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Der große Renten-SchockMalochen bis zum Umfallen? Das sind die Pläne

Passanten in der Innenstadt

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Mit dem Rentenkonzept der Fachleute wird klarer, wer künftig welche Bezüge und Beiträge zu erwarten hat. (Archivfoto)

Renten-Hammer! Ein neuer Plan sieht vor: Arbeiten bis 68, höhere Beiträge und eine Rente, die an der Börse hängt.

Ein Leben lang malocht und am Ende reicht's nicht? Ein neuer Renten-Plan sorgt für gewaltig Zündstoff. Für Millionen Deutsche könnten harte Einschnitte kommen: später in den Ruhestand, höhere Abgaben und eine Rente, die teils an der Börse hängt.

Künftig sollen die Renten steigen, aber der Preis dafür ist hoch: höhere Abgaben, mehr Beitragszahler und ein späterer Renteneintritt. Das geht aus 30 Vorschlägen hervor, die eine Rentenkommission erarbeitet hat. Nach fünfeinhalb Monaten Arbeit will das Gremium die Pläne am Dienstag an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) aushändigen. Darüber haben auch diverse andere Medien berichtet. Durch eine neuartige Kapitalrente könnte das Rentenniveau sogar etwas ansteigen.

Arbeiten bis zum Umfallen? Das Rentenalter steigt

Hinter dem Plan steckt eine Regierungskommission, geleitet von der Verwaltungsexpertin Constanze Janda und dem früheren Chef der Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise. Laut dpa-Informationen aus Teilnehmerkreisen saß die Gruppe rund 150 Stunden zusammen. Über die Resultate herrschte anscheinend weitgehend Einigkeit. Genau das wünschte sich die Koalition, um die Chancen für eine Umsetzung zu verbessern.

Das Gremium kommt an diesem Montag zu einer finalen Sitzung zusammen. Der Auftrag lautet, den Lebensstandard im Alter zu sichern, besonders für Menschen mit geringen und mittleren Gehältern, und zwar durch die gesetzliche, betriebliche sowie private Vorsorge.

Das Alter für den Renteneintritt soll an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Nach den Kalkulationen der Kommission hieße das: Arbeitnehmer könnten 2041 erst mit 67,5 Jahren und im Jahr 2051 sogar erst mit 68 in den Ruhestand. Diese Kalkulation soll in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Gestrichen werden soll laut den Vorschlägen auch der vorzeitige Rentenbeginn ohne Abzüge nach 45 Versicherungsjahren, besser bekannt als die „Rente mit 63“. Es ist jedoch eine neue Regel für Personen mit anstrengenden Berufsleben geplant, die kurz vor der Rente stehen.

Heftige Kritik kommt von der Rentenexpertin der Linken, Sarah Vollath. Sie monierte in der „Rheinischen Post“: „Schon heute schaffen es viele Menschen nicht, bis 67 zu arbeiten. Jetzt will die Rentenkommission das Arbeitsleben noch weiter verlängern.“

Zocken mit der Rente? Die neue Kapitalsäule

Zukünftig soll nach dem Vorschlag ein Anteil der Rentenabgaben an der Börse investiert werden. In diese neue, durch Beiträge finanzierte Säule sollen am Ende zwei Prozent des Bruttogehalts einfließen, beginnend mit 0,5 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen sich diesen Betrag jeweils teilen.

Die Gewinne aus den Anlagen sollen auf lange Sicht das Rentenniveau sichern. Das Ziel sind höhere Altersbezüge für die heutigen Arbeitnehmer, die ab dem Jahr 2040 in den Ruhestand treten. Diese persönliche, kapitalbasierte Zusatzrente nach dem Vorbild Schwedens soll ein Staatsfonds managen und sie wird für alle verpflichtend. Bis dieses System greift, soll ein aus Steuern bezahlter „Übergangsfaktor“ das Sicherungsniveau der Rente vorübergehend stützen.

