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Formel-1-Autos im Check Experte Danner: „Zutaten für gutes Racing“

Ein Split-Screen-Foto der Autos von Mercedes und Ferrari.

Beim direkten Vergleich sieht man, wie schlank der Mercedes W13 gegenüber dem Ferrari F1-75 ist. Foto: F1

Das Formel-1-Jahr 2021 war an Drama fast nicht zu überbieten. Jetzt steht die neue Saison in der Königsklasse des Motorsports vor der Tür. Christian Danner gibt den Überblick über die neuen Autos.

Die Formel 1 soll nach spektakulärer werden. Das war das Ziel der größten Regel-Reform ihrer 73-jährigen Geschichte. Und dafür braucht es eine größere Leistungsdichte der Autos und mehr Überholmanöver. Für EXPRESS.de erklärt RTL-Experte Christian Danner (63) am Mittwoch (16. März 2022), durch welche Maßnahmen dies erreicht werden soll, welch unterschiedliche Kreationen dabei herausgekommen sind und wie er den Leistungsstand vor dem WM-Start in Bahrain (20. März, 16 Uhr, Sky) einschätzt.

Was war das Ziel der Reform?

Danner: Das Racing soll noch spannender werden. Man wollte sicherstellen, dass das Hinterherfahren und Rad-an-Rad-Duell einfacher geht als bisher. Dabei störte bisher die vom Flügelwerk der Autos verwirbelte Luft, die sogenannte „Dirty Air“. Und deshalb wurde an den Autos alles an Flügeln abgeschnitten, was man nicht unbedingt braucht. Der Anpressdruck, um schnell durch die Kurven zu fahren, wird jetzt vornehmlich vom Unterboden generiert. Der ist so gestaltet, dass er den sogenannten „Ground Effect“ erzeugt – das Autos saugt sich förmlich an den Asphalt an. Und hinter dem Autos entstehen weniger Luftwirbel, welche die Aerodynamik des Verfolgers negativ beeinflussen. Ich hoffe, dass sorgt für mehr Überholmanöver.

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Die Teams haben die Vorgaben unterschiedlich interpretiert. Vor allem der extrem schlanke Mercedes überraschte alle. Was halten Sie davon?

Die Chassis-Regeln lassen im Bereich der Seitenkästen alle Möglichkeiten offen, da kann sich der Aerodynamiker frei entfalten. Und deshalb wundert es mich nicht, dass da so unterschiedliche Kreationen entstanden sind. Der Mercedes hat fast keine Seitenkästen mehr, der Aston Martin sehr bauchige und Ferrari diese rote Badewanne. Ob dieses komische Mercedes-Ding jetzt das Gelbe vom Ei ist, kann ich noch nicht sagen. Denn ich habe in 40 Jahren Formel 1 eines gelernt: Das, was man sieht, macht das Auto nicht schnell. Aber das Team von Mercedes ist durchaus in der Lage, durch Computersimulationen herauszufinden, ob das was taugt. Die wissen schon, was sie machen und sind in den letzten Jahren immer mit einem siegfähigen Auto zum ersten Rennen angereist.

Und welche Teams sind nach der Generalprobe in Bahrain Ihre Favoriten für den WM-Start?

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Rennen nicht bei den Testfahrten gewonnen werden. Da war in der Vergangenheit mal der toll und mal der, und das erste Rennen hat dann doch wieder Mercedes gewonnen. Nach den Eindrücken der Tests in Barcelona und Bahrain scheinen Ferrari und Red Bull gleichauf an der Spitze zu sein. Und Mercedes direkt dahinter. Dann gibt es einen kleinen Abstand zum Mittelfeld, was näher an die drei Topteams herangerückt und höchst komprimiert ist. Da ist es erstmal wurscht, wer letztendlich vorne ist, weil das sind die Zutaten für gutes Racing. Das heißt: Wenn ich als Mittelfeldteam mal einen guten Tag habe und ein Topteam einen schlechten, dann kann ich auch ums Podium kämpfen.

Wie hat Ferrari Platzhirsch Mercedes überholt?

Ferrari hat die Power-Unit schon extrem verbessert, also einerseits Verbrennungsmotor, aber auch die Energierückgewinnung und die Elektromotoren angeht. Da haben sie schon einen Schritt nach vorne gemacht. Das sieht man auch bei Alfa und bei Haas, die auch mit Ferrari-Motoren fahren.

Und Haas hat als erstes Team angefangen, das neue Auto zu entwickeln. Darf Mick Schumacher darin auf Punkte hoffen?

Haas hat ein Auto gebaut, dass sicherlich fürs Mittelfeld gut ist und nicht mehr nur hinterherfahren wird wie in der Vergangenheit. Das ist eine andere Welt für den Mick, der nicht mehr einen Glücksschrei ausstoßen wird, wenn er mal Drittletzter wird. Der wird mit Sicherheit besseres Material haben als vergangenes Jahr und eine gute Chance haben, sich im Mittelfeld zu tummeln. Da muss er sich dann gegen Fahrer mit gleichem Material behaupten.

Mick Schumacher mit Helm im Haas-Formel-1-Auto.

Mick Schumacher hofft seit den Formel 1-Testfahrten in Barcelona am 24. Februar 2022 auf ein gutes Haas-Auto.

Und was halten Sie von Sebastian Vettels neuem Aston Martin?

Ich sehe den Aston Martin genauso im Mittelfeld wie den McLaren, den Alpha Tauri, den Alfa Romeo, den Alpine. Ich sehe die alle auf einem Haufen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Vettel und Aston Martin gleich zu Beginn ein Highlight setzen können, dazu ist die Konkurrenz zu stark. Ich denke, es wird von Strecke zu Strecke, abhängig von den Layouts und Temperaturen, zu Verschiebungen im Kräfteverhältnis kommen. Das ist ja auch das Schöne, dass du auch mit Kleinigkeiten, mit der Abstimmung oder der Taktik, entscheiden kannst, ob du aufs Podium oder in die Punkte fährst oder nicht.

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