Der Tod von WDR-Legende Dietmar Schott - am Sonntag ist der Sportreporter im Alter von 88 Jahren gestorben. Nach seinem folgenreichen Sturz hatte Schott auch Besuch von Wolfgang Overath erhalten.
Tod von Dietmar SchottFC-Legende Overath hatte ihn noch besucht

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Seine Stimme war sein Markenzeichen, Tausende Fußball-Fans erkannten sie sofort: Dietmar Schott war 43 Jahre beim WDR, viele davon als Sportchef.

Er war eine deutsche Sportreporterlegende, seine Stimme war Musik in den Ohren von Millionen Fußballfans, er war ein gebürtiger Kölner und liebte den „falschen“ Verein – jetzt ist WDR-Ikone Dietmar Schott im Alter von 88 Jahren gestorben.
Es stand schlecht um ihn, seit er im vergangenen September daheim in seinem Häuschen im Grünen gestürzt war und Knochenbrüche erlitten hatte. Wenige Wochen zuvor hatte er noch einige erholsame Tage auf Norderney verbracht.
Ein Sturz hatte schwere Folgen für ihn
Von den Folgen des Sturzes aber sollte er sich nicht mehr erholen. Seine letzten Lebensmonate waren von Klinikaufenthalten und einem Umzug in ein Pflegeheim in Bad Honnef-Aegidienberg (Rhein-Sieg-Kreis) im Dezember geprägt. Der Landrat Sebastian Schuster und FC-Legende Wolfgang Overath besuchten ihn dort.
Besonders hart hatten den Tierfreund im Herbst der Tod seines treuen Cockerspaniels Friso getroffen. Seine Tierliebe hatte im EXPRESS vor einigen Jahren Schlagzeilen gemacht. Cockerspaniel waren eine Leidenschaft – über Jahrzehnte hatte er stets einen Hund an seiner Seite. Und wenn ein Hund ging, schaute er nach einem neuen - bis es hieß, er sei doch jetzt zu alt, um sich um ein Haustier zu kümmern. Das setzte ihm zu. EXPRESS veröffentlichte seine Geschichte, es fand sich eine Züchterin im Norden – Friso wurde sein neuer Gefährte. Schott war wieder glücklich.
Ein Freund und Weggefährte, der ihn am Sonntag das letzte Mal besucht hatte – Schott war vor einer Woche vom Pflegeheim in ein Krankenhaus in Linz verlegt worden – sagte gestern gegenüber EXPRESS: „Er hatte mit der Züchterin vereinbart: Sollte er vor dem Hund sterben, solle sie ihn zurücknehmen.“ Friso sollte nicht in ein Tierheim kommen.
Als Friso vor ihm starb, erzählte er dem EXPRESS, wie sehr ihn der Verlust treffe. Eine Familie hatte er nicht um sich. Seine Ehefrau Beate war 2015 nach 47 Ehejahren verstorben. Das Paar hatte keine Kinder.

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Dietmar Schott mit seinem geliebten Hündchen Friso.
Geboren wurde Schott am 20. Juli 1937 in Köln-Kalk, er wuchs zunächst in Riehl auf, ganz in der Nähe des Zoos. Seine Mutter zog mit ihm aus beruflichen Gründen nach Hamburg. Seine Fan-Liebe begann, als er als 16-Jähriger das Derby HSV gegen den FC St. Pauli besuchte (und ein treuer großer Fan des Hamburger SV wurde).
Der junge Mann wurde Sportreporter, erst freier Mitarbeiter beim NDR, dann eine unverzichtbare Größe – Schott, ein charmanter Hüne von 1,92 Meter, bereiste im Laufe seiner Karriere die ganze Welt, berichtete von elf olympischen Spielen, brillierte als Basketball- und Pferderennsportexperte, wurde Sportchef beim WDR.
Schott war zudem einst selbst ein talentierter Basketballer, als rechte Hand von Sportmäzen Fritz Waffenschmidt freute er sich über etliche Titel mit dem BSC Saturn Köln.
Über 40 Jahre betrieb Schott das Gestüt Höhnchen in Lohmar-Wahlscheid, wo er auch lebte. Pferde aus seinem Gestüt gewannen 355 Rennen. Für Millionen von Fußballfans war Dietmar Schott aber vor allem der Inbegriff des Samstagnachmittags. Über 41 Jahre lang war er für den WDR im Einsatz, wo er mit unzähligen Bundesliga-Radiokonferenzen zur Legende wurde. Seine Sendung „Sport und Musik“ erreichte ein Riesenpublikum und ist bis heute unvergessen.
Schott hatte das Erbe des legendären Kurt Brumme angetreten und stand für mehr als 2000 Sendungen vor dem Mikrofon. Im Jahr 2004 übergab er den symbolischen Staffelstab an seine Nachfolgerin Sabine Töpperwien. Auch den heutigen Moderator der Bundesliga-Konferenz, Sven Pistor, hat er noch in die Kunst der Sendungsgestaltung eingewiesen.
Als der HSV seinem Kölner Ehrenmitglied im Jahr 2024 zu 70 Jahren im Verein gratulierte, besuchte EXPRESS ihn daheim. Über die liebevoll gemeinte Überschrift „Oh Gott, Schott! Kölner Legende feiert falsches Jubiläum“ hatte er sich köstlich amüsiert. Und stets versichert: „Wenn ich den Kölner Dom sehe oder den Hamburger Michel – bei beiden geht mir das Herz auf.“

