Seit drei Jahrzehnten ist Tom Thomas der Macher im Kölner Nachtleben. Jetzt spricht er über Mega-Gagen für DJs, neue Party-Gewohnheiten und wie er einst Weltstars wie Jay-Z an den Rhein lockte.
Klartext aus der ClubszeