Geld-Chaos in Bayreuth! Das 150. Wagner-Jubiläum wird zur Spar-Version und sorgt für mächtig Wut.
Geld-Frust in BayreuthZum 150. Jubiläum werden Festmeile und Opern-Pläne gestrichen

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Bayreuth ist wegen seines Festspielhauses weltberühmt. (Archivbild)
Die Vorfreude war riesig, jetzt ist die Enttäuschung noch größer. Bayreuth wollte 150 Jahre Festspiele groß feiern, doch wegen Geldmangels wird das Jubiläum zur Spar-Version. Die Stimmung ist im Keller.
Warum ist die oberfränkische Stadt Bayreuth weltweit ein Begriff? Nicht nur wegen Bier oder Bratwurst, sondern vor allem wegen Wagner. Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) hat hier seine einzigartige Festspielidee umgesetzt. In wenigen Wochen steht ein riesiges Jubiläum an: 150 Jahre Festspiele. Eine Chance, um in der Klassikwelt zu glänzen und mit der ganzen Stadt zu feiern – auch mit jenen, die mit Opernkunst wenig anfangen können. Doch das Geld fehlt.
Die Feierlichkeiten fallen erheblich bescheidener aus als ursprünglich erträumt: Das ehrgeizige Ziel der Festspiele, alle für Bayreuth wichtigen Werke Wagners in einer Saison auf die Bühne zu bringen, ist an der Finanzlage gescheitert. Dasselbe Schicksal ereilte die Pläne der Stadt für eine Festmeile zur Eröffnung.
Schon Wagner kämpfte mit den Finanzen
Finanzielle Sorgen sind in der Geschichte rund um Wagner und Bayreuth nichts Ungewöhnliches. Schon Richard Wagner selbst hatte mit Finanzierungsnöten und Schulden zu ringen. Damals sprang ihm jedoch sein Bewunderer, Bayerns König Ludwig II., als Mäzen zur Seite.
In der heutigen Demokratie ist das natürlich nicht mehr so leicht, auch wenn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei vielen Gelegenheiten seine große Zuneigung zu Wagners Schaffen betont.
Die Verantwortlichen auf dem Grünen Hügel haben schon vor Monaten das Jubiläumsprogramm im Festspielhaus aus Kostengründen zusammengestrichen. Statt aller zum Repertoire gehörenden Wagner-Opern wird nur das Frühwerk „Rienzi“ gespielt. Der vierteilige „Ring des Nibelungen“ kommt als KI-Projekt zur Aufführung.
Premiere-Schock: Uraufführung wandert nach Dortmund
Die Uraufführung der neuen Oper „Brünnhilde brennt“ findet – anders als vorgesehen – ebenfalls nicht zum Festspiel-Jubiläum statt, zumindest nicht richtig. Das Werk wird in Bayreuth nur konzertant dargeboten. Die szenische Erstaufführung ist für die Spielzeit 2026/27 geplant, und das nicht in Bayreuth, sondern im nicht gerade als Wagner-Metropole bekannten Dortmund.
Als Grund für die drastischen Kürzungen werden die zu hohen Personalkosten angeführt. Deshalb werde es „den Bayreuther Festspielen perspektivisch nicht gelingen, die hierfür benötigten zusätzlichen Finanzmittel aus eigener Kraft zu erwirtschaften“ – und das trotz eines „nach wie vor sehr hohen Eigenfinanzierungsgrades“ von mehr als 55 Prozent.
Auch den Gesellschaftern ist es wegen der allgemeinen Haushalts- und Wirtschaftslage nicht möglich, „zum Ausgleich der Defizite deutlich höhere Mittel bereitzustellen“. Dabei hatte die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth Festspiel-Chefin Katharina Wagner in einem bisher einmaligen öffentlichen Vorstoß eine zusätzliche Million angeboten, um wenigstens einen Teil der großen Jubiläumspläne zu retten.
Festmeile zu teuer, Chaos im Rathaus
Auch die Stadt hat im Hinblick auf das Festspiel-Jubiläum ihre eigenen Baustellen. Da ist zum einen eine Personalie: Die Kulturreferentin und somit eine der Verantwortlichen für das Thema ist „derzeit widerruflich freigestellt“, wie es vonseiten der Stadt offiziell heißt. Man sei „unverändert bemüht“, diese „Personalangelegenheit“ zu einem Ergebnis zu bringen. „Die hierfür erforderlichen Gespräche laufen“, so ein Sprecher.
Die Vertretung übernimmt nun Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD), der damit für die Jubiläumspläne zuständig ist. Dabei ist Zippel selbst im OB-Amt noch recht neu – er gewann die Kommunalwahl im März und trat den Posten zum 1. Mai an.
Vor wenigen Tagen sagte die Stadt dann eine Festmeile ab, die eigentlich zum Festspielstart geplant war. Begründung: „überraschend große Deckungslücken in erheblichem Umfang“, so Zippel. Mit Blick auf andere wichtige Projekte der Stadt, nicht zuletzt im sozialen Bereich, erscheine die Festmeile in der angekündigten Form „nicht mehr vertretbar“.
CSU wütend über „katastrophale Außenwirkung“
Die CSU-Fraktion im Stadtrat kritisierte diesen Schritt. „Wir sind der Meinung, dass dies – jenseits der noch zu klärenden Frage der Verantwortlichkeit der handelnden Personen – ausgerechnet im Jubiläumsjahr eine katastrophale Außenwirkung besitzt und dem Ruf der Kulturstadt Bayreuth bereits jetzt großen Schaden zugefügt hat“, sagte Fraktionschef Stefan Specht der dpa.
Gerade die Festmeile sei als „unkompliziertes und niederschwelliges Angebot“ gedacht gewesen. Viele Bayreutherinnen und Bayreuther hätten sich darauf gefreut. Die Fraktion wirbt deshalb dafür, die Festmeile in einem kleineren Format doch noch zu realisieren.

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Alles Wagner oder was? Bayreuth profitiert vom Glanz der Festspiele. (Archivbild)
Wie sehr die Stadt vom internationalen Ruf des Festivals profitiert, macht die Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH (BMTG) deutlich. Festspielgäste aus aller Welt reisen nach Bayreuth. Für die Stadt bedeute dies: Gäste übernachten, essen, kaufen ein, nutzen Kulturangebote und Dienstleistungen – und trügen damit zur wirtschaftlichen Entwicklung Bayreuths bei.
Ein Lichtblick für den Nachwuchs
Aber es ist ja nicht so, dass es nichts gibt außer den Opern und Beethovens Neunter zum Auftakt am 25. Juli mit Dirigent Christian Thielemann im legendären Festspielhaus.
Für das Kinder- und Jugendprogramm wurde eigens ein kleines Festspielhaus errichtet, das 199 Plätze fasst. Dort soll die Kinderoper, ein Herzensprojekt Katharina Wagners, aufgeführt werden, zudem sind eine Reihe weiterer Veranstaltungen und Aktionen geplant, um schon die Jüngsten mit Wagners Werk vertraut zu machen.

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In Wagners Villa Wahnfried ist heute das Wagner-Museum untergebracht. (Archivbild)
Auch das Richard-Wagner-Museum, das dieses Jahr 50 Jahre alt wird, feiert - und zwar unter der Überschrift: „50/150 – Utopie und Echo.“ Denn schließlich, so schreibt das Haus, gehe es um „150 Jahre Theatergeschichte, in denen sich zugleich 150 Jahre deutscher Geschichte in allen Höhen und Tiefen wie in einem Brennglas bündeln“. (dpa/red)
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