Spar-Hammer: Höhere Beiträge und der Nachhaltigkeitsfaktor

Die erste Rentenreform der Großen Koalition – inklusive Mütterrente und der Garantie des Rentenniveaus bis 2031 – wird trotz Bedenken nicht angetastet. Danach wird das Niveau der Renten aber wohl erst mal fallen. Der aktuell pausierende „Nachhaltigkeitsfaktor“ soll ab 2032 zurückkehren. Damit wird die jährliche Anpassung der Renten wieder von der Anzahl der Einzahler abhängen. Die Renten- und Beitragserhöhungen fallen dadurch kleiner aus. Die Kommission fordert sogar eine Anhebung des Faktors, was seine Wirkung verstärken würde.

Erst dann soll die zusätzliche Kapitalrente wirken und das Sicherungsniveau wiederherstellen. Auf lange Sicht ist für neue Rentner wieder ein Niveau von 48 Prozent geplant, ab 2040 sollen es sogar 50 Prozent sein, wenn man die reguläre Rente und die neue Kapitalsäule addiert.

An der aktuellen Voraussage, wonach der Satz für Beiträge im Jahr 2028 von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent hochschnellt, wird sich laut den Informationen nichts ändern. Die obligatorischen Beiträge für die neue Kapitalsäule kommen dann noch obendrauf.

Überraschung: Auch Politiker sollen in die Kasse zahlen

Zusätzliche Einzahler sollen das Rentensystem stützen. Und jetzt kommt's: Laut der Kommission sollen zukünftig auch Politikerinnen und Politiker in das gesetzliche System einzahlen. Das würde beispielsweise Abgeordnete von Bundestag und Landtagen betreffen. Nach jahrelangen Debatten soll zudem die Einbeziehung von Selbstständigen in die Rentenversicherung kommen, sofern sie nicht bereits anderweitig, etwa über Berufsstände, versorgt sind.

Das große Ziel sei eine Versicherung für alle Erwerbstätigen, hieß es. Eine Einbindung von Beamten in das gesetzliche Rentensystem ist aber nicht in naher Zukunft geplant, sondern nur Schritte in diese Richtung. Das Niveau der Pensionen soll gesenkt werden. Die Länder sollen beispielsweise verpflichtet werden, Rücklagen für Pensionen zu bilden, und es soll weniger Verbeamtungen geben.

dpa-Informationen zufolge sollen abgabenfreie Minijobs künftig nur noch Schülern offenstehen. Damit soll ein Impuls gesetzt werden, die Wochenarbeitszeit zu steigern. Um der zunehmenden Armut im Alter zu begegnen, sollen Betroffene nach Ansicht der Kommission verstärkt die Grundsicherung beantragen. Hierbei befürwortet das Gremium schon existierende Vorschläge einer anderen Kommission für Sozialreformen.

Das große Ganze: Reformpaket wird konkreter

Die Renten-Neuregelung ist nur ein Baustein eines viel größeren Reformvorhabens. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich vor wenigen Tagen zuversichtlich: „Ich bin zuversichtlich, dass wir da gute Vorschläge bekommen.“ Die Kernaussage sei: „Wir wollen unser Land so reformieren, dass auch nachfolgende Generationen, junge Generationen, die Chance haben, in Freiheit zu leben, im Frieden zu leben und im Wohlstand zu leben.“

Geplant sind außerdem Steuererleichterungen bei der Einkommenssteuer für zahlreiche Bürger, neue Anreize für den Jobmarkt und ein massiver Bürokratieabbau. Union und SPD möchten damit starke Signale für das Wachstum von Wirtschaft und Gesellschaft aussenden – und das, während sie selbst mit Imageproblemen und miesen Umfragewerten ringen. (dpa/red)

Der russische Präsident Wladimir Putin während seines Besuches in Kasan.
Putin besucht jubelnde Menschen
Ein kleines Wort deckt die ganze Lüge auf