Dudas Winter-Wechsel fix FC verabschiedet ihn mit Sommer-Ansage – aber Italien-Klub hat Kaufpflicht

„Champions League können wir ihm nicht bieten“ FC-Boss über Star-Abgang, Horn-Poker & Selke-Zweifel

Christian Keller gestikuliert im Interview mit EXPRESS.de.

Christian Keller beim Interview-Termin mit EXPRESS.de am 17. Januar 2023 im Geißbockheim

Christian Keller, Sportchef des 1. FC Köln, spricht im Interview mit EXPRESS.de über die auslaufenden Verträge von Timo Horn und Ellyes Skhiri, Sturm-Transfer Davie Selke und weitere Personalien.

Hinter der Bundesliga liegt die längste Winterpause aller Zeiten. Für FC-Geschäftsführer Christian Keller (44) waren es zehn arbeitsreiche Wochen. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Samstag, 21. Januar 2023, 18.30 Uhr) gibt Kölns Sportboss im Interview mit EXPRESS.de Einblicke in die Personalplanung des Klubs. Lesen Sie hier den ersten Teil.

Christian Keller, am Samstagabend startet der 1. FC Köln gegen Werder Bremen in die zweite Saisonhälfte. Der Klub hätte das Rhein-Energie-Stadion zweimal ausverkaufen können. Wie groß ist die Vorfreude am Geißbockheim?

Christian Keller: Die Euphorie unserer Fans war schon bei den Testspielen gegen den HSV und Lommel zu spüren. Nach der langen Pause freuen sich die Menschen, dass es wieder losgeht – das freut uns. Und gleichzeitig sind wir natürlich auch selbst heiß. Wir wollen zeigen, dass wir die guten Trainings- und Testspiel-Leistungen auch im Pflichtspiel auf den Platz bringen können.

„Ich war nicht im Urlaub“: So hat Christian Keller die WM-Pause genutzt

War die lange Pause für den FC ein Glücksfall nach der hohen Belastung im Oktober und November?

Keller: Für uns war die Pause Gold wert. Wir sind durch die vielen Spiele in Verbindung mit den vielen Verletzten und geringer Regenerationszeit am Ende auf dem Zahnfleisch dahergekommen. Man muss sich mal überlegen, dass diese Hinserie fünf Wochen kürzer war als normal. Jetzt konnten wir erstmals seit der Sommer-Vorbereitung kontinuierlich und systematisch mit der Mannschaft arbeiten. Dazu sind viele angeschlagene Spieler zurück. Wobei leider auch neue dazugekommen sind.

Alles zum Thema Timo Horn

Wie arbeitsreich war die WM-Pause für Sie als Sportchef?

Keller: Sagen wir mal so: Ich war seit dem Hertha-Spiel nicht im Urlaub (schmunzelt). Zum einen wegen der Themen, die die Lizenzmannschaft betreffen. Wir haben eine Neuverpflichtung und Leihen abgeschlossen sowie Vertragsverlängerungen auf den Weg gebracht – zudem vielleicht auch bereits Personalien für den Sommer bearbeitet, über die spekuliert wird. Darüber hinaus bin ich nicht nur für die Lizenzmannschaft verantwortlich, sondern auch für die anderen sportlichen Bereiche, die Medienabteilung, das Fan-Wesen und natürlich übergreifende Themen wie die Finanzplanung und Re-Organisation. Insofern war diese Pause gut, um an strategischen Themen zu arbeiten.

Kommt bis zum 31. Januar noch weitere Transfer-Arbeit auf Sie zu?

Keller: Das kann ich nicht ausschließen. Geplant ist es weiterhin nicht, wir haben keinem Spieler nahegelegt, dass er gehen soll. Aber natürlich werden jetzt wieder die Plätze verteilt und es gibt weniger Optionen für Einsatzzeiten als in der Hinrunde. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Stamm herauskristallisiert, ist sicherlich größer, für den einen oder anderen wird es schwerer. Wir müssen schauen, wie Einzelne damit umgehen. Von uns aus wird nichts passieren.

Daran ändern auch die Verletzungen von Luca Kilian und Kristian Pedersen nichts?

