Deutschland geht in Spanien unter Mega-Debakel! „El Klatschico“ für Jogi Löw

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Fassungslos betrachtete Joachim Löw das Geschehen neben seinem Assistenten Marcus Sorg und Andreas Köpke.

Sevilla – Sie träumten vom Gruppensieg in der Nations League. Doch beim Final-4-Turnier im Oktober 2021 tritt Spanien an, nicht Deutschland. Die Löw-Truppe kassierte in Sevilla „El Klatschico“ – eine 6:0-Packung vom Allerfeinsten. Die höchste Länderspiel-Niederlage seit 89 Jahren (damals 0:6 gegen Österreich) wirft viele Fragen auf. Vor allem nach dem Trainer.

Das achte Länderspiel binnen 75 Tagen wurde zum Alptraum. „Der Gruppensieg wäre ein sehr runder Abschluss dieses Jahres“, hatte Joachim Löw (60) vor dem Anpfiff noch gehofft. Aber was seine Mannschaft dann zeigte, war der Tiefpunkt des Fußball-Jahres. Spanien überrollte die DFB-Elf, das Verhalten der Spieler in den weißen Trikots war eine einzige Peinlichkeit. Nach dieser Katastrophe besteht EM-Alarm der höchsten Stufe.

Joachim Löw rang nach der Partie um Fassung

„Wir sind heute klar zurückgeworfen worden“, sagte Löw. Er rang um Worte und Fassung. „Es war ein rabenschwarzer Tag. Es hat nichts funktioniert. In jeglicher Beziehung war es schlecht.“ Der 60-Jährige vermisste „Körpersprache, Körperspannung, Zweikampfverhalten“. Man müsse nun „die richtigen Schlüsse ziehen“. Aufgeregte Debatten erwarten den Bundestrainer.

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Morata-Tor-Sevilla

Der Anfang vom deutschen Ende: Alvaro Morata kann von Serge Gnabry ungestört zur spanischen Führung einköpfen.

Erst durfte Alvaro Morata – ungestört von Serge Gnabry – das 1:0 einköpfen (17.). Dann schlug Ferran Torres mit einem schönen Volley-Schuss zu (33.). Schließlich köpfte Rodrigo ungestört den Ball zum 3:0 ins deutsche Tor (38.). Eine Leistung zum Vergessen. Der Bundestrainer schaute ungläubig auf den Platz, wirkte seltsam teilnahmslos. Auf der Tribüne grübelten die DFB-Bosse, was dieses Debakel über Löws Arbeit aussagt.

ARD-Experte Bastian Schweinsteiger war fassungslos

ARD-Experte Bastian Schweinsteiger (36) war fassungslos. „Das war nichts. Keine Spannung, keine Körpersprache, keine Aggressivität“, sagte der Weltmeister. „Es hat sich angefühlt wie eine tote Mannschaft. Es tat weh, zuzugucken.“ Löws Angsthasen-Taktik – im 4:3:3-System erst mal zurückziehen und auf Konter lauern – ging komplett nach hinten los.

0:3 zur Pause – das war der höchste Halbzeit-Rückstand in der Ära Löw. Und die dauert schon seit 2006 an. Auch in der zweiten Halbzeit und nach einigen Spielerwechseln wurde nichts besser. Torres legte das 4:0 nach, erneut ohne deutsche Gegenwehr (55.). „Natürlich ist der Trainer dafür verantwortlich“, sagte Schweinsteiger. „Aber ich sehe auch keine Reaktion von den Spielern. Es geht einfach so dahin“. Wie zum Beleg das 5:0 von Torres (71.). Bis zum ersten deutschen Torschuss durch Serge Gnabry dauerte es 77 Minuten – unglaublich. Oyarzabel setzte den Schlusspunkt für die Spanier (88.).

Toni Kroos: „Das tat weh. Spanien hat uns alles vorgemacht.“

Niemand bäumte sich auf, keiner wehrte sich, keine wurde laut. „Das ist nicht meine bitterste Niederlage, aber eine der klarsten. Das tat weh“, sagte Toni Kroos (30) zunächst schnippisch am ARD-Mikro. Dann legte er nach: „Das Problem ist, dass wir defensiv überhaupt keinen Zugriff bekommen haben. Spanien hat uns alles vorgemacht: mit Ball, ohne Ball. Das Spiel müssen wir analysieren. Es ist einiges zu tun.“

Auch Manuel Neuer (34) war fassungslos: „Das war ganz enttäuschend für uns alle, nicht nur für die Defensivspieler. Die Körpersprache war enttäuschend, von allen. Wir hätten mehr sprechen müssen, gerade nach dem ersten Gegentor. Das war in Sachen Führung und Kommunikation zu wenig. Für so ein Spiel gibt es keinen richtigen Zeitpunkt.“

So werden Rufe nach Müller, Hummels und Boateng lauter

Die Fragen, wie lange Löw wirklich noch im Amt bleiben sollte, werden nach dieser Vorstellung nicht geringer. Auch die Rufe nach Routiniers wie Thomas Müller (31), Mats Hummels (31) oder Jerome Boateng (32) werden durch das Fiasko nicht verstummen. Schon im Vorfeld der Partie hatte ausgerechnet DFB-Direktor Oliver Bierhoff (52) den Druck erhöht. Seine Aussage, den Weg, den der Bundestrainer eingeschlagen habe, bis einschließlich der EM mitzugehen, werteten viele als ein absehbares Ende der Rückendeckung für Joachim Löw.

Vor dem Spanien-Spiel bemühte sich Bierhoff noch um warme Worte. „Ich bin von Jogi voll überzeugt und sehe, wie er diese junge Mannschaft wieder auf einen neuen Weg bringt“, sagte er. Doch nach dieser Partie fällt es schwer, daran zu glauben. Schweinsteiger (36) deutete die Bierhoff-Sätze noch anders. „Vielleicht will sich Oliver auch unabhängig von Jogis Entscheidung machen. Es kann ja durchaus sein, dass er nach einem EM-Sieg sagt, dass es das war. Wenn man in der Vorrunde scheitert, wird es eh schwierig“.

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