Ihr größter Erfolg ist vier Jahrzehnte her – aber ihre Wut ist frischer denn je.
„Neue Männer braucht die Welt“NDW-Ikone Ina Deter ist zurück – mit Wut und neuem Song.

Copyright: Jens Kalaene/dpa
Ina Deter prägte damals die 1980er.
NDW-Legende Ina Deter (79) ist wieder da – und hat eine zornige Nachricht: „Neue Männer braucht die Welt“. In den 80er-Jahren landete sie mit „Neue Männer braucht das Land“ einen echten Kracher. Dass ihr Lied auch heute noch so relevant ist, erstaunt die heute 79-jährige Künstlerin. Nun gibt sie nach einer 17-jährigen Unterbrechung ihr Comeback. Ihr neuer Song heißt „Wenn wir nicht brennen“ und transportiert eine deutliche, aber auch ernüchternde Erkenntnis: Die Fortschritte sind minimal.
Übergriffe auf Frauen sind ein globales Problem, nicht nur ein deutsches, stellt Deter fest, wie die „dpa“ berichtet. Diese Tatsache macht sie zornig, denn ihre Erwartungen waren größer. Wenn sie das Lied heutzutage verfassen würde, erklärt sie, würde der Titel nicht „Neue Männer braucht das Land“ lauten, sondern „Neue Männer braucht die Welt“.
„Ich sprüh's auf jede Häuserwand“
Natürlich existieren gesellschaftliche Entwicklungen, meint sie. „Ich hätte mir zum Beispiel nie träumen lassen, dass ich einen Mann sehen würde, der - das Baby vorn auf den Bauch geschnallt - an der Supermarktkasse steht und ein paar Pampers aufs Fließband legt“, sagt sie. „Aber das Gegenteil, das ist so erschreckend.“
Der Anfang ihres bekannten Songs aus dem Jahr 1982 lautet: „Ich sprüh's auf jede Häuserwand. Ich such' den schönsten Mann im Land.“ Aber neben Briefen von Anhängern erhält sie auch heute noch feindselige Botschaften, wie ihr Produzent und ehemaliger Bassist Micki Meuser berichtet. Die zwei arbeiten seit 1977 zusammen und verstehen sich blind.
Ina Deters Zeit in Köln und der Kampf für Frauenrechte
Ihre musikalische Laufbahn startete zeitig in einer reinen Mädchen-Band, bevor sie als Grafikerin nach Köln zog. In der Domstadt setzte sie sich für die Frauenbewegung und gegen das Verbot von Abtreibungen ein. Meuser erzählt von Auftritten, die ausschließlich für weibliches Publikum gedacht waren, wo seine Anwesenheit als Mann zu Debatten führte.
Ina machte ihre Position jedoch stets unmissverständlich klar: „Also ohne den Mann da vorne spiele ich nicht.“ Anschließend entwickelten sich daraus häufig die besten Auftritte, erfüllt von einer besonderen Wärme. Ihr musikalischer Stil hat den Klang der Neuen Deutschen Welle (NDW) maßgeblich beeinflusst.
Rückzug aus dem Rampenlicht
Deter, die eine Krebserkrankung besiegte, wohnt nach langer Zeit in Köln und Aachen nun wieder in Berlin, wo sie geboren wurde. Sie mied für eine lange Periode das Rampenlicht. Ein Smartphone besitzt sie, verzichtet in ihren eigenen vier Wänden aber auf einen Internetanschluss und einen Computer. Nach ihrer Krankheit war ihr die Belastung durch E-Mails und einen vollen Anrufbeantworter einfach zu hoch.
Und welche Parole würde sie heute an eine Hauswand malen? „Neue Männer braucht die Welt“, antwortet sie. „Aber sowas von überzeugt.“ Sie hofft auf mehr Proteste in der Öffentlichkeit und äußert sich deutlich zu Influencerinnen: „Da bin ich ganz der Meinung von Iris Berben: Sie sollten mal ihren Kopf ein bisschen mehr benutzen als ihren Hintern zur Schau zu stellen.“ (red)
Ausschließlich im Kollektiv, so ihre Erfahrung, entwickelt sich eine Stärke, die einen stützt. „Wenn du auf der Straße bist und du trägst das Frauenzeichen hier und hast Plakate vor dir ‚Der Paragraf 218 muss weg, mein Bauch gehört mir!‘, dann ist das eine ungeheure Kraft“, erklärt Deter. „Ich kriege schon wieder eine Gänsehaut.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
