Die Partie des FC Bayern bei Bayer Leverkusen sorgte für reichlich Diskussionsbedarf. Die strittigen Szenen wurden am Sonntag im Sport1-„Doppelpass“ besprochen – mit unterschiedlichen Meinungen.
Bayern-Szenen im „Doppelpass“Effenberg korrigiert FC-Podcaster: „1:0 für Effe“
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Das Spiel von Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern am 26. Bundesliga-Spieltag hatte strittige Szenen noch und nöcher zu bieten.
Schon während des Spiels regte sich Sky-Experte Patrick Helmes (42) über diverse Entscheidungen auf: seien es die zurückgenommenen Tore von Jonathan Tah und Harry Kane oder der Platzverweis von Luis Diaz.
„Doppelpass“-Diskussionen über Bayer-Bayern-Duell
Bayern-Ikone Uli Hoeneß (74) polterte nach der Partie: „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe.“
Die Partie der beiden Spitzenmannschaften war am Sonntag (15. März 2026) natürlich auch direkt zu Beginn Thema im Sport1-„Doppelpass“ und wurde ebenso intensiv diskutiert.
Zu Gast waren neben Sport1-Experte Stefan Effenberg (57) auch Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes (44), Kommentator Marco Hagemann (49, Dazn und RTL), Moderator Cedric Pick (39, Sky und Magenta; macht u.a. den FC-Podcast „Geschichten aus dem Geißbockheim“) und Journalist Christian Falk (48, „Bild“). Über folgende Szenen wurde diskutiert:
Zurückgenommenes Tor von Jonathan Tah wegen Handspiels (26. Minute): Nach einer Standardsituation und Chaos im Bayer-Strafraum landete der Ball plötzlich im Tor. Die Kameras fingen Torschütze Jonathan Tah ein, der überhaupt nicht jubelte. Weil er schon wusste, was kommt? Dem Innenverteidiger war der Ball nämlich zunächst an den (angelegten) Arm gesprungen, von da aus auf den Fuß und anschließend ins Tor. Dingert und der VAR kassierten den Treffer schließlich ein, da der Arm-Treffer unmittelbar vor dem Tor geschah.
„Das ist die Regel, die kann man gut oder schlecht finden, aber die ist nun mal da. Unmittelbarkeit ist gegeben, deswegen muss der VAR da reingehen und das Tor einkassieren. Ist für den Sport und das Spiel aber auch nicht wirklich erquickend. Was soll Tah den da machen? Er dreht sich weg und macht sich so klein wie möglich“, ordnete Hagemann ein.
Rote Karte gegen Nicolas Jackson (42. Minute): Der Bayern-Stürmer ging im Mittelkreis gegen Leverkusens Martin Terrier und traf ihn mit gestrecktem Bein und den Stollen voll auf dem Sprunggelenk. Dingert zückte trotz guter Sicht zunächst nur Gelb, entschied zusammen mit dem VAR dann aber auf Glattrot.
Hier war sich die „Doppelpass“-Runde komplett einig. Hagemann sagte: „Was ich also problematisch an der Szene finde, dass Christian Dingert erstmal Gelb zieht. Er sieht ja diese Situation, deswegen gibt es auch die persönliche Strafe mit Gelb. Und ich finde, in der Situation muss der Schiedsrichter sofort dieses grobe Foulspiel erkennen und sofort die Rote Karte ziehen und nicht erst dann rausgehen müssen zum TV-Bild.“
Das sah auch Effenberg so: Er hat ja den klaren Blick. Und ich erwarte von einem Top-Schiedsrichter auch in dieser Situation, dass er das nicht erst mit einer Gelben Karte beurteilt, sondern sofort mit einer Roten Karte. Also völlig berechtigt, die Rote Karte. Der Ex-Profi hinterfragte auch das unnötige und übermotivierte Einsteigen Jacksons: „Warum geht Jackson im Mittelkreis so dumm übermotiviert dahin? Die Leverkusener wollten noch einen Rückpass spielen, da bleibe ich weg. Wenn ich Trainer wäre, das würde mich verdammt ärgern.“
Kane-Tor, Diaz-Schwalbe und hohes Bein
Zurückgenommenes Tor von Harry Kane wegen Handspiels (61. Minute): Der Bayern-Stürmer wurde noch nicht einmal eine Minute vorher eingewechselt. Einen Befreiungsschlag von Leverkusen-Keeper Jannis Blaswich blockte der eingesprungene Engländer, der sich zudem auch noch wegdrehte, mit dem angelegten Arm. Dingert nahm den Treffer nach Ansicht der Bilder aber zurück.
