Reigan Heskey (18) kommt als eines der Toptalente von Manchester City zum 1. FC Köln. Aber was kann der junge Engländer? Und woran muss er noch arbeiten? Das haben sich die Scoutingexperten von „f30 football insights“ für EXPRESS.de angesehen.
Neuzugang in der AnalyseHeskey wie El Mala? Zug zum Tor und defensive Schwäche

Erst mit Verspätung konnte er nach seinem Wechsel zum 1. FC Köln einsteigen, jetzt ist Reigan Heskey (18) aber endlich so richtig angekommen.
Der junge Engländer musste eine Woche auf seine Arbeitserlaubnis warten, durfte dann am Samstag (25. Juli) im Trainingslager in Österreich das erste Mal am Mannschaftstraining teilnehmen.
Reigan Heskey: Stärken und Schwächen
Trainer René Wagner (38) sagte nach der Premiere: „Er hatte eine etwas gesteuerte Einheit heute, wie ein paar andere Spieler auch. Reigan hat seine großen Stärken heute noch nicht ausspielen können, weil es ein enges Feld war, viele kleine Kontakte. Aber ich glaube, wenn das Feld einmal aufgeht, dann kann er seine Geschwindigkeit ausspielen.“
Rund 2,4 Millionen Sockelablöse hat der FC für den englischen U19-Nationalspieler an Manchester City überwiesen, diese Summe kann durch Bonuszahlungen aber noch auf bis zu acht Millionen Euro steigen.
Aber worauf können sich die FC-Fans beim Flügelflitzer genau freuen? Was sind seine Stärken? Und wo muss sich Heskey noch verbessern, um in der Bundesliga bestehen zu können? Das haben sich die Scoutingexperten von „f30 football insights“ für EXPRESS.de angesehen:
Position: Heskey kommt naturgemäß über Linksaußen, dort hat er in der vergangenen Saison in der ManCity-Jugend in 29 von 32 Partien gespielt. Der 18-Jährige kann allerdings auch auf Rechtsaußen oder sogar im Sturmzentrum spielen. Am besten kann er seine Stärken aber auf der linken offensiven Außenbahn als inverser Flügelspieler, der bevorzugt nach innen zieht, ausspielen.
Auf dem Feld sieht man auf seiner Heatmap, dass er sehr wenig Ballaktionen in der eigenen Hälfte hat. Meist kommt er dort nur seinem Außenverteidiger entgegen, um den Ball klatschen zu lassen und sofort wieder nach vorn zu sprinten und sich anzubieten.
Stärken:
- Torgefahr: In der abgelaufenen Saison war er in der Premier League 2 der Spieler mit den drittmeisten Ballaktionen im gegnerischen Strafraum. Dabei sucht er dann häufig den Abschluss (größtenteils flach und alle in halblinker Position im und um den Strafraum). Pro Spiel verzeichnete er mehr als zwei Abschlüsse. Diese sind präzise, kraftvoll und haben ein gutes Timing. Überwiegend schließt er aus halblinker bis linker Position ab.
- Tempo: Heskey besticht auch durch eine hohe Schnelligkeit. Diese kann er vor allem in Kontersituationen ausspielen. Aber auch bei schnellen Richtungswechseln oder Finten kann er davon profitieren.
- Selbstvertrauen: In seinen Aktionen am Ball merkt man, dass Heskey viel Selbstvertrauen hat. Er geht mit Dampf in jedes Dribbling und schließt entschlossen ab. Er zeigt unter Gegnerdruck keine Nervosität, weiß genau, was er kann.
- Dribbling: Heskey dribbelt sehr gerne von links in den Strafraum. Pro Spiel führt er im Schnitt fast 9,5 Dribblings durch. Davon gewinnt er knapp die Hälfte. Zum Vergleich: Said El Mala kommt „nur“ auf etwas über 5 Dribblings pro Spiel (allerdings auch in der deutlich stärkeren Bundesliga).
