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E-Scooter-Wahnsinn in NRWMinister Reul will jetzt den Führerschein

Die Kölner Polizei kontrolliert E-Scooter am Hohenzollernring.

Copyright: Michael Bause

Die Kölner Polizei kontrolliert E-Scooter-Fahrer am Hohenzollernring (Archivfoto).

Die Unfallzahlen explodieren, besonders bei E-Scootern. NRW-Minister Herbert Reul (CDU) hat genug und fordert eine drastische Konsequenz: eine Fahrerlaubnis für die wendigen Stadt-Flitzer.

Eine Fahrerlaubnis für E-Scooter – das ist die unmissverständliche Forderung von NRW-Innenminister Herbert Reul. „Für viele Fahrer scheinen die Verkehrsregeln eher Empfehlungen zu sein“, erklärte der CDU-Politiker am Mittwoch in Düsseldorf bei der Präsentation der Unfallstatistik für 2025.

Die Bilanz ist ein Schock: Im vergangenen Jahr verunglückten rund 3900 Menschen mit einem Elektro-Roller. Das ist eine Zunahme um circa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – die höchste Steigerung aller Verkehrsarten. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung müsse man überlegen, ob nicht ein „Mindestmaß an Regelkenntnissen“ für die Nutzung der Roller nötig sei. Reuls Vorschlag: „Vielleicht ähnlich wie bei der Mofa‑Prüfbescheinigung. Wir sollten das zumindest ernsthaft prüfen“.

NRW-Unfallstatistik: Auch immer öfter Kinder beteiligt

Ob eine solche Lizenz für E-Scooter tatsächlich kommt, entscheidet die Bundesregierung in Berlin. Zum Vergleich: Wer die Mofa-Prüfung ablegen will, muss mindestens 15 Jahre alt sein. Die Anwärter müssen bei einer Fahrschule sechs Theoriestunden besuchen. Die Gebühren dafür liegen im Schnitt zwischen 150 und 180 Euro.

Die Statistik offenbart eine besonders alarmierende Tendenz: Im letzten Jahr waren 566 Kinder in E-Scooter-Unfälle verwickelt – ein erschreckendes Plus von 72 Prozent zum Vorjahr. Viele Fahrer schätzen die Risiken der von Natur aus instabilen Gefährte völlig falsch ein.

Reul fand deutliche Worte: „Ein E‑Scooter ist kein Tretroller und auch kein Spielzeug“. Doch viele würden einfach aufsteigen und losdüsen. Oft ist auch Alkohol im Spiel, wenn es zu schweren Crashs kommt. Ein spannendes Detail am Rande: 79 Prozent aller E-Scooter sind in Privatbesitz.

Die Gesamtstatistik für 2025 zeichnet ein düsteres Bild. Die Polizei in NRW registrierte 656.030 Verkehrsunfälle, das sind etwa 11.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei wurden 81.231 Menschen verletzt oder getötet. Reul machte die Dimension mit einem drastischen Vergleich klar: „Das ist ein voll besetzter Signal-Iduna-Park in Dortmund“. 

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen

Copyright: Fabian Strauch/dpa

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, stellte die polizeiliche Verkehrsunfallbilanz 2025 im Landtag in Nordrhein-Westfalen vor.

Rund 70.500 Personen erlitten leichte, circa 10.000 schwere Verletzungen. 479 Menschen verloren ihr Leben – das sind sechs Todesopfer weniger als ein Jahr zuvor. Der Minister wurde sichtlich emotional: „Das waren Menschen wie Sie und ich“. Er fügte hinzu: „Menschen, die sich morgens von ihren Liebsten verabschiedet haben und abends nicht mehr nach Hause gekommen sind. Ich weigere mich, das als Normalität zu akzeptieren. Denn die allermeisten dieser Unfälle müssten nicht passieren“, so Reul.

Auch Pedelecs werden zur Todesfalle

Doch nicht nur die E-Scooter machen Sorgen. Mittlerweile betreffen rund 34 Prozent aller Unfälle mit Verletzten Fahrräder oder Pedelecs – also mehr als jeder dritte Vorfall dieser Art. 106 Radfahrende starben dabei im vergangenen Jahr, ein Höchstwert im Zehnjahresvergleich. Die größten prozentualen Zuwächse gibt es laut Bilanz bei den unter 14-Jährigen und der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen.

„Pedelecs sind längst kein ‚Seniorenfahrzeug‘ mehr“, unterstrich der CDU-Politiker aus Leichlingen. 2025 gab es 59 Prozent mehr verunfallte Kinder und fast 39 Prozent mehr verunfallte Jugendliche auf einem Pedelec als im Vorjahr. „Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, erreicht Geschwindigkeiten, die er vom klassischen Fahrrad nicht gewohnt ist. Das verändert Fahrdynamik, Bremswege und Reaktionszeiten – und das muss man beherrschen“, erklärte Reul.

19 Tote bei illegalen Autorennen

Ein weiteres schockierendes Phänomen sind illegale Autorennen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen registrierte 2025 insgesamt 2384 solcher verbotenen Rennen – der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. In 663 Fällen führten diese Rasereien zu Unfällen. 19 Menschen starben dabei – so viele wie noch nie, seit dies ein Straftatbestand ist. „Wer unsere Straßen zur Rennstrecke macht, begeht keine Ordnungswidrigkeit. Er begeht eine Straftat. Das kann einen wütend machen“, stellte Reul unmissverständlich klar.

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Immerhin gibt es einen Lichtblick: Die Zahl der getöteten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ist erheblich gesunken. 45 Biker kamen 2025 ums Leben, im Vorjahr waren es noch 86. Das ist ein Rückgang von über 47 Prozent und der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre. Gleichzeitig nahm die Zahl der Leichtverletzten um 18 Prozent zu. Bei den Schwerverletzten ist ein kleines Plus von gut drei Prozent zu verzeichnen.

Cannabis am Steuer wird zum Riesen-Problem

Sorgen bereitet hingegen der Einfluss von Drogen. Im vergangenen Jahr ereigneten sich 4404 Unfälle unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschmitteln. Den Löwenanteil hat Alkohol mit 3274 Unfällen, während 1130 Kollisionen auf andere Substanzen zurückgehen.

In dieser Kategorie hat wiederum Cannabis mit 506 Unfällen die Nase vorn – ein Zuwachs von 23 Prozent und ein neuer Allzeit-Rekord. „Es sind zu viele bekifft unterwegs“, sagte Reul.

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Zeitraum von 1970 bis 2024 um insgesamt 90,5 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung hängt mit dem wachsenden Fahrzeugbestand zusammen, der sich seit 1970 mit einem Plus von 193,5 Prozent fast verdreifacht hat. Im Gegensatz dazu sank im selben Zeitraum die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden um 41 Prozent. Das liegt vor allem an der Einführung verbesserter Sicherheitstechnik, die Fahrzeuge sicherer macht und Insassen vor Verletzungen schützt.

Die finanziellen Folgen sind immens: 2025 beliefen sich die Unfallkosten auf rund 9,3 Milliarden Euro. „Das ist mehr, als wir in einem Jahr für Innere Sicherheit insgesamt zur Verfügung haben“, verdeutlichte Reul. Autos, Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder, E-Scooter, Motorräder und Fußgänger müssen sich heute oft den gleichen, engen Raum teilen. Neue Verkehrswege kommen dagegen kaum hinzu. „Wo mehr Verkehr auf gleich viel Raum trifft, entstehen neue Konflikte – und diese Konflikte schlagen sich in den Unfallzahlen nieder“, so das Fazit des NRW-Innenministers. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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