WM-Spiel gegen Japan DFB-Team zeigt kreativen Katar-Protest – FIFA leitet Untersuchung ein

WM-Auftakt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Nach dem kurzfristigen Verbot der „One Love“-Binde zeigte das DFB-Team beim ersten Gruppenspiel gegen Japan einen kreativen Protest.

Vierter WM-Tag, erster Auftritt der DFB-Stars in Katar: Am Mittwoch (23. November 2022) sind Deutschlands Fußballer mit dem Gruppenspiel gegen Japan ins Turnier gestartet – und mussten beim 1:2 direkt einen dicken Auftakt-Dämpfer hinnehmen.

Im Vorfeld hatte vor allem das Verbot der „One Love“-Binde für Wirbel gesorgt. Eigentlich hatte DFB-Keeper Manuel Neuer (36) in Katar – ebenso wie die Kapitäne sechs weiterer Verbände – mit der besonderen Binde ein klares Zeichen für Menschenrechte und gegen Diskriminierung setzen wollen. Dem schob die FIFA unter Androhung sportlicher Sanktionen einen Riegel vor.

WM 2022: DFB-Team mit kreativem Protest bei Spiel gegen Japan

Der Bayern-Torwart trug deshalb die von der FIFA gestellte Binde mit dem Slogan „Keine Diskriminierung“ – doch die DFB-Stars setzten auf andere Art ein klares Zeichen: Neuer & Co. hatten sich eine kreative Protest-Aktion überlegt.

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Nachdem sich die deutschen Stars auf dem Rasen zum obligatorischen Mannschaftsfoto aufgestellt hatten, hielten sich alle elf Nationalspieler den Mund zu. Die Botschaft: „Uns wird der Mund verboten.“ ARD-Kommentator Tom Bartels (57) interpretierte die Geste unterdessen anders, glaubte, die deutschen Spieler wollten „sich den Mund nicht verbieten lassen“.

Kurz darauf veröffentlichte der DFB ein Statement, in dem er die Aktion erklärte: „Wir wollten mit unserer Kapitänsbinde ein Zeichen setzen für Werte, die wir in der Nationalmannschaft leben: Vielfalt und gegenseitiger Respekt. Gemeinsam mit anderen Nationen laut sein. Es geht dabei nicht um eine politische Botschaft: Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider immer noch nicht. Deshalb ist uns diese Botschaft so wichtig. Uns die Binde zu verbieten, ist wie den Mund zu verbieten. Unsere Haltung steht.“ Die FIFA-Regie zeigte die Aktion übrigens nicht im offiziellen Live-Bild.

Schon vor der Partie hatte Bundestrainer Hansi Flick (57) eine Aktion seiner Spieler angekündigt. Auf die Frage im ARD-Interview, was sein Team geplant habe, sagte er nur: „Wir werden sehen.“ Bei einer erneuten Nachfrage schwieg er und lächelte. Kurz darauf war klar, was sich die deutsche Mannschaft ausgedacht hatte.

DFB-Protest bei WM-Auftakt gegen Japan: FIFA berät über Vorfall

Später wurde bekannt, dass die FIFA nach dem deutschen „Mund-zu“-Protest ihre Disziplinar-Kommission eingeschaltet hatte. Diese untersuchte die Aktion – und beriet über mögliche Sanktionen!

Aufatmen dann aber am späten Mittwochabend beim deutschen Team: Wie die FIFA mitteilte, werde die Aktion keine Folgen für das deutsche Team haben. Es wäre für den DFB nach der vermeidbaren Start-Pleite das nächste große Ärgernis des WM-Tages gewesen.

TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer wollten zuvor schon bei den Trainingsanzügen und Aufwärmshirts der deutschen Elf einen Regenbogen am Ärmel und auf den Schultern erkannt haben. Allerdings gehören diese Outfits zum Standards-Repertoire des Ausstatters und werden auch von anderen Nationen wie Argentinien getragen.

Nancy Faeser, Bundesministerin des Innern, und DFB-Präsident Bernd Neuendorf auf der Tribüne.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (l.) verfolgte die WM-Partie der deutschen Nationalmannschaft gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf im Stadion – und trug dabei die „One Love“-Binde.

Auch auf der Tribüne wurde unterdessen ein Zeichen gesetzt: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (52, SPD), welche die Partie gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61) im Khalifa-International-Stadion in Al-Rayyan verfolgte, trug die „One Love“-Binde – in Vertretung Neuers auf dem Rasen.

Am Ende zeigte sich: Die teils heftige Kritik aus der Heimat wurde vom DFB-Team ernst genommen – die Reaktion folgte dann vor dem Anpfiff auf dem Rasen. Mit ihrem Protest dürfte die Mannschaft nun bei vielen Kritikern und Kritikerinnen wieder ein paar Pluspunkte gesammelt haben.

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