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Homosexualität im Fußball FC-Ehepaar Puntigam im Interview: „Die Menschen wären überrascht“ 

Sarah (l.) und Genessee (r.) Puntigam beim Training des 1. FC Köln.

Die beiden 1. FC Köln-Spielerinnen Sarah (l.) und Genessee (r.) Puntigam haben im Interview mit EXPRESS.de über ihren Alltag als Paar und Homosexualität im Fußball gesprochen.

Sarah und Genessee Puntigam haben im Interview mit EXPRESS.de unter anderem über ihren Alltag als verheiratetes Ehepaar in der Frauen-Mannschaft des 1. FC Köln und Homosexualität im Fußball gesprochen.

Sarah (30) und Genessee (30) Puntigam sind seit Juni 2022 verheiratet und laufen zudem seit dieser Bundesliga-Saison zusammen für den 1. FC Köln auf.

Wie Trainer und Mannschaftskameradinnen damit umgehen und wie es ihnen selbst damit geht, nicht nur Privates, sondern auch den beruflichen Alltag miteinander zu teilen, darüber haben Sie im Interview mit EXPRESS.de gesprochen.

Zudem hat sich das Duo zu Homosexualität im Männer - und Frauen-Fußball geäußert, Ängste und Sorgen der LGBTQI+-Community formuliert, persönliche Erfahrungen geteilt und einen wichtigen Appell an die Sport-Welt gerichtet. 

Die Puntigams über ihren Alltag als Ehepaar beim 1. FC Köln

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Ihr spielt als Paar in einem Team, arbeitet sozusagen zusammen. In einem normalen Büro-Job nicht unbedingt vorstellbar. Wie geht es Euch damit?

Sarah Puntigam: Es macht Spaß! Wir genießen es, zusammenzuspielen und uns gegenseitig herauszufordern.

Genessee Puntigam: Ja, es macht viel Spaß. Und auch wenn es mal nicht so viel Spaß macht, wir zum Beispiel ein schlechtes Spiel hatten oder eine von uns nicht gespielt hat, ist es schön, dass jemand da ist, der Dich versteht und weiß, wie es sich anfühlt. Und das gilt nicht nur für die unglücklichen Situationen. Es ist auch toll, die schönen Momente mit der Ehefrau und besten Freundin teilen zu können.

Wie gehen Trainer-Team und Mitspielerinnen damit um, dass ihr als Paar zusammen in der Mannschaft spielt?

Genessee: In den meisten Vereinen haben die Mädels im Team kein Problem, wenn ein Paar unter den Teamkameradinnen ist. Da herrscht meistens eine gute Atmosphäre. Und das ist hier auf jeden Fall auch so.

Sarah: Bevor wir hier unterschrieben haben, war die Situation ja bereits klar. Jeder hier im Verein ist sehr offen und unterstützend. Das war ein Grund, warum wir uns für den FC entschieden haben. Wir haben uns hier sehr willkommen gefühlt.

Sehen Sie hier ein Video von Sarah und Genessee Puntigam auf dem queeren TikTok-Kanal von EXPRESS.de:

Ihr teilt Euren beruflichen und privaten Alltag – wie ist das für Euch?

Sarah: Für uns ist es eine Bereicherung. Wir genießen es, Zeit zusammen zu verbringen. Es gibt natürlich auch Zeiten, die wir getrennt verbringen, wenn ich zum Beispiel bei der österreichischen Nationalmannschaft bin oder auch jede von uns mal Zeit für sich braucht.

Genessee: Wir sind echt glücklich über unsere Situation. Wir wissen, wann die andere Zeit und Platz für sich braucht, aber wir haben eben auch viele gleiche Interessen und es ist einfach schön, so viel zusammen zu machen. Das genießen wir beide sehr.

Wie habt ihr es geschafft, dass ihr zusammen zum FC kommen konntet?

Sarah: Es war unser Wunsch, zusammen spielen zu können. Unser Berater war in Kontakt mit dem Verein und dem Trainer Sascha Glass und sagte, dass der FC sehr interessiert ist an uns beiden. Wir haben dann persönlich mit den FC-Verantwortlichen gesprochen und hatten direkt ein sehr gutes Gefühl.

Ihr spielt als Paar zusammen in einer Mannschaft und seid mit diesem Schritt in der Öffentlichkeit offen umgegangen. War es eine bewusste Entscheidung oder eine besondere Überwindung?

Sarah: Für uns fühlt sich das ganz normal an. Wir wollten das öffentlich machen, auch um zu zeigen, dass es normal ist und nichts Besonderes mehr. Wir wollten damit auch einen Schritt für die Allgemeinheit machen.

