Druck auf Löw wird größer Schweinsteiger und Özil fordern Weltmeister-Rückkehr

Löw-Boateng

Joachim Löw schaute dem chaotischen Treiben seiner Mannschaft in Sevilla oft fassungslos zu.

Sevilla – Das 0:6-Fiasko von Sevilla wird natürlich Konsequenzen haben. Ist Joachim Löw (60) noch der richtige Bundestrainer für die Nationalmannschaft? „Ob ich mir um meinen Job Sorgen machen muss, müssen Sie andere fragen“, sagte Löw auf der Pressekonferenz in Spanien.

Während der Coach auf dem Podium nach Worten rang, setzte Mesut Özil (32) eine brisante Nachricht bei Twitter ab. „Zeit, Jerome Boateng zurückzuholen“, schrieb der Weltmeister. Seit der WM-Katastrophe von Russland 2018 und dem anschließenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft hatte Özil jeden Kontakt zu Löw vermieden. Nun schaltet er sich via Twitter in die erhitzte Debatte ein.

Joachim Löw lehnt Rückkehr der Weltmeister weiter ab

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Eine Rückkehr des 2019 aussortierten Jerome Boateng (32) wird es aber vorerst ebenso wenig wie eine Nominierung von Mats Hummels (31) oder von Thomas Müller (31) geben. „Wir werden die Situation zum richtigen Zeitpunkt bewerten. Wir haben aber gesagt, dass wir diesen Spielern das Vertrauen schenken wollen. Dieses ist im Moment nicht völlig erschüttert. Wir müssen die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Diese junge Mannschaft hat die Fähigkeit sich zu entwickeln“, sagte Löw.

Joachim Löw: „Wir vertrauen diesen Spielern“

Trotz der historischen Klatsche will der Coach weiter seinen nominierten Akteuren Möglichkeiten zur Entwicklung geben. „Wir waren auf einem guten Weg. Aber wir sind noch nicht soweit, wie wir geglaubt, gehofft haben. Wir vertrauen diesen Spielern und müssen wieder zurückschlagen. Jetzt gibt es eine längere Pause. Wir sind zurückgeworfen worden. Das ist eine große Enttäuschung. Wir müssen das erstmal so mitnehmen“, sagte Löw.

Boateng-Neuer

Manuel Neuer und Jerome Boateng: Teamkollegen beim FC Bayern wie beim Spiel in Salzburg. Bald auch wieder bei der Nationalmannschaft?

Bastian Schweinsteiger (36) hatte am ARD-Mikro seine liebe Mühe und Not, das Rückhol-Thema zu umschiffen. „Das Spiel war entsetzlich, ein Nackenschlag. Man kann gegen Spanien verlieren, aber nicht so. Was am meisten gefehlt hat, ist, dass man sich nicht gewehrt hat. Das hat sich nicht als Team angefühlt. Die waren uns in allen Belangen überlegen. Gut, dass es jetzt passiert ist. Vielleicht bringt es den einen oder anderen dazu, ein bisschen nachzudenken über die eine oder andere Alternative. Man muss nicht von heute auf morgen alles umwerfen, aber gewisse Fragen muss man sich stellen.“

Bastian Schweinsteiger: „Ich habe eine andere Meinung als der Bundestrainer“

Konkret zu den drei von Löw abservierten Stars sagte „Schweini“: „Der Bundestrainer und sein Team haben eine Meinung dazu, ich persönlich habe leider eine andere. Ich weiß, dass sie gerne für die Nationalmannschaft gespielt haben. Boateng und Müller haben mit Bayern das Triple geholt. Sie spielen bei der besten Mannschaft Europas. Sie haben Qualität. Warum nicht für die Nationalmannschaft?!“

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Bastian Schweinsteiger zeigte im ARD-Studio bei Matthias Opdenhövel seine EM-Wunschelf.

Bei seiner für die ARD aufgelisteten Wunschelf stellte der Weltmeister übrigens Boateng in die Innenverteidigung, Müller ins Mittelfeld und Joshua Kimmich (25) auf die Rechtsverteidiger-Position. „Gerade in solchen Spielen ist es wichtig, solche Spieler auf dem Platz zu haben, die vorangehen, die Erfahrung haben, die Qualität haben“

Der Name Hansi Flick wird weiter diskutiert

Die Debatte wird nicht verstummen. Das weiß auch Oliver Bierhoff (52). Der DFB-Direktor sagte zu der Thematik diplomatisch: „Es ist eine Entscheidung des Trainers, wen er nominiert. Aber ich teile sie und bin den Weg mitgegangen.“ Und schon wurden wieder Erinnerungen an die Aussagen vor der Begegnung wach, als Bierhoff den Weg mit Löw bis zur EM umschrieb. „Das Vertrauen ist da, daran ändert auch dieses Spiel nicht“, sagte der Europameister. Dennoch wird der Name von Bayern-Trainer Hansi Flick (55) im Umfeld der Nationalmannschaft immer lauter diskutiert.

Löw weiß, dass er nun viele Fragen beantworten kann. Und er weiß auch, dass bei der EM keine Ausreden akzeptiert werden. „Es kann nicht unser Ziel sein, dass die EM nur ein Vorbereitungsturnier für die weiteren Turniere ist. Wenn wir ein Turnier angehen, streben wir das Maximale an. Das ist kein Erfahrungsturnier für unsere Spieler.“

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