Keller: Beide werden jeweils sechs bis acht Wochen ausfallen, das ist ärgerlich. Es sind muskuläre Verletzungen – aber nichts, was nicht gut abheilt. Insofern können wir das für den Zeitraum kompensieren, es gibt keine akute Not. Wir haben drei Innenverteidiger und mit Elias Bakatukanda einen talentierten U19-Mann hintendran. Auf der Linksverteidiger-Position ist Jonas Hector die einzig nominelle Option, Benno Schmitz und Kingsley Schindler könnten dort jedoch aushelfen.

Christian Keller: „Die Öffentlichkeit kennt nicht den Mensch Davie Selke“

Damit bleibt Davie Selke der einzige Winter-Zugang. War er direkt Ihr Favorit?

Keller: Wir wollten einen Box-Stürmer mit guter körperlicher Präsenz, gutem Kopfballspiel und gutem Abschluss. Und für uns ist immer ganz wichtig: Der Stürmer muss sein Spiel so definieren, dass die Arbeit gegen den Ball bei ihm anfängt. Davie zahlt auf alle Kriterien sehr gut ein. Er war von Anfang an einer unserer Kandidaten. Nach dem persönlichen Kennenlernen waren dann alle sehr überzeugt, dass er für uns die richtige Lösung ist.

Haben Sie die vielen negativen Kommentare über Selke, vor allem vor dem Transfer, überrascht?

Keller: Bei einer Person des öffentlichen Lebens, und das ist Davie ja, muss man immer zwischen Mensch und Funktion unterscheiden. Die Öffentlichkeit kennt nicht den Mensch Davie Selke, sondern nur den Spieler. Da hat er sich sicher ein gewisses Image erarbeitet, und das wurde in den Kommentaren bewertet. Den Mensch Davie kannte ich selbst vorher auch nicht. Nachdem ich ihn nun kennengelernt habe, kann ich alle, die Vorbehalte haben, beruhigen. Davie ist eine sehr reife, bodenständige Persönlichkeit, die für gute Werte steht.

Neben seinem Image ging es allerdings auch um seine Tor-Quote…

Keller:
Wir können ruhig ehrlich sein: Die Statistiken haben nicht für ihn gesprochen, seine Tor-Ausbeute in den vergangenen viereinhalb Jahren war überschaubar. Für uns ist aber entscheidend, ob der Spieler mit dem, was er mitbringt, zu unserer Spielidee passt – ob wir die Stärken des Spielers zur Geltung bringen können. Genau das glauben wir bei Davie. Wir haben die große Hoffnung, dass er hier wieder regelmäßiger in Abschlusssituationen kommt. Wenn das gelingt, wird er auch Tore schießen.

Wenn man als Bundesliga-Klub auf Stürmer-Suche ist: Steht das Handy überhaupt noch still?

Keller: Es sind schon etliche Nachrichten eingegangen, die waren für unsere Entscheidung allerdings nicht relevant. Das ist nicht unsere Art, jemanden zu holen, weil er am Telefon interessant klingt. Wir rekrutieren nicht empfehlungsbasiert, sondern über Scouting. Es gibt für jede Position einen Schattenkader, permanent. Zu 98 Prozent resultieren unsere Verpflichtungen aus eigenem Scouting.

Horn-Verlängerung? „Wo ein wechselseitiger Wille ist...“

Neben der Stürmer-Suche standen für Sie viele Vertragsgespräche auf dem Programm. Wie ist der Zwischenstand?

Keller: Wie angekündigt habe ich diese Pause genutzt, um mit allen Spielern, die einen auslaufenden Vertrag haben, zu sprechen. Ich habe die Spieler gefragt, wie ihre Perspektive ist, und ihnen die Klub-Perspektive mitgeteilt. Im Einzelfall gibt es bekanntermaßen schon Ergebnisse (Kainz, Köbbing, Uth haben verlängert, Anm. d. Red.), bei anderen Spielern ist es noch offen.

Ist bei Jonas Hector inzwischen eine Tendenz erkennbar?

Keller: Der letzte Stand ist, dass wir uns ausgetauscht haben.

Stimmt es, dass Sie Timo Horn ein Angebot zur Vertragsverlängerung unterbreitet haben?

