erst mal darum, die fußballerische Entwicklung in den Fokus zu rücken und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um es nach ganz oben zu schaffen. Daran scheitern etliche, die zu früh hochgejubelt wurden. Ein wirtschaftlicher Monster-Vertrag lässt einen Spieler zwar weich fallen, aber was kommt danach?

Eine der wichtigsten Fragen für 2023 bleibt die Zukunft des Geißbockheims. OB Henriette Reker hatte Klarheit „zum Jahreswechsel“ angekündigt. Gibt es einen neuen Stand?

Keller: Wesentlich ist, dass das Normenkontrollverfahren für uns sehr positiv war, weil ganz klar festgestellt wurde, dass der Bebauungsplan mit dem Umweltschutz total konform geht. Der Ausbau des Geißbockheims liegt insofern einzig am politischen Willen. Und der ist gegenwärtig nicht parteienübergreifend vorhanden. Irgendwo müssen wir uns aber weiterentwickeln, und an dieser Lösung arbeiten wir weiterhin. Meine persönliche Haltung ist: Das Geißbockheim ist die Heimat des FC, hier steckt viel von unserer DNA drin. Ich will nicht verstehen, warum wir auf einer Wiese, die nicht genutzt wird, nicht ökologisch verträglich drei Fußball-Plätze bauen können. Dann würde die Wiese zumindest vernünftig genutzt werden. Der Ausbau im Grüngürtel wäre die pragmatischere, die schnellere, die für alle Beteiligten weitaus kostengünstigere und sogar auch die ökologisch nachhaltigere Lösung.

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