Putin verstärkt seinen Lauschangriff auf die NATO: Praktisch nebenan errichtet der Kreml gigantische Radaranlagen.
Satellitenbilder zeigen XXL-KomplexePutin errichtet gigantische Anlagen an der NATO-Grenze

Copyright: Copernicus Sentinel-2, Daten Mai 2026, verarbeitet von ESA, Copernicus Data Space Ecosystem
Satellitenbilder zeigen eine Radaranlage in der Oblast Kaliningrad: Sie hat einen Durchmesser von rund 1,6 Kilometern.
Im Ostseeraum und auch im Norden Europas spitzt sich die Situation seit Jahren zu. Immer wieder provozieren russische Militärjets nahe der Luftraumgrenze der NATO, gleichzeitig spähen Drohnen sowie Handelsschiffe wichtige Anlagen aus.
Eine deutliche Warnung kam jüngst von Vizeadmiral Axel Deertz, dem Chef der deutschen Marine. Er sprach beim Kiel International Seapower Symposium Ende der Woche von einer wachsenden „Aggressivität im Ostseeraum“. Bei diesem Treffen diskutieren die Bündnispartner, wie der Schutz für Europas nördliche Grenze verbessert werden kann.
Währenddessen wird die russische Exklave Kaliningrad vom Kreml zu einer gewaltigen Festungsanlage im Herzen Europas umgebaut. Wladimir Putin nennt diese Region seinen „Außenposten im Westen“. Russland nutzt den Standort nicht nur für Soldaten und Waffen, sondern auch für Spionageaktivitäten mit neuester Technologie.
Gigantische Lausch-Anlagen spähen die NATO aus
Neueste Aufnahmen aus dem All decken die Errichtung eines neuartigen „Container-Radars“ in der Region Kaliningrad auf. Diese moderne Form der russischen Radartechnik ist in der Lage, Hyperschallraketen sowie Marschflugkörper in einer Entfernung von 3000 Kilometern zu erfassen, und ermöglicht einen Blick praktisch „hinter den Horizont“. Russland wäre damit fähig, den Luftraum über Gebieten bis nach Island, Spanien und sogar Tunesien zu kontrollieren, kann etwa Starts von Kampfflugzeugen erfassen.
Satellitenbilder dokumentieren das gigantische Bauprojekt zwischen Litauen und Polen, wo die charakteristische Anordnung von rot-weißen Masten entlang dreier Achsen zu sehen ist.
Der Aufbau des Senders wirkt bereits sehr fortgeschritten, obwohl von den üblichen rund 150 Antennen für derartige Systeme noch nicht alle montiert wurden. In den Regionen Amur und Mordwinien unterhält Russland schon zwei vergleichbare Radaranlagen. Ziel sei laut der russischen Nachrichtenagentur TASS ein geschlossenes Radarsystem entlang der russischen Grenzen. Das Land plant dafür vergleichbare Stationen auch in der Arktis.
Radar kann noch in 8000 Kilometern Ziele in der Größe eines „Fußballs“ erkennen
Ergänzt werden die gigantischen Antennensysteme von sogenannten Woronesch-Radargeräten. Diese Radartürme, die an strategisch bedeutenden Orten wie Murmansk, St. Petersburg und eben Kaliningrad stehen, sind Frühwarnsysteme. Auch sie ermöglichen die Luftraumüberwachung vor Angriffen mit ballistischen Raketen und die Überwachung von Flugzeugen über Tausende Kilometer hinweg.

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Blick auf die Anlage eines Woronesch-Radars in der Region Kaliningrad.
Der Typ, der in Kaliningrad gebaut wurde (Woronesch-DM), kann noch in einer Entfernung von 8000 Kilometern Ziele in der Größe eines Fußballs erkennen.
Ein weiterer gigantischer Antennenkomplex ist nahe der östlichen Grenze Polens zu finden, nur rund 25 Kilometer entfernt. Die Anlage wurde von Analysten des Projekts „Tochnyi“ bewertet. Aufgrund ihrer gigantischen Ausmaße erregte die Anlage früh die Aufmerksamkeit der Experten: Die sogenannte Circularly Disposed Antenna Array (CDAA), auch Wullenweber-Antenne genannt, ist mit 1,6 Kilometern Durchmesser die größte ihrer Art.

Copyright: Copernicus Sentinel-2, Daten Mai 2026, verarbeitet von ESA, Copernicus Data Space Ecosystem
Tief in einem dichten Wald in Kaliningrad, nur 25 Kilometer von der polnischen Ostgrenze entfernt, befindet sich diese kreisrunde Radaranlage.
Die Anlage kann Funksignale aus allen Richtungen gleichzeitig erfassen, deren Position bestimmen und sogar über Tausende Kilometer hinweg abfangen – bis zu 7400 Kilometer. Eine Überwachung über Kontinente hinweg ist damit möglich. Die Anlagen dienen dem Militär oder dem Geheimdienst, ermöglichen neben elektronischer Überwachung auch U-Boot-Kommunikation.
Eine Zeitreihe von Sentinel-2-Satellitenbildern zeigt, wie die Arbeiten im Frühjahr 2023 mit der Rodung des Waldes und dem Bau einer Zufahrtsstraße begannen. Die Arbeiten schritten voran, bis die Anlage im Juli 2025 bereits über sechs konzentrische Antennenringe, einen Sicherheitszaun mit Kontrollpunkt und Straßen verfügte.
Durch seine Lage ist es laut „Tochnyi“ perfekt positioniert. „Eine solche Anlage ermöglicht es Russland, die elektronische Kommunikation der NATO in Osteuropa und im Baltikum zu überwachen.“ Die Anlage sei ein wichtiger Knotenpunkt im stark militarisierten Kaliningrad.
Überwachung zur See
Moskau verstärkt seine Aktivitäten ebenso auf See. So ist etwa das Spionageschiff „Jantar“, das offiziell als Forschungsschiff deklariert ist, im Einsatz. Experten gehen davon aus, dass die Jantar wichtige westliche Anlagen wie Pipelines und Unterseekabel in Ost- und Nordsee ausspioniert.
Seit 2016 entsteht in einer Kaliningrader Werft mit der „Almaz“ (was „Diamant“ bedeutet) ein Schwesterschiff. Kürzlich wurden die Bauarbeiten beschleunigt, und die Fertigstellung ist bis zum Jahresende vorgesehen.
In Europa kommt es seit Jahren zudem vermehrt zu Ausfällen von Navigationssignalen bei Flugzeugen und Schiffen, vor allem im Ostseeraum nahe der russischen Grenze.
Wissenschaftler haben belegt, dass Störsignale, auch Jamming genannt, die empfindlichen Funksignale der Ortungssatelliten überdecken. Das Resultat: Geräte in Schiffen oder Flugzeugen können ihre Position nicht mehr bestimmen. Als Ursprung dieser Störungen wurde eine kleine Einrichtung unmittelbar am Kaliningrader Ostseeufer identifiziert. (mg)

