LGBTQI+ Erster Beratungs-Messenger für queere Jugendliche gestartet – das müssen Sie wissen 

Ein junger Mann posiert während der Pride Parade in Kolumbien

Der erste Beratungs-Messenger für queere Jugendliche ist gestartet. Das Foto wurde am 3. Juli 2022 während der Pride Parade in Kolumbien aufgenommen.

Der erste Beratungs-Messenger zur Unterstützung queerer Jugendlicher wurde deutschlandweit gestartet – und das kostenfrei und datenschutzkonform.

Probleme mit dem Coming-out? Das geht immer noch erstaunlich vielen Jugendlichen so! Ein Projekt des Vereins „Coming Out Day“ möchte mit seinem neuen Beratungs-Messenger genau da ansetzen und helfen.

Laut aktuellen Umfragen sind lesbische, schwule, bisexuelle und trans Jugendliche in der Zeit ihres Coming-outs oft einsam und alleine, wie aus einem Bericht von „queer.de“ vom 10. Juli 2022 hervorgeht. Häufig kommen Mobbing und Gewalt in der Schule und sogar im eigenen Elternhaus hinzu. Es fehlen Ansprechpersonen und Rollenvorbilder. Eine Situation, die sich in der Corona-Pandemie nur noch verschlimmert hat.

LGBTQI+: Erster Beratungs-Messenger für queere Jugendliche

Seit dem zweiten Lockdown im Herbst 2020 beraten im Projekt „Coming out und so…!“ ausgebildete, junge queere Menschen zwischen 18 und 24 Jahren Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahren per E-Mail bei ihrem Coming-out, bei Fragen rund ums Verliebtsein, zu Beziehungsthemen, Stress in der Schule oder mit den Eltern oder bei der Recherche nach einer queeren Jugendgruppe in ihrer Nähe.

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Regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen mit einem Team aus Psychologen und Psychologinnen sowie Sozialpädagogen und -pädagoginnen stellen die Qualität und die psychische Gesundheit bei den Ehrenamtlern und Ehrenamtlerinnen sicher. Aber: Jugendliche nutzen im Jahr 2022 kaum noch E-Mails oder das Telefon zum Austausch.

Die Lösung soll daher ein Messenger sein – genauer gesagt, der erste Beratungs-Messenger für queere Jugendliche. Der Chat bringt durch eine größere Anonymität und Flexibilität eine deutlich niedrigere Hemmschwelle mit sich. Hier können damit tatsächlich Dialoge stattfinden, die Rat suchenden Jugendlichen bekommen direkt eine Antwort – wie sie es auch in ihrem Alltag von Freunden und Freundinnen gewohnt sind.

„Gerade bei diesem leider oft mit Angst besetzten Thema und den sensiblen Daten war uns der Datenschutz bei der Entwicklung des Angebots besonders wichtig“, sagt Vereinsvorstand Sven Norenkemper gegenüber „queer.de“. „Klar hätten wir gerne beispielsweise auch einfach WhatsApp genutzt, aber das ist für Beratungs-Chats aus oben genannten Gründen völlig ausgeschlossen. Darum haben wir mit einer Firma, die sich auf genau solche Lösungen spezialisiert hat, unseren Messenger entwickelt.“

„Ich hätte mir so ein Angebot in meiner Selbstfindung sehr gewünscht!“

Antonia, 21 Jahre alt und eine von derzeit zwölf jungen Beratern und Beraterinnen im Team, unterstreicht die Stärke des Peer-to-Peer-Ansatzes: „Wir sind alle im ähnlichen Alter wie die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die uns anschreiben. Wir erinnern uns alle noch sehr gut an die Gefühle und die Gedanken vor und im Coming-out oder der Transition. Wir sind also näher dran als andere Berater und Beraterinnen, geben aber gleichzeitig keine Standardlösungen oder gut gemeinte Ratschläge wie vielleicht Eltern oder Freunde und Freundinnen“.

Dominik (21) ergänzt: „Wir suchen zusammen mit den zu Beratenden nach Antworten und überlegen Lösungsmöglichkeiten, ‚hören zu‘ und bieten Wege aus dem Gedankenkarussell an. Und klar, manchmal erzählen wir auch, welche Dinge uns so persönlich weitergebracht haben – eine gute Idee darf ja auch gerne als Inspiration genutzt werden.“

Phoenix (24) fügt hinzu: „Ich habe mal gelesen ‚schreiben ist wie denken – nur lauter‘, das gefiel mir sehr gut und ich finde, es beschreibt gut, warum es für queere Jugendliche so wichtig ist, sich auszutauschen, Unterstützung und Akzeptanz zu bekommen und eben nicht alles allein mit sich auszumachen. Ich hätte mir so ein Angebot in meiner Selbstfindung sehr gewünscht!“

Der Messenger mit dem Namen „…und so! – Messenger“ kann im App Store von Apple und im Google Play Store kostenfrei heruntergeladen werden und ist bundesweit verfügbar. (gr)

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