Abrechnung mit Fußball-Geschäft Ex-FC-Profi ist „angekotzt“ und sagt: „Im Rückblick schäme ich mich“

Neven Subotic, Mathias Lehmann, Frederik Sörensen und Salih Özcan sind nach einem Gegentor sichtlich enttäuscht.

Frustriert: Neven Subotic (2. v. l.) am 21. April 2017 gemeinsam mit seinen ehemaligen FC-Kollegen im Rhein-Energie-Stadion.

Neven Subotic, Ex-Kicker des 1. FC Köln, Meister mit Borussia Dortmund und Bundesliga-Routinier, hat mit einem Rundumschlag gegen das Profi-Geschäft ausgeteilt – und verraten, was ihm inzwischen viel wichtiger ist.

Aus Liebe wurde Hass: Der langjährige Bundesliga-Profi Neven Subotic (33) will mit dem Fußball-Geschäft nichts mehr zu tun haben – dabei hat der Ex-FC-Kicker noch nicht einmal seine Karriere offiziell beendet.

„Ich schaue kein ganzes Spiel an, nur noch Highlights, will nur Tore sehen“, sagte Subotic, der mit Borussia Dortmund 2011 und 2012 die deutsche Meisterschaft gewann, in einem Interview der „Augsburger Allgemeinen“.

Neven Subotic: „Fußball per sé interessiert mich nicht“

„Fußball per sé interessiert mich nicht, aber ich freue mich für meine ehemaligen Kollegen“, ergänzte der frühere serbische Nationalspieler. Mit dem Prinzip Leistungssport kann der Ex-Innenverteidiger nichts mehr anfangen: „Ich bin so angekotzt, weil vieles davon so irrelevant ist.“

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Stattdessen dreht sich das Leben Subotics längst um seine Stiftung, mit der er in Afrika für sauberes Trinkwasser sorgt: „Frauen und Kinder sind bis zu sechs Stunden täglich unterwegs und schleppen verdrecktes Wasser. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn du jeden Tag verunreinigtes Wasser zu dir nimmst“, sagte der ehemalige Abwehrspieler.

Kinder würden Wasser holen müssen, anstelle zur Schule gehen zu können. Subotic: „So wird Bildung Luxus und Wasser Pflicht.“ Der Ex-Profi packt seit Jahren selbst mit an, nun erschien auch sein Buch „Alles geben. Warum der Weg zu einer gerechteren Welt bei uns selbst anfängt“.

Soziale Projekte statt Fußball: Neven Subotic will nicht mehr Profi sein

Seine Karriere hat Subotic, der zuletzt 2021 für den SCR Altach in Österreich gespielt hat, offiziell dabei noch gar nicht beendet. Das sei aber nur eine Formsache: „Ich hatte nur noch keine Zeit, es offiziell zu machen“, sagte er.

Nach seiner erfolgreichsten Zeit beim BVB kickte Subotic in der Rückrunde 2016/17 unter anderem leihweise beim 1. FC Köln (zwölf Spiele), war einer der Euro-Helden unter Peter Stöger (56). 2019/20 lief er auch für Union Berlin noch einmal in der Bundesliga auf.

Der Ex-Profi ist längst dafür bekannt, beim Thema Profi-Fußball kein Blatt vor den Mund zu nehmen, in der Vergangenheit hatte er beispielsweise zu übermäßigen Schmerzmittel-Konsum ausgepackt („Ibuprofen verteilt wie Smarties“).

Neven Subotic: Habe sinnlos gelebt

Subotic sprach am Samstag (11. Juni 2022) nochmal ausführlich über seinen Lebenswandel und den geänderten Blick aufs Leben: „Im Rückblick schäme ich mich, dass ich damals zum Teil so sinnlos gelebt habe“, sagte er im Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Der frühere serbische Nationalspieler wurde mit Borussia Dortmund zweimal deutscher Meister sowie einmal Pokalsieger, und er habe auch Spaß in seiner Karriere gehabt. Aber weder habe er nachhaltige Freundschaften gefunden noch sich menschlich weiterentwickelt oder etwas geleistet, auf das er stolz sei: „Am Ende meines Lebens geht es nicht nur darum, ob ich Spaß hatte.“

Subotic engagiert sich seit seinem 22. Lebensjahr in seiner eigenen Stiftung. Durch die wurden bisher knapp 500 Brunnen gebaut, so erhalten rund 180 000 Menschen Zugang zu Wasser. Für dieses soziale Engagement habe er sich im Fußball teilweise rechtfertigen müssen. „Wenn ein Spieler bis in die Nacht vor seiner Playstation sitzt, dann gilt das noch immer als ziemlich normal. Wenn man sich aber mit anderen Dingen als Fußball beschäftigt, dann glauben manche, dass die Leistung darunter leidet“, so Subotic in der „Allgemeinen Frankfurter Sonntagszeitung“.

Habe er schlecht gespielt, hieß es schnell, dass er zu viele andere Sachen im Kopf habe. „Die meisten Trainer, mit denen ich zusammengearbeitet habe, mögen es nicht, wenn man sich mit mehr als nur Fußball auseinandersetzt.“ Eine Ausnahme sei Jürgen Klopp in seiner Zeit in Mainz gewesen. „Es braucht menschliche Größe, um zu verstehen, dass Fußball nicht alles ist, dass Spieler Individuen sind und jeder anders sein darf. Das klingt einfach, aber von anderen, schlechteren Trainern habe ich sehr viele Sticheleien erlebt. Das verdeutlicht noch mal die Größe von Kloppo.“ (kmh/dpa)

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