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Experte spricht über El-Mala-Hype„Irgendwann geht es dann nicht mehr nur um Fußball“

Über kaum einen anderen Spieler wurde in der abgelaufenen Saison mehr gesprochen als über Kölns Talent Said El Mala. Bei EXPRESS.de erklärt ein Mentaltrainer, wie ein junger Mensch und sein Umfeld mit dieser Situation umgehen können.

Sein Aufstieg ist raketenhaft, seine Leistungen atemberaubend. Bis auf Julian Nagelsmann schwärmt gefühlt ganz Deutschland in den höchsten Tönen über die Premierensaison von Said El Mala (19) in der 1. Liga. Der Bundestrainer hat den Youngster des 1. FC Köln aber zur Überraschung vieler nicht in seinen WM-Kader berufen.

Dabei hat El Mala mehr als überzeugt. Er erzielte 13 Tore, bereitete fünf vor und ist mit 35,9 km/h einer der schnellsten deutschen Profis in der Bundesliga. Seinen Marktwert hat er innerhalb von wenigen Monaten von 350.000 Euro auf sagenhafte 45 Millionen Euro geschraubt. Kölns Sportboss Kessler sagte zuletzt, dass der FC das erste Angebot auf dem Tisch hat, womit sich der Klub beschäftigt, und man gesprächsbereit wäre.

Mentaltrainer Bosch: El-Mala-Umfeld und Verein sind besonders wichtig

Was zum Geschäft dazugehört: Gerüchte, Ablösesummen und Schlagzeilen. Der Hype macht auch was mit einem Spieler, auch wenn man es El Mala nicht angemerkt hat. Er hat im Saisonfinale geliefert. Sein Tor beim 1:5 in München war überragend. Wie schafft man es, in diesem Geschäft und bei diesen Summen konzentriert zu bleiben? Bei EXPRESS.de spricht ein Experte über El Mala.

Andreas Bosch (46) ist seit über zwölf Jahren Mentaltrainer. Er ist Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Sportmentaltraining. Bosch ist als Experte für mentale Stärke im deutschen Profifußball tätig.

„Wenn nach wenigen Profieinsätzen plötzlich über 40 oder 50 Millionen Euro gesprochen wird, darf man nicht vergessen: Da steht immer noch ein sehr junger Mensch auf dem Platz und kein fertiger Superstar. Für einen Spieler in diesem Alter ist so eine öffentliche Dynamik mental extrem herausfordernd“, weiß Bosch.

„Natürlich gehören Gerüchte und Diskussionen heute zum Fußball dazu. Problematisch wird es aber, wenn ein junger Spieler fast täglich mit neuen Summen, Schlagzeilen und Erwartungen konfrontiert wird. Dann besteht die Gefahr, dass sich der Fokus verschiebt – weg von der Entwicklung, hin zur Außenwirkung“, sagt der Mentalexperte, der zahlreiche Erfahrungen gesammelt hat: „Ich erlebe im Leistungsfußball immer wieder, wie stark junge Spieler auf öffentliche Bewertungen reagieren. Irgendwann geht es dann nicht mehr nur um Fußball, sondern auch darum, Erwartungen erfüllen zu wollen oder dem eigenen Marktwert gerecht zu werden. Das kann auf Dauer enormen Druck erzeugen.“

Die Familie von Said El Mala, Mutter Sabrina, Vater Mohammed (Spitzname Moped) und Bruder Malek, ist für Said in dieser Phase enorm wichtig. Vor allem die Mutter hat zuletzt vieles richtig gemacht und erst einmal alle Verhandlungen auf Eis gelegt. Said sollte sich voll auf Fußball konzentrieren.

Mentalexperte Bosch sagt: „Ein Talent braucht in so einer Phase vor allem Stabilität im Umfeld. Menschen, die ehrlich mit ihm umgehen, ihn nicht größer machen als nötig und den Fokus auf seine Entwicklung legen – sportlich, aber auch menschlich.“

Was für Bosch fast genau so wichtig wie die Familie ist, ist der 1. FC Köln: „Der Verein hat dabei eine große Verantwortung. Junge Spieler brauchen nicht nur Training und Leistungsdaten, sondern auch Vertrauen, klare Kommunikation und manchmal einfach Schutz vor zu viel Öffentlichkeit.“

Der 46-jährige Leipziger, der eng mit zahlreichen Sportverbänden zusammenarbeitet, kritisiert auch die aktuellen Entwicklungen im Profifußball: „Ich finde generell, dass im modernen Fußball oft sehr schnell ein Hype entsteht. Dabei wird manchmal vergessen, dass Entwicklung nicht linear verläuft. Junge Spieler brauchen auch Phasen, in denen Fehler erlaubt sind, ohne dass sofort alles bewertet wird. Viele Karrieren scheitern am Ende nicht am Talent, sondern am Umgang mit Druck, Erwartungen und permanenter Aufmerksamkeit. Genau deshalb ist mentale Begleitung heute wichtiger denn je. Gerade im Leistungssport sollte bei diesem Thema wieder mehr Verantwortung und Sensibilität im Vordergrund stehen.“

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass sich El Mala von dem Wirbel nicht ablenken lässt. Er wird seinen Weg gehen. Bosch meint: „Für Said El Mala kann diese Phase eine große Chance sein. Entscheidend wird aber sein, ob es gelingt, den Menschen weiter im Mittelpunkt zu behalten – und nicht nur den Marktwert.“

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