- Finales Passspiel: Eine seiner großen Stärken ist auch das Kurzpassspiel, im Kombinationsspiel verfügt er bereits über ein großes Repertoire. Zeigt zudem oftmals eine gute Übersicht und spielt häufig Bälle flach in den Rückraum.
Schwächen:
- Profierfahrung: Die ist bei Heskey quasi gar nicht vorhanden. Bei Manchester City kam er unter Pep Guardiola in der vergangenen Saison zwar zu seinem Profi-Debüt, mehr als diese sieben Minuten nach seiner Einwechslung kamen allerdings nicht dazu.
- Flanken: Diese Schwäche ist in der City-U19 bisher nicht groß ins Gewicht gefallen. Das Ballbesitzspiel war meist auf Linksaußen Heskey ausgerichtet, der von dort nach innen ziehen und abschließen sollte. Aber: Das Spiel des FC ist auf Flanken ausgerichtet (sechstmeiste Flanken in der vergangenen Bundesliga-Saison). Sollte El Mala bleiben, müsste Heskey wohl öfter auf Rechtsaußen auflaufen und dort vermehrt flanken. Und: In Manchester schlug er (auch aufgrund seiner Position auf Linksaußen) nur zwei Flanken pro 90 Minuten, davon kamen im Schnitt nur 25 Prozent bei den Mitspielern an.
- Durchsetzungsfähigkeit im Luftduell und Ballbehauptung: Diese beiden Attribute würde Heskey vor allem im Sturmzentrum brauchen, dort wird er beim FC aber wohl (erstmal) nicht zum Einsatz kommen. Bisher fiel auf, dass er Luftduelle größtenteils meidet. Trotzdem wird er an beiden Punkten noch arbeiten müssen, um in der Bundesliga besser zurechtzukommen.
- Defensivarbeit: Auch hier hat Heskey noch viel Luft nach oben, gegen den Ball arbeitet er nur mit durchschnittlicher Intensität, hat im Schnitt fünf Defensivaktionen in 90 Minuten. Mit City hatte er jedoch auch viel Ballbesitz und defensiv vergleichsweise wenig zu tun. Das wird in Köln gänzlich anders werden. Immerhin beteiligt er sich schon mehr am Teampressing, attackiert dabei häufig auch zweite Bälle auf seiner Position.
Fazit: Mit Heskey kommt eines der Toptalente aus der City-Akademie. Wie Trainer René Wagner (38) bereits sagte, sei er eines der „auf seiner Position europaweit größten Talente“.
Gerade wenn Said El Mala (19) beim FC bleiben sollte, hängt alles von dessen Position für Heskey ab. Plant Wagner El Mala im Doppelsturm neben Ragnar Ache (27) ein, kann Heskey auf Linksaußen spielen. Sieht Wagner El Mala jedoch eher dort, müsste der englische U19-Nationalspieler im Sturm oder auf Rechtsaußen seine Einsatzzeit suchen (sofern beide zusammen auf dem Platz stehen).
Sein Zug zum Tor, gepaart mit seinen defensiv eher dürftigen Werten, erinnert auch an El Malas Anfangszeit in Köln. Vor rund einem Jahr hob Ex-FC-Trainer Lukas Kwasniok (44) El Malas Qualität immer wieder hervor, forderte aber auch öffentlich mehr Defensivarbeit des gebürtigen Krefelders.
Neben der im Vergleich zur Premier League 2 viel höheren Qualität in der Bundesliga wird sich Heskey auch daran gewöhnen müssen, bei einer Mannschaft zu spielen, die im Vergleich recht wenig den Ball hat. Das bedeutet auch, dass er bei seiner Defensivarbeit zulegen muss.
Aber alleine durch seine individuelle Qualität kann der 18-Jährige schnell zu einer richtigen Verstärkung werden. Das Spiel des FC könnte mit ihm und El Mala zusammen weniger ausrechenbar werden. Dafür sollte er aber gerade die Qualität seiner Flanken verbessern. Und: Sollte El Mala den FC doch noch verlassen, stünde in Heskey der Nachfolger bereits im Kölner Kader.

