Frauenfußball-Kolumne „Es ist ein Dilemma, an dem alle Klubs ihren Anteil haben“

Laura Freigang beim Frauen-Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt am 3. Dezember 2022.

Eintracht Frankfurt um Nationalspielerin Laura Freigang hatte im Topspiel der Frauen-Bundesliga am 3. Dezember beim VfL Wolfsburg keine Chance. Die Partie endete 0:5 aus Sicht der Eintracht.

Die Topspiele der Frauen-Bundesliga haben nicht das versprochen, was sie anhand der Tabelle hielten. Was bedeutet das?

Es sollte ein Wochenende voller packender und spannender Fußball-Duelle werden. Mit der TSG Hoffenheim trafen am Freitag (2. Dezember 2022) die Tabellenvierten auf die Tabellendritten des FC Bayern München. Einen Tag später stand auch in der Autostadt ein entscheidendes Duell auf dem Programm: Der VfL Wolfsburg, auf Platz eins der Frauen-Bundesliga thronend, empfing die direkten Verfolgerinnen von Eintracht Frankfurt.

Beide Partien endeten mit 0:4 und 5:0 mehr als deutlich. Wer sich auf zwei spannende Top-Spiele gefreut hatte, wurde enttäuscht. Doch was bedeutet das für die Liga?

Frauen-Bundesliga: Spannung eher im Mittelfeld

Keine Frage, in der aktuellen Spielzeit gab es auch zahlreiche Spiele, die umkämpft waren und die Zuschauerinnen und Zuschauer mitrissen. Die Partien vom vergangenen Wochenende zeigen jedoch, wie groß die Unterschiede zwischen den Top-Klubs aus Wolfsburg und München im Vergleich zum Rest der Frauen-Bundesliga noch immer sind.

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Und selbst diese beiden Vereine bewegen sich längst (noch) nicht auf dem gleichen Spielniveau. Da sie aktuell fünf Zähler trennen und die Wölfinnen gnadenlos effizient aufspielen, lassen sich Spannung und Punktekampf eher in der Tabellenmitte finden.

Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf Platz drei. Der nämlich berechtigt zur Teilnahme an der Qualifikation zu Champions League und in der laufenden Saison haben mindestens drei Vereine eine realistische Chance, ihn zu erreichen: Eintracht Frankfurt, die TSG Hoffenheim und der SC Freiburg.

Auch im Tabellenkeller könnte es durchaus spannend werden: Während Turbine Potsdam nicht mehr vom letzten Platz loszukommen scheint, laufen auch Werder Bremen und die SGS Essen Gefahr, im nächsten Jahr zweitklassig zu spielen.

Quo vadis, Frauen-Bundesliga?

In der Frauen-Bundesliga gibt es also durchaus spannende Duelle – jedoch nicht in der oberen Tabellenhälfte. Der VfL Wolfsburg ist der Konkurrenz in Sachen Entwicklung um einige Jahre voraus. Durch geschickte Scouting- und Recruitment-Strategien werden seit langem Top-Stars und solche, die es noch werden (wollen), in die Autostadt geholt. Die Infrastrukturen stimmen offensichtlich, der Verein investiert kräftig in die Frauenmannschaft. Bei der Konkurrenz wurden diese Entwicklungen erst spät(er) angestoßen.

Eintracht Frankfurt mischte lange unter dem Namen „1. FFC Frankfurt“ den Fußball der Frauen auf, bis 2020 die Fusion mit dem Männer-Bundesligisten erfolgte. Im vergangenen Sommer spielten die Adlerträgerinnen erstmals international, was einen enormen Erfolg für den gesamten Verein darstellte. Jedoch scheiterte das Team bereits in der Champions-League-Qualifikation.

Der FC Bayern München untermauerte zuletzt die eigene Ambition, in naher Zukunft mit Wolfsburg auf Augenhöhe zu konkurrieren. Neben der Europameisterin Georgia Stanway verpflichtete der Klub mit Alexander Straus einen neuen Trainer. Er steht symbolisch für das neue Langzeitprojekt in München. Das Team soll eine klare spielerische Identität bilden, als Vorbild nannte Straus jüngst den FC Barcelona.

Die Frauen-Mannschaft der TSG Hoffenheim wurde 2007 gegründet, der Aufstieg in die Bundesliga erfolgte im Jahr 2013. Zu diesem Zeitpunkt hatten Wolfsburg und Bayern bereits mehrere Titel gewonnen. Die früheren Größen des deutschen Frauen-Fußball, allen voran Turbine Potsdam, beeinflussen das Geschehen in der oberen Tabellenhälfte heute nicht mehr.


Alina Ruprecht ist freie Autorin bei EXPRESS.de und kümmert sich in ihren Kolumnen um das Thema Frauenfußball. Sie ist Mitglied von FRÜF - Frauen reden über Fußball.


Ein Ursache für den fehlenden Wettbewerb in der Frauen-Bundesliga ist die Tatsache, dass sich einige Vereine als reine Ausbildungsstätten sehen. Besonders die SGS Essen hat diese Rolle inne und unterstreicht den eigenen Status gerne, während auch der SC Freiburg schon mehrere Top-Spielerinnen hervorbringen konnte – unter anderem Giulia Gwinn und Klara Bühl. Aus den Reihen der SGS Essen gingen derweil mit Linda Dallmann, Lena Oberdorf und Lea Schüller weitere Nationalspielerinnen hervor.

Beide Vereine konnten ihre Top-Talente jedoch langfristig nicht halten und verloren sie an diejenigen, die bessere Bedingungen bieten konnten. Nach einem ähnlichen Muster verpflichtete der VfL Wolfsburg im Sommer Jule Brand von der TSG Hoffenheim, die als beste Nachwuchsspielerin Europas ausgezeichnet wurde.

Solche Wechsel sind aus sportlicher Sicht nachvollziehbar, da sie den Spielerinnen dazu verhelfen, den nächsten Karriereschritt zu gehen und sich auf hohem Niveau weiter zu entwickeln. Auf der anderen Seite hinterlassen sie geschwächte Vereine, deren Abstand auf die Tabellenspitze durch die Verluste noch größer wird.

Es ist ein Dilemma, an dem alle Klubs ihren Anteil haben. Auf sämtlichen Ebenen sollten daher die Investitionen in die Frauen-Teams deutlich erhöht werden. Dabei gilt es auch, in Zukunft wesentlich mehr finanzielle Unterstützung für die Nachwuchsmannschaften bereitzustellen.

Gerechte Finanzen und nachhaltige Investitionen bleiben nach wie vor ein springender Punkt. Solange einzelne Vereine über deutlich mehr Gelder verfügen als andere, werden die Top-Spiele der Frauen-Bundesliga auch weiterhin nicht das halten können, was sie versprechen. (aru)

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