Moskaus neue Spionage-Taktik: Billige „Wegwerf-Agenten“ sollen in Deutschland Sabotage und Angriffe vorbereiten.
Putins billige SpioneGeneralbundesanwalt warnt vor Sabotage und Angriffen in Deutschland

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Die Bundesanwaltschaft warnt vor russischen Hilfsagenten. (Archvibild)
In Deutschland gehen den Behörden immer wieder mutmaßliche Spione ins Netz, die für den russischen Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Laut Generalbundesanwalt Jens Rommel verdichten sich in den Ermittlungen die Hinweise auf eine neue Strategie Moskaus. Russland setzt anscheinend vor allem auf kostengünstige und ungeschulte Helfer, wie Rommel in Karlsruhe am Montagabend äußerte. Der Vorteil für den Kreml: Werden sie geschnappt, können sie so gut wie nichts über die Strukturen des Geheimdienstes verraten.
Bei dem jährlichen Presseempfang seiner Behörde wurde Rommel noch deutlicher: „Es sollen im Übrigen nicht bloß Informationen im deutschen Staatsgebiet eingeholt werden“. Die Aktionen hätten einen viel gefährlicheren Zweck. „Vielmehr dürften Aktionen in der Regel zur Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Maßnahmen dienen - namentlich Sabotage oder womöglich sogar Angriffe auf ausgespähte Zielpersonen.“ Das Hauptziel scheint dabei häufig zu sein, die deutsche Hilfe für die Ukraine zu schwächen.
Pro-russische Aktivistin im Visier: Drähte zur Bundeswehr?
Deutsche Ermittler sehen eine klare Linie, die häufig nach Russland weist. Ein Beispiel: Im Januar klickten in Berlin die Handschellen. Die Bundesanwaltschaft nahm eine pro-russische Aktivistin wegen des Verdachts der Spionage fest. Die Anschuldigung lautet: Die Frau mit deutscher und ukrainischer Staatsbürgerschaft soll für einen Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes in der dortigen Botschaft gearbeitet haben. Ihre Aufgabe sei es gewesen, Informationen zu sammeln und ihm beim Knüpfen von Kontakten zu assistieren.
Die Bundesanwaltschaft teilte damals mit, die Frau habe Informationen über Personen bei „hochkarätigen politischen Veranstaltungen“ zusammengetragen. Außerdem habe sie sich nach Standorten der Rüstungsbranche, Tests von Drohnen und geplanten Lieferungen von Drohnen an die Ukraine erkundigt. Was die Sache besonders heikel macht: Sie soll dafür frühere Bundeswehr-Soldaten kontaktiert haben, mit denen sie persönlich bekannt war.
Ukraine-Helfer im Fadenkreuz der Spione
Im laufenden Jahr 2026 gab es bereits vier weitere Festnahmen, die die Bundesanwaltschaft angeordnet hat. Es geht um mutmaßliche Agenten für Russland, die vorwiegend Daten mit Bezug zum Ukraine-Krieg gesammelt haben sollen. So sollen laut Behördenangaben eine Frau aus Rumänien und ein Mann aus der Ukraine für einen russischen Dienst eine Person observiert haben. Diese Person lieferte von deutschem Boden aus Drohnen und Ersatzteile in die Ukraine.
Wenig später schnappten die Ermittler einen Ukrainer. Er steht im Verdacht, für Moskau einen ehemaligen Kämpfer der ukrainischen Armee ausspioniert zu haben, der in Deutschland lebt. Dann, Ende April, die nächste Festnahme: Ein Mann aus Kasachstan wurde verhaftet. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass er Informationen über Deutschlands Militärhilfe für die Ukraine sowie über die hiesige Rüstungs- und Verteidigungsbranche weiterleitete.
