„Dann verabschieden wir uns von dem Spieler“ 14 FC-Verträge laufen aus: Bosse basteln neues Gehaltsgefüge

Die Profis des 1. FC Köln feiern nach dem Auswärtssieg in Augsburg am 30. April 2022

Die Profis des 1. FC Köln nach dem Auswärtssieg in Augsburg am 30. April 2022. 14 Verträge laufen 2023 aus, darunter die von Timo Horn (l.), Anthony Modeste (3.v.l.) und Jonas Hector (r.)

Finanzboss Philipp Türoff im Interview über die Gehaltsstruktur beim 1. FC Köln, Steffen Baumgarts Vertragsverlängerung und neue Corona-Einschränkungen. 

Seit 1. Januar 2022 führt Philipp Türoff (46) die Geschäfte am Geißbockheim. Im zweiten Teil des großen EXPRESS.de-Interviews spricht der neue kaufmännische Boss des 1. FC Köln unter anderem über die vielen auslaufenden Spieler-Verträge, Trainer Steffen Baumgart und den Geißbockheim-Ausbau.

Neben notwendigen Transfer-Einnahmen hat Ihr Geschäftsführer-Kollege Christian Keller auch eine Etat-Kürzung um rund 20 Prozent angekündigt. Ist das realistisch?

Türoff: Diese 20 Prozent sind eine Orientierungsgröße. Bei einem schwer kalkulierbaren Transfermarkt ist es nicht möglich, ganz konkret vorherzusagen, welchen Betrag man wirklich einsparen kann. Wir versuchen, 20 Prozent zu erreichen – wichtig ist aber, dass wir in unserer mittelfristigen Planung Kurs halten. Die Bereinigung der Gehaltsstruktur hat in der vergangenen Saison schon angefangen und bereits einen hohen einstelligen Millionenbetrag gekostet. Wenn wir irgendwann hohe Altverträge nicht mehr zahlen müssen, wird uns das helfen.

Philipp Türoff: 1. FC Köln kann 2023 sein Gehaltsgefüge „neu einstellen“

Im nächsten Sommer laufen Stand jetzt 14 Verträge aus, darunter viele Top-Verdiener. Wird 2023 daher zu einem ganz entscheidenden Jahr für die FC-Zukunft?

Türoff: Für uns Manager ist der Sommer 2023 ein Punkt, an dem wir unser Gehaltsgefüge – gerade was die Top-Verdiener betrifft – neu einstellen können. Dann lässt sich ein Gefüge bauen, was für Glaubwürdigkeit sorgt. Einen neuen Leistungsträger zu holen, ihm aber nur zwei Drittel der jetzigen zu zahlen, ist einfach unglaubwürdig. Es ergibt sich eine extrem große Handlungsfähigkeit, der Etat lässt sich neu verteilen – das hat eine bestimmte Magie. Und bei den Spielern, die wir behalten wollen, liegt es in unserer Hand, zu welchen Konditionen das geschieht.

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Im Wettbieten mit anderen Klubs kann der FC mittelfristig wohl kaum bestehen.

Türoff: Wir sind dennoch davon überzeugt, dass wir mit unserem Weg auch weiterhin Spieler überzeugen können. Das hat jetzt schon geklappt, denn unsere neuen Spieler haben nicht zum teuersten Gehalt unterschrieben. Das ist wiederum die Magie des 1. FC Köln – und auch ein Weg, um den Klub zu sanieren. Wenn die Premier League oder ein entsprechendes Gehalt ruft, müssen wir nicht mehr über Schmerzgrenzen reden. Dann verabschieden wir uns von dem Spieler und versuchen gar nicht erst, finanziell mitzuhalten. Es kann doch auch geil für einen Spieler sein, zu sagen: Ich genieße es, hier zwei Jahre in Müngersdorf vor diesen Fans zu spielen, und wenn der große Scheck von anderen Vereinen kommt, ist der Klub gesprächsbereit.

