Beendet Bundestrainer seinen Vertrag vorzeitig? Löw: „Gibt Gespräche nach der EM“

Löw-SEvilla-Alleine

Joachim Löw geht nachdenklich beim Training in Sevilla über den Platz.

Sevilla – Nach einem Länderspiel-Jahr mit vielen Debatten und einigen Rückschlägen winkt zum Abschluss doch noch die Krönung: „Endspiel“ für Deutschland um den Gruppensieg in der Nations League in Spanien (Dienstag, 20.45 Uhr, ARD).

Manuel Neuer: „Gruppensieg in der Nations League würde uns sehr gut tun“

„Es ist für uns ein Finale. So werden wir es angehen“, versicherte Rekordkeeper Manuel Neuer (34) und schob kämpferisch hinterher: „Wir sind gewappnet. Klar, es gab in diesem Jahr Rückschläge und in der Defensive zu viele Gegentore. Aber es ist wichtig, dass wir als neue Mannschaft an diesem Prozess weiter arbeiten.“

Neuer-Trapp-Bierhoff

Manuel Neuer unterhält sich beim Abschlusstraining in Sevilla mit Kevin Trapp und Oliver Bierhoff.

Deutschland reicht ein Unentschieden, um sich für das Finalturnier im Oktober 2021 zu qualifizieren. Auch wenn vielen der Sinn der Nations League nicht einleuchtet, hätte der Gruppensieg für Neuer eine positive Signalwirkung: „Wenn man Erster wird, kann man besser in die Vorbereitung zur EM gehen. Das würde uns sehr gut tun und helfen. Dann wird es vielleicht ein paar kritische Stimmen weniger geben rund um die Nationalmannschaft.“

Doch für den jüngsten Wirbel hatten am Tag vor dem Spanien-Spiel ausgerechnet einige Aussagen von Oliver Bierhoff (52) gesorgt. Der DFB-Direktor hatte noch einmal die Erwartungshaltung hinsichtlich der EM klar gestellt. „Am Ende des Tages müssen wir alle uns an Ergebnissen messen lassen. Das weiß Jogi auch“, sagte Bierhoff der FAZ.

Selbst ein mögliches Ende der Ära Löw im kommenden Sommer schloss der langjährige Weggefährte nicht explizit aus. „Wir müssen nun auch die Stimmung ins Positive drehen. Den Weg, den der Bundestrainer eingeschlagen hat, gehe ich bis einschließlich der EM mit“, sagte Bierhoff. Ein gefährlicher Satz, der bedeutet, dass die Rückendeckung nur noch acht Monate anhält. Löw hat aber noch einen Vertrag als DFB-Chefcoach bis nach der WM 2022.

Joachim Löw: Nach der EM fällt die Entscheidung über seinen Job

Der Bundestrainer musste angesichts der Aussagen kurz grübeln. „Also, ich habe das nicht gelesen. Es ist aber immer so, dass man von Turnier zu Turnier denkt. Nach dem Turnier gibt’s eine Analyse, da wird man sich unterhalten. Ist der Weg der richtige oder muss man einen anderen einschlagen? Das trifft ja schon auf die vielen anderen Turniere in den letzten Jahren zu, dass man sich zurück zieht und Gedanken macht.“

„Mit dem Oliver muss ich darüber zuallerletzt reden. Wir kennen uns in- und auswendig. Wir haben ein super Verhältnis und kommunizieren ständig. Ich kenne seine Meinung und er kennt meine Meinung zu vielen Dingen. Da ist jetzt kein Gesprächsbedarf aufgrund eines Interviews. Es gibt ein großes Vertrauensverhältnis und wir arbeiten schon viele Jahre zusammen. Was er sagt, ist so: Es ist immer von einem Turnier abhängig, wie es weitergeht.“

DFB-Boss Fritz Keller erwartet Halbfinale bei der EM

Nur welches EM-Resultat dazu führen wird, dass Löw seinen Vertrag erfüllen kann, ist noch unklar. Von 2006 bis 2016 schaffte er immer mindestens das Halbfinale bei den Turnieren, 2018 folgte die Russland-Blamage. DFB-Präsident Fritz Keller (63) hatte für die EM bereits das Halbfinale als „Minimalziel“ ausgegeben.

Doch solch eine klare Marke will sich Löw nicht setzen. „Konkrete Zielsetzungen sind jetzt kein Thema für mich“, wehrte der Bundestrainer ab. „Wenn alle Spieler vollzählig und bei Kräften sind, es keiner längeren Ausfälle gibt, dann ist unsere Mannschaft, auch wenn sie relativ unerfahren ist bei Turnieren, absolut gefährlich. Dann wollen wir natürlich möglichst weit kommen. Die Situation kann man dann richtig einschätzen, wenn wir in der Vorbereitung zum Turnier sind“.

Trennung nach der EM immer wahrscheinlicher

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Am Ende kann es, egal bei welchen Abschneiden, zur Trennung kommen. Bei einem erneuten Fiasko muss der Verband reagieren. Und bei einem Triumph könnte Löw den Absprung wagen. Dann hätte er es allen Kritikern noch einmal gezeigt und der Weg für ein frisches Gesicht auf der Trainerbank wäre frei.

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