Die Zahlen zeigen eine beunruhigende Entwicklung. Im gesamten Jahr 2025 eröffnete die Bundesanwaltschaft vier Ermittlungsverfahren wegen Spionage- und Sabotageaktivitäten. Das ging aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im März hervor. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 16 Verfahren mit 24 Beschuldigten. Mit Stand vom 1. März 2026 liefen bei der Bundesanwaltschaft bereits 20 solcher Verfahren gegen 23 Personen. Und die Dunkelziffer könnte noch höher sein: Die Regierung betonte, dass verdeckte Ermittlungen in dieser Statistik gar nicht auftauchen.
Erst Spionage, dann Sabotage
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) schlägt Alarm. Der Krieg gegen die Ukraine habe „wie ein Katalysator auf die Tätigkeiten der russischen Nachrichtendienste gewirkt“, heißt es von der Behörde. Der Kreml nehme dabei nicht nur Politik und Verwaltung ins Visier, sondern vor allem militärische Anlagen und die kritische Infrastruktur. „Insbesondere seit dem Jahr 2024 geht die Spionageabwehr einer Reihe von ungeklärten Vorfällen nach, die möglicherweise im Zusammenhang mit Sabotagehandlungen im russischen Auftrag stehen“, so das BfV.
Ein erfolgreicher Sabotageangriff erfordert eine lange Vorbereitung, die typischerweise mit Spionage beginnt. Das BfV erläutert die Methode: „Durch Beobachtungen von außen, Informanten im Zielobjekt oder einen Cyberangriff sammeln Angreifer Informationen“. Eine neue Entwicklung sei die Nutzung von sogenannten Proxys. Das sind Personen, die für einen Geheimdienst arbeiten, aber nicht offiziell dazugehören. Sie werden beispielsweise über Social-Media-Plattformen oder Messenger-Apps rekrutiert und gelenkt.
Härtere Strafen gegen „Wegwerf-Agenten“
Ein konkretes Beispiel landete um die Jahreswende vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft klagte drei Ukrainer an. Sie sollen für Russland Pakete von Deutschland aus auf den Weg in die Ukraine geschickt haben, die mit GPS-Sendern präpariert waren. Das Ziel: Transportrouten und Logistikprozesse ausspionieren. So lautet der Vorwurf von Deutschlands höchster Anklagebehörde, der am Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt wird. Der Plan war perfide: Später sollten Pakete mit Brandsätzen folgen, die während des Transports Feuer fangen und größtmöglichen Schaden anrichten sollten.

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Am Oberlandesgericht Stuttgart sind drei Ukrainer angeklagt. (Archivbild)
Im Januar wurden die Strafen für diese sogenannten „Wegwerf-Agenten“ erhöht. Damit sind Helfer gemeint, die keine Geheimdienstausbildung haben. Sie werden oft über soziale Netzwerke rekrutiert und richten für kleines Geld im Namen fremder Staaten Schaden an. Ein neuer Paragraph im Strafgesetzbuch stellt die „Ausübung fremder Einflussnahme und darauf gerichtete Agententätigkeit“ nun klar unter Strafe. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Nicht nur Russland: Auch China und Iran spionieren
Aber nicht nur Moskau hat Deutschland im Visier. Auch andere Staaten sollen hierzulande Agenten im Einsatz haben. So ließ die Bundesanwaltschaft im Mai ein Ehepaar verhaften. Der Vorwurf: Sie sollen für einen chinesischen Dienst an deutschen Universitäten Wissenschaftsspionage betrieben haben. Wenig später folgte eine Anklage der Behörde gegen einen mutmaßlichen iranischen Spion. Dieser soll Juden und Israel-Freunde für mögliche Mord- und Brandanschläge ausspioniert haben. Unter den Zielen: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie Volker Beck von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Als Deutschlands höchste Strafverfolgungsbehörde ist die Bundesanwaltschaft hauptsächlich für Terrorismus, Spionage und das Völkerstrafrecht verantwortlich. Generalbundesanwalt Rommel leitet diese wichtige Behörde seit März 2024. (dpa/red)
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