Keller: Ich habe Timo unsere Position gesagt, er hat mir seine gesagt. Jetzt gucken wir mal, ob die Positionen zueinandergeführt werden – oder eben auch nicht. Ich habe mehrfach betont, wie gut Timo sich verhält und wie gut er trainiert. Er hat sich hier über 20 Jahre einen Status erarbeitet.

Es ist kein Geheimnis, dass er auf viel Gehalt verzichten müsste. Sind die finanziellen Vorstellungen beider Seiten überhaupt irgendwie vereinbar?

Keller: Das weiß ich nicht. Für alle Personalien gilt: Wo ein wechselseitiger Wille ist, ist auch ein wechselseitiger Weg.

Da Jonas Urbig an Jahn Regensburg verliehen ist, würden Sie im Falle eines Horn-Abschieds zwei Torhüter verpflichten, damit Steffen Baumgart sein gewünschtes Quartett beisammen hat?

Keller: Wir haben Marvin Schwäbe und Matthias Köbbing unter Vertrag. Demzufolge bräuchten wir noch zwei Torhüter, wenn sich Timo verändern möchte. Der Torwart-Markt in Deutschland ist schon so, dass es Torhüter gibt, die sich freuen, in einem Bundesliga-Kader zu stehen. In diesem Zuge war uns wichtig, dass wir mit Matthias Köbbing den Vertrag verlängern. Er ist ein super Typ und erledigt seinen Job auch auf dem Platz gut. Ein Teamplayer par excellence, da ist er ein leuchtendes Vorbild für alle anderen. Solche Spieler sind extrem wertvoll für den Kader und geben einer Mannschaft vieles, was man von außen gar nicht sieht.

Christian Keller über Skhiri: „Ellyes ist für mich die höchste Form von Profi“

Eine Verlängerung mit Ellyes Skhiri hat Steffen Baumgart im Interview mit EXPRESS.de quasi abgehakt. Ist die Situation aus Ihrer Sicht ebenfalls aussichtslos?

Keller: Ellyes ist für mich die höchste Form von Profi, die ich bis dato gesehen habe. Die Art und Weise, wie er arbeitet, ist in jeder Hinsicht bemerkenswert. Dazu zählt auch, wie er das Training vor- und nachbereitet, wie er sich um Pflege, Ernährung und Schlaf kümmert – ein Musterbeispiel. Vor diesem Hintergrund ist total klar, dass er sich in seiner Karriere möglichst hohe Ziele gesetzt hat. Er hat hier eine gute Zeit und ist in einem Alter, wo er noch einen Schritt gehen kann.

Was für einen Schritt?

Keller: Der Schritt bedeutet, regelmäßig international zu spielen – im Idealfall in der Champions League. Ich kann ihn und seine Position komplett nachvollziehen, auch wenn sie nicht gut für den FC ist. Und das alles heißt nicht, dass wir nicht versuchen, ihn umzustimmen. Zu Ellyes‘ Voll-Profitum gehört allerdings auch, dass er total klare Vorstellungen hat, wo er hinwill. Und Champions League werden wir ihm mutmaßlich nicht bieten können. Zumindest nicht regelmäßig (schmunzelt).

Würden Sie sich einen Abschied im Winter wünschen, damit Skhiri nicht ablösefrei geht?

Keller: Wenn etwas kommt, was Ellyes interessant findet, müssen wir uns Gedanken machen. Aber ich freue mich, wenn nichts kommt – dann müssen wir uns mit nichts beschäftigen.

Sebastian Anderssons Vertrag läuft ebenfalls aus. Gibt es mit ihm angesichts der Vorgeschichte überhaupt Gespräche?

Keller: Über seine Zukunft haben wir uns schon längst ausgetauscht.

Wie geht es ihm aktuell?

Keller: Sebastian kommt voran. Schauen wir mal, wie lange er noch braucht. Wir sind in einem regelmäßigen Austausch, aus der Physio-Abteilung gibt es permanent Updates über seinen Verlauf. Aktuell ist Sebastian in Köln bei einem unserer externen Partner in der Reha, wie das üblich ist. In der Haus-Physio sind die Spieler im Normalfall erst, wenn sie wieder auf dem Platz trainieren können. So weit ist er noch nicht.

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