Wie schwer es eigene Talente haben, sich beim 1. FC Köln durchzusetzen, ist aktuell im Abwehrbereich zu beobachten. Die Kaderplanung wirft Fragen auf.
Kaderplanung wirft Fragen aufDer FC und sein 15-Millionen-Euro-Rätsel

Da kann man von harter Schule reden! Julian Pauli (20) wurde in der vergangenen Saison vom 1. FC Köln an Dynamo Dresden ausgeliehen. Im spannenden Abstiegskampf war der Innenverteidiger einer der Leistungsträger bei der SGD.
Am Ende hielt der Ostklub mit Platz elf die Klasse und Pauli verabschiedete sich mit überschwänglichen Worten: „Mega geil, dass wir unser Ziel gemeinsam erreicht haben. Dieses Jahr war für mich mehr als nur eine ‚Leihe‘. Ich habe das Team, den Staff und die Fans ins Herz geschlossen. Danke für die tolle Zeit!“
Kölns Eigengewächse Pauli & Bakatukanda suchen ihre Chance
Pauli kehrt im Sommer zurück ans Geißbockheim, doch ob man beim FC auf ihn setzt, wird sich zeigen. Die Kölner Transferpolitik wirft Fragen auf – hauptsächlich im Abwehrbereich. Obwohl man mit Pauli seit 2021 einen Nachwuchsnationalspieler in seinen Reihen hat und mit Elias Bakatukanda (22) seit 2011 ein Eigengewächs, was für die U21 des Kongo spielte, wurde munter dazugekauft.
Im Januar 2025 kam der Schweizer Joel Schmied (27) für gut zwei Millionen Euro ans Geißbockheim. Im Sommer 2025 wurde der niederländische U21-Nationalspieler Rav van den Berg (21) für acht Millionen Euro geholt. Und vor wenigen Tagen verpflichtete der FC Leihspieler Jahmai Simpson-Pusey (20) fix für fünf Millionen Euro.
Nicht wenige sprechen im Umfeld des Geißbockheims von einem 15-Millionen-Euro-Rätsel. Die selbst ausgebildeten Top-Talente und U-Nationalspieler Pauli und Bakatukanda werden verliehen (Dresden und BW Linz/Österreich) und für viel Geld werden andere Spieler, darunter die ebenfalls jungen Simpson-Pusey und van den Berg, dazugekauft.
In anderen Mannschaftsteilen wie im Sturm, Mittelfeld oder in der Außenverteidigung hat der FC deutlich größere Qualitätsprobleme und Bedarf. Doch in der Innenverteidigung wird es jetzt für die Spieler am Geißbockheim ein Hauen und Stechen geben.
Auf dem Papier hat Bakatukanda dabei aktuell die schlechtesten Karten. Der Kölner, der seit seinem siebten Lebensjahr beim FC spielt, war in der abgelaufenen Saison oft verletzt. Nach Adduktorenproblemen und einem Außenbandriss kam er nur zu 17 Einsätzen. Aktuell baut er im Trainingscamp auf Mallorca seine Form auf, um zum Trainingsstart im Juli am Geißbockheim konkurrenzfähig zu sein.
Dann will auch Pauli dem neuen FC-Trainer René Wagner (37) zeigen, was in ihm steckt. Für den FC machte Pauli in der Saison 2024/25 schon 17 Spiele in der 2. Liga. Damals verpasste er zahlreiche Partien wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung.
Pauli und Bakatukanda haben beide noch einen Vertrag in Köln bis 2028. Ob der FC so richtig auf sie zählt, wird sich zeigen. Die Transferpolitik hat bisher nicht dafür gesprochen. Aber beide Eigengewächse nehmen den Kampf auf.
Mit Schmied, van den Berg, Simpson-Pusey, Bakatukanda, Pauli und eventuell Timo Hübers, der sich nach seiner Knieverletzung herankämpfen will, ist der Konkurrenzkampf bei zwei zu vergebenden Innenverteidigerplätzen groß. Zudem sind bislang alle Innenverteidiger mit einem stärkeren rechten Fuß ausgestattet. Köln sucht sogar noch einen Linksfuß.
Dann wären sieben Verteidiger im Kader. Doch vor Saisonstart wird sicherlich noch etwas passieren. Bakatukanda ist aktuell der erste Kandidat für eine weitere Leihe. Fakt ist: Sportchef Thomas Kessler (40) und Trainer Wagner haben hinten die Qual der Wahl. Andere Positionen wie die des Linksverteidigers sind aktuell dagegen gar nicht besetzt.