Hier war die „Doppelpass“-Runde fast durchweg einer Meinung: Das Tor hätte zählen müssen. Effenberg sagte stellvertretend: „Für mich ist das kein Handspiel, weil ich sehe da keine Verbreiterung der Körperfläche durch den Arm. Der geht weder raus, er springt seitlich mit angelegten Armen, er wird angeschossen. Also für mich hätte das Tor eigentlich zählen können. Ich hätte weiterlaufen lassen.“ Zumal die Leverkusener laut Effenberg in der Szene zweimal die Chance gehabt hätten, die Situation selber zu klären.
Lediglich Simon Rolfes sah es anders: „Bei der Diskussion hätte mich interessiert, wenn ein Abwehrspieler von uns im eigenen Sechzehner so reingesprungen wäre und ein Bayern-Spieler hätte geschossen, wie dann die Perspektive auf die Situation gewesen wäre.“ Für Rolfes war die Handspiel-Entscheidung von Dingert richtig.
Gelbe Karte gegen Luis Diaz nach hohem Bein gegen Garcia (74. Minute): Die Bayern hatten den Ball gerade hoch aus dem eigenen Strafraum geklärt, Diaz fokussierte das Spielgerät, drehte sich um die eigene Achse und versuchte, den Ball mit einem ganz hohen Bein anzunehmen. Was der Ex-Liverpooler nicht gesehen hatte: Bayer-Profi Garcia hatte zum Kopfball angesetzt und Diaz traf ihn mit den Stollen am Kopf. Dingert zeigte Gelb, der VAR kassierte die Entscheidung nicht ein, entschied nicht auf Glattrot.
„Ich muss ehrlich sagen, dass ich im Spiel, und der vierte Offizielle hat mit mir auch kurz gesprochen, habe ich auch Gelb gesehen. Wenn man das nachher sieht, dann kann man darüber diskutieren: Ist es nur noch ein gefährliches Spiel oder mehr?“, fragte sich Rolfes.
Für Hagemann hätte es in der Situation durchaus Rot geben können: „Luis Dias wird im Augenwinkel Aleix Garcia gesehen haben. Das ist natürlich schon eine Höhe und er bleibt da ein bisschen drauf, also er unterbricht seine Handlung ja nicht. Also da kann man sich übrigens auch nicht beschweren, wenn es dafür Rot geben würde. Da hatte er auch ein bisschen Glück.“ Pick sagte ebenfalls: „Es ist zwar keine Muss-Rote, aber zumindest eine Kann-Rote.“
Effenberg war da anderer Meinung: „Ich weiß nicht, ob er den Gegner sieht, weil er ist total fokussiert auf seine Aktion, auf seine Bewegung und auf den Ball. Dann geht er zum Ball. Für mich ist das eine Gelbe Karte und keine Rote Karte.“
Gelb-Rote Karte gegen Diaz wegen Schwalbe (84. Minute): Nur zehn Minuten nach seiner Gelben sah Diaz die Gelb-Rote Karte wegen Schwalbe. Der Kolumbianer war im Strafraum zu Fall gekommen, als er an Blaswich vorbei wollte. Dingert zückte sofort die Ampelkarte.
Cedric Pick stellte sich zunächst auf die Seite des Schiedsrichters und stellte Schwalben grundsätzlich an den Pranger. Aber Effenberg hatte die Szene genau analysiert und widersprach dem Sky- und Magenta-Mann.
„In dieser Einstellung sieht man das sehr gut, dass er sich eigentlich ein bisschen selber foult, dadurch das Gleichgewicht verliert und dann kommt der Kontakt mit Blaswich.“ In der Tat trat sich Diaz einen Schritt vorher selber in die Hacken, wodurch er ins Straucheln und zu Fall kam und währenddessen noch einen ganz leichten Kontakt mit Blaswich hatte. Effenberg weiter: „In dieser Szene hätte ich entschieden auf Abstoß für Leverkusen, keine Gelb-Rote Karte und das Spiel geht weiter. Das war definitiv keine Schwalbe.“
Mit dem Effenberg-Hinweis und einem weiteren Blick auf die Szene sagte dann auch Pick: „Ja, stimmt. Da hat er sich selber nochmal berührt. Da hast du absolut recht. 1:0 für Effe.“ Schiedsrichter Dingert hatte die Szene nach der Partie auch selber nochmal bewertet und einen Fehler eingeräumt.
Zurückgenommenes Tor von Jonas Hofmann wegen Handspiels (90.+3 Minute): In doppelter Überzahl drückte Leverkusen in den letzten Minuten nochmal stark auf das 2:1. Das fiel dann auch nach einer Standardsituation durch Hofmann, der Jubel war riesig. Aber der Joker stand zuvor hauchzart im Abseits.
Das räumte auch Rolfes ein: „Es war wahnsinnig eng. Die paar Zentimeter, die es dann vielleicht ausgemacht hat ... Ja, ist es abseits oder nicht? Wenn wir diese Technologie haben, dann ist es eben abseits. Ich hätte gerne das Tor gehabt ...“