Genessee: Es ist wichtig für die LGBTGI+-Community im Sport. Wir können damit Menschen, die Angst vor ihrem Outing haben, zeigen, dass es funktioniert und sie sich trauen können.

1. FC Köln-Spielerinnen richten Appell an LGBTQI+-Community

Gibt es viele Sportlerinnen und Sportler, die ihre Beziehung zu einem Teamkameraden oder Teamkameradin geheim halten, aus Angst vor den negativen Reaktionen?

Sarah: Ja, auf jeden Fall.

Genessee: Die Menschen wären überrascht, wenn sie die Anzahl der Sportlerinnen und Sportler kennen würden, die der LBTGI+-Community angehören. Es ist erschreckend, wie viele Menschen sich nicht trauen, sich zu outen, aus Angst ihren Job zu verlieren oder negativen Kommentaren in den sozialen Medien ausgesetzt zu sein. Ich verstehe, dass das nicht einfach ist.

Sehen Sie hier ein Foto des Paares, gepostet auf dem Instagram-Account von Genessee Puntigam:

Homosexualität ist nach wie vor ein Tabu-Thema im Fußball, besonders im Männer-Fußball. Warum gibt es Eurer Meinung nach immer noch mehr geoutete Frauen als Männer?

Sarah: Ich denke, das ist ein gesellschaftliches Problem. Der Männer-Fußball hat einen sehr maskulinen und starken Ruf, Männer wollen weniger Schwäche zeigen als Frauen. Der Männer-Fußball steht zudem viel mehr im Mittelpunkt, als wir Frauen. Heißt: Die Angriffsfläche ist auch viel größer. Das ist bestimmt ein Grund, warum sie viel mehr Angst haben, sich zu outen als wir Frauen.

Genessee: Männer-Fußball genießt ein riesiges Publikum in vielen Ländern und Kulturen auf der ganzen Welt. Doch an vielen Orten auf der Welt, an denen Fußball geschaut wird, haben sowohl Frauen und PoC als auch homosexuelle Menschen immer noch weniger Rechte als Männer. Ich halte es deshalb für schwieriger, dass sich Männer outen, weil die Menschen eben an vielen Orten noch nicht so weit sind.

Sarah: Ja, das stimmt. Auf der anderen Seite ist es aber doch so: Wenn niemand sich outet, wird sich niemals etwas ändern. Für uns kann ich sagen, dass wir viele positive Reaktionen bekommen haben.

Genessee: Ich glaube, dass viele Menschen warten, dass sich endlich Leute outen. Denn wir wissen alle, dass Homosexuelle im Sport existieren. Wir haben mit unserem Outing hoffentlich unseren Teil zu diesem langen Weg beigetragen.

Neben Eurem Zeichen für die LGBTQI+-Community: Welche für Ziele möchtet ihr sowohl für Euch persönlich als auch mit dem Klub erreichen?

Sarah: Ich persönlich möchte als etwas ältere Spielerin in einem jungen Team die Mannschaft leiten und Verantwortung übernehmen. Mit dem Team möchten wir dieses Jahr besser sein, als letzte Saison und am liebsten in der ersten Hälfte der Tabelle landen. Ich denke, das ist realistisch und wir werden alles versuchen, um eine möglichst erfolgreiche Saison zu spielen.

Genessee: Ich würde gerne einmal ein Spiel im Rhein-Energie-Stadion bestreiten, da findet ja auch immer das DFB-Pokalfinale der Frauen statt. Außerdem ist es für eine Fußballerin das Größte, eines Tages in der Champions League zu spielen.

Wie zufrieden seid ihr mit der bisherigen Punkteausbeute in der Liga?

Sarah: Wir hatten einen guten Start. Die nächsten Spiele werden wichtig. Gegen Bremen haben wir gewonnen, gegen Duisburg wollen wir auch gewinnen. Gegen Frankfurt haben wir nichts zu verlieren und das nächste Heimspiel gegen Wolfsburg wird eine große Herausforderung.

Am Freitag (28. Oktober 2022) hat es beim Auswärtsspiel in Duisburg leider nicht geklappt. Die FC-Frauen verloren 1:2, trotz eines Treffers von Sarah Puntigam. Nächste Woche (6. November/16 Uhr) folgt dann das Gastspiel bei Eintracht Frankfurt. Das nächste Heimspiel der FC-Frauen im Franz-Kremer-Stadion findet am 27. November um 13 Uhr gegen den VfL Wolfsburg statt.

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