Der Begriff Gehaltsobergrenze wurde in den vergangenen Monaten immer wieder im Zusammenhang mit dem FC genannt. Spielt so eine Grenze eine Rolle, wenn Sie ein neues Gehaltsgefüge schaffen?

Türoff: Es wird nie ein absolutes Maximal-Gehalt geben. Es geht uns nicht darum, Leistungsträger schlecht zu bezahlen. Wir werden unsere Leistungsträger auch weiter sehr gut bezahlen. Aber wir werden künftig insgesamt fairer und nachvollziehbarer bezahlen. Ich bin froh, wenn die Spieler am meisten verdienen, die am besten performen.

Türoff: „1. FC Köln würde eine weitere Corona-Saison überleben, aber...“

Mit Steffen Baumgart soll sich der Klub über eine vorzeitige Vertragsverlängerung einig sein. Mussten Sie sich bei den Gesprächen finanziell an die Schmerzgrenze bewegen?

Türoff: Jede Verhandlung kommt nur zu einem Ergebnis, wenn man Schmerzgrenzen definiert. Jede, das hat nichts mit Steffen Baumgart zu tun. Die geplante Vertragsverlängerung mit ihm ist eher ein einfaches Szenario, weil er tolle Arbeit geleistet hat, es keine Verstimmungen gibt, er super zu uns passt und beide Seiten willens sind, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Dieser Mix wird dazu führen, dass für alle Beteiligten das Richtige rauskommt.

In sechs Wochen beginnt die Bundesliga-Saison. Wie sieht Ihre Zuschauer-Planung aus? Kalkulieren Sie mit Volllast oder neuen Corona-Einschränkungen?

Türoff: Wir haben eine Nicht-Corona-Planung aufgestellt, die auf einem gesunden Pfad liegt, an den wir Stand jetzt glauben. Natürlich müssen wir pessimistische Szenarien mitdenken. Dann müssten wir wieder in den Überlebensmodus umschalten. In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es eine Unsicherheit, was im Herbst passiert. Ich würde sagen, es kann ganz leicht passieren, dass neue Einschnitte auf uns warten, mit einer absoluten Vollkatastrophe rechne ich aber nicht.

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Würde der FC neue Geisterspiele überhaupt überleben?

Türoff: Der FC würde eine weitere Corona-Saison überleben, aber es würde uns auf unserem eingeschlagenen Weg massiv beeinträchtigen, wenn uns die Pandemie wieder reinregnet. Dann könnte von Gesundung keine Rede mehr sein, über so viel Zauberei verfügen wir in den kühnsten Träumen nicht.

Ein Dauerthema ist der seit Jahren geplante Geißbockheim-Ausbau. Aus der Politik heißt es, dass Marsdorf als Alternative wieder eine ernsthafte Option ist. Wie ist der aktuelle Stand?

Türoff: Wir fühlen uns am Geißbockheim wohl und die Ausbau-Pläne hier vor Ort sind weiterhin unsere Präferenz. Uns in die ganze Stadt zu zersplittern, fühlt sich nicht richtig an. Doch natürlich müssen wir lösungsorientiert sein. Wenn man sich sieben Jahre lang keinen Millimeter bewegt hat, ergibt es keinen Sinn, weiterhin dieselbe Geschichte zu erzählen, um auch nach zehn oder 15 Jahren nicht von der Stelle zu kommen. Wir versuchen, in alle Richtungen offen zu denken, um eine Variante zu finden, die uns nachhaltig besser macht. Mit dieser Haltung gucken wir sowohl nach Bocklemünd als auch nach Marsdorf. Es müssen endlich konkrete Optionen herauskommen. Im Moment sind die Gespräche sehr konstruktiv und partnerschaftlich. Ich glaube, als neue Geschäftsführung haben wir die Chance, das Thema frisch und ohne verbrannte Erde anzugehen. Es gibt allerdings noch keine Lösung, bei der allen Fragen geklärt sind und der FC seine Antworten gefunden hat.

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