Zu wenig Sportkompetenz? FC-Vorstand kontert mit neuen Wirtz-Details

Eckhard Sauren spricht bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln.

FC-Vizepräsident Eckhard Sauren bei der Mitgliederversammlung am 17. Juni 2021 in der Lanxess-Arena

Das Präsidium des 1. FC Köln hat sich auf der Mitgliederversammlung gegen Kritik der FC-Mitglieder gewehrt. Dabei haben Präsident Werner Wolf und Vize Eckhard Sauren auch neune Details zum bitteren Abgang von Florian Wirtz zu Bayer Leverkusen bekannt gegeben. 

Köln. Einen Vorwurf bekommt der Vorstand des 1. FC Köln immer zu hören – schon länger, als das Trio überhaupt im Amt ist. Präsident Werner Wolf (64) und seinen Mitstreitern fehle es an sportlicher Kompetenz, bemängeln Kritiker. Vize Eckhard Sauren (49) wehrte sich bei der Mitgliederversammlung (Donnerstag, 17. Juni) einmal mehr dagegen. Mit neuen Details zum Abgang von Florian Wirtz (18) und Seitenhieben gegen die Ex-Sportchefs.

Sauren wartete gar nicht erst bis zu den Fragen der Mitglieder. Der FC-Vizepräsident sprach die ständige Diskussion um mangelnde Sportkompetenz im Vorstand von sich aus während seines Jahresberichts an, erzählte dazu eine Anekdote zu Florian Wirtz. 

Eckhard Sauren über Florian Wirtz: „Das hatte niemand auf dem Schirm“

Der Fonds-Manager erinnerte sich, wie er vor der Wahl 2019 mit Werner Wolf und Jürgen Sieger beim Endspiel um die U17-Meisterschaft in Dortmund live im Stadion dabei gewesen war. Die FC-Talente schnappten dem BVB bekanntlich den Titel weg. Und für Sauren & Co. sei sofort ersichtlich gewesen, dass beim Kölner Team mit Wirtz ein Spieler heraussticht – das habe das Kandidaten-Trio auch ohne aktive Karriere im Profi-Fußball erkennen können.

Sauren weiter: „Deswegen habe ich direkt an meinem dritten Amtstag beim damaligen Sportchef darauf gedrängt, dass das Thema Florian Wirtz mit höchster Priorität vorangetrieben wird.“ Das war damals Armin Veh (60), der während des U17-Endspiels übrigens nicht im Stadion, sondern im Urlaub geweilt hatte.

Veh vertraute bei Wirtz komplett auf die Nachwuchsabteilung, Sauren wurde vertröstet – und das Ergebnis ist bekannt. Wirtz wechselte im Januar 2020 für einen niedrigen sechsstelligen Betrag zu Bayer Leverkusen, ist inzwischen an die 50 Millionen Euro wert. Beim Amtsantritt des Vorstands, der von Jörg Jakobs (50) und Erich Rutemöller (76) beraten wird, war das Kind wohl ohnehin schon längst in den Brunnen gefallen.

Florian Wirtz bei 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen

Florian Wirtz (l.) bei Bayer Leverkusens 4:0-Sieg im Rhein-Energie-Stadion am 16. Dezember 2020. Die Kölner um Salih Özcan (r.) und Elvis Rexhbecaj hatten das Nachsehen.

Sauren: „So weit konnte es nur kommen, weil beim FC Fehler gemacht wurden. Unter anderem, weil der Austausch zwischen sportlicher Leitung und Nachwuchs, freundlich gesagt, verbesserungsfähig war. Florian wollte sehr schnell den nächsten Karriereschritt machen. Das hatte niemand auf dem Schirm.“
Da half auch die jahrzehntelange Bundesliga-Erfahrung von Veh oder Saurens Vize-Vorgänger Toni Schumacher (67) nicht..

Inzwischen kämpft der FC mit einer längerfristigen Kaderplanung und frühzeitigen Vertragsverlängerungen gegen den Verlust weiterer Top-Talente.

Gremien des 1. FC Köln machten Friedhelm Funkels Rettungsmission möglich

Ein anderes, in den vergangenen Wochen heftig diskutiertes Thema: der fehlende Vorstands-Kontakt zu Trainer Friedhelm Funkel (67). Dieser hatte nach dem Klassenerhalt zudem die Gremien-Struktur des FC kritisiert.

Doch Sauren verriet bei der Mitgliederversammlung: „Ohne den Gemeinsamen Ausschuss, ohne diese Gremien hätte Friedhelm Funkel nie die Möglichkeit bekommen, diese Gremien hinterher zu kritisieren.“

Hintergrund: Heldts A-Lösung als Nachfolger von Markus Gisdol (51) war eigentlich Thorsten Fink (53) und nicht Funkel gewesen. Fink fiel im Gemeinsamen Ausschuss allerdings durch.

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