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Vergeudet der FC Zeit?Kölns Stadion-Träume: Machbarkeitsstudien liegen vor

Der Vorstand des 1. FC Köln hat einen großen Traum: ein größeres Stadion. Doch wie realistisch sind diese Gedankenspiele? Zwei Gutachten wurden schon erstellt.

Keine Frage, dieses Thema beschäftigt nahezu alle FC-Fans: Wie komme ich an Karten? Das Rhein-Energie-Stadion ist bei jedem Heimspiel prall gefüllt, auf der Warteliste für eine Dauerkarte stehen 45.000 Menschen. Die Königslösung wäre ein größeres Stadion.

Das Schmuckstück in Müngersdorf fasst aktuell 50.000 Zuschauer. Beim 1. FC Köln ist man überzeugt davon, dass auch ein 75.000 Zuschauer fassendes Rhein-Energie-Stadion regelmäßig ausverkauft wäre.

Kölner Stadion: Baugenehmigung gilt nur für 50.000 Fans

FC-Präsident Jörn Stobbe will die Ausbaupläne jetzt noch einmal forcieren: „Wir haben vereinsintern eine Stadionkommission eingesetzt. Wir werden ganz klar die verschiedenen Themen erörtern. Das sind ja zehn dicke Bretter, um einen Ausbau an diesem Standort zu verwirklichen.“

Zehn dicke Bretter in der Stadt Köln bohren – ob Stobbe und seine Mitstreiter wissen, worauf sie sich da einlassen? Der Pachtvertrag mit den Kölner Sportstätten (KSS) läuft noch bis 2034. Der große FC-Traum: Danach soll das Rhein-Energie-Stadion auf 75.000 Plätze erweitert werden.

In der neuen FC-Kommission will man in den kommenden zwölf Monaten zahlreiche Gegebenheiten und Themen prüfen. Dabei geht es um die Statik, die Betriebsgenehmigung, den Lärmschutz oder die Dachkonstruktion. Im nächsten Jahr soll dann auf der Mitgliederversammlung eine Empfehlung abgegeben werden, die Mitglieder sollen bei den Stadionplänen eingebunden werden.

Trotz Einwänden, dass dies schon zigmal geprüft worden sei, behauptet FC-Präsident Stobbe: „Das ist tatsächlich noch nicht zigmal geprüft worden. Es gibt Einzelprüfungen, rein baustatisch. Da ist das Thema Inklusion aber noch nicht bedacht. Wie ist das für Rollstuhlfahrer? Auch die Akustik ist noch nicht geprüft worden.“ Das stimmt so nicht.

Die Frage ist: Vergeudet der Vorstand mit seiner Stadionkommission Zeit, Geld und Ressourcen beim FC? Schließlich gibt es schon zwei Machbarkeitsstudien. Eine davon ist die umfassende AS+P-Studie (Albert Speer und Partner) aus dem Jahr 2017. Dabei wurden planungsrechtliche, verkehrsrechtliche und schallschutzspezifische Aspekte untersucht. Die Stadt, die KSS und der FC hatten damals die Studie in Abstimmung in Auftrag gegeben.

Im Rahmen der Studie wurden Experten aus den Fachbereichen Statik, Planungs- und Bauordnungsrecht, Schallschutz sowie Wirtschaftlichkeit eingebunden. Dabei wurden die verschiedensten Szenarien durchgespielt: 58.000 Zuschauer, 67.000 Zuschauer, 73.000 Zuschauer. 

Die Ergebnisse: Ein Stadionausbau auf bis zu 75.000 Plätze ist bautechnisch grundsätzlich möglich. Doch für den Maximalausbau müssten die unter Denkmalschutz stehenden Abelbauten abgerissen oder teilweise rückgebaut werden. Undenkbar in Köln!

Aus beiden bisher durchgeführten Machbarkeitsstudien geht zudem hervor, dass es für den Standort nur eine Baugenehmigung für ein Stadion mit 50.000 Zuschauern gibt. Eine Baugenehmigung für eine Erweiterung auf 75.000 Plätze gilt in einem Wohngebiet der Stadt Köln als ausgeschlossen. Diesen Fakt kann auch die neue FC-Stadionkommission nicht ändern. Doch Stobbe will erneut „Grundlagenarbeit“ machen, um festzustellen, dass ein Ausbau funktionieren kann.

Stadion in Müngersdorf: Anwohner drohen mit Klagen

Dabei gibt es schon zahlreiche Gründe dafür, dass die FC-Träume in Müngersdorf völlig unrealistisch sind: Verkehrs- und Parksituation, Lärmschutz und Naturschutz! Da das Stadion in einem Wohngebiet liegt, haben die Bürger-Interessen-Gemeinschaft Junkersdorf e.V. und der Bürgerverein Müngersdorf schon vor einigen Jahren angekündigt, zu klagen, sollte ein Ausbau geplant werden. Rund ums Stadion müssten 25.000 neue Parkplätze entstehen. Die Verkehrsinfrastruktur müsste komplett neu sortiert werden. 

Von der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Junkersdorf e.V. heißt es zu den aktuellen FC-Plänen gegenüber EXPRESS.de: „Das Anwohnerschutzkonzept funktioniert überhaupt nicht. Schon die Auflagen bei der ersten Baugenehmigung sind nie erfüllt worden. Damals hieß es, dass Shuttlebusse die Fans von der Messe in Deutz zum Stadion bringen würden. Doch diese sind nie eingesetzt worden. Man sagte, dass sie nicht benötigt würden. In Junkersdorf und Müngersdorf werden jetzt bei den Heimspielen alle möglichen Bürgersteige zugeparkt.“ Sollte eine Erweiterung tatsächlich Thema werden, wird von den Anwohnern definitiv geklagt.

Zudem dürfen der Artenschutz und die Natur im nahgelegenen Grüngürtel nicht gefährdet werden. Bei einem Ausbau droht also ein ähnlich endloser Weg vor Gerichten, wie beim geplanten Ausbau des Geißbockheims.

Ein gewaltiges Hindernis ist zudem die Wirtschaftlichkeit. Laut vorliegendem Gutachten wird ein Ausbau auf 215 Millionen Euro geschätzt. Die Kosten dürften aktuell sogar noch wesentlich höher liegen, da alles teurer geworden ist. Die Stadt Köln wird solche Maßnahmen sicherlich nicht finanzieren.

Stobbe bleibt bei seinen Plänen: „Die technischen Möglichkeiten haben sich geändert, die Baustoffe auch, was die Statik angeht. Und schon vor acht Jahren gab es unter Werner Spinner Bedenken wegen des wirtschaftlichen Risikos. Die Frage war, ob man bei einem Abstieg gegen Unterhaching nur vor 20.000 Zuschauern spielt. Diese Erkenntnis, dass das nicht so ist, dass wir in der 2. Liga nur vor 20.000 Fans spielen, haben wir mittlerweile.“

Stobbe weiter: „Ich bitte um Geduld. Wir werden unsere Hausaufgaben hochprofessionell machen – wie man ein solches Projekt angeht. Denn es ist eines der dringendsten Themen. Das Stadion ist in die Jahre gekommen, da kann man überall optimieren. Aber das sind dicke Bretter.“

Der FC-Boss lehnt einen Neubau auf der grünen Wiese ab: „Nein, das verfolgen wir überhaupt nicht. Wir würden den Ausbau in Müngersdorf ja nicht prüfen, wenn wir jetzt schon wüssten, dass es nicht geht. Im Gegenteil: Ich glaube schon, dass man da ernsthaft eine Lösung entwickeln kann.“ Stobbe hofft zudem, dass sportliche Großprojekte wie Olympia in Köln oder eine weitere Fußball-WM die Stadionpläne positiv beeinflussen können.

Arian Römers im Trikot des 1. FC Köln mit der Silbermedaille um den Hals.
Er war 13 Jahre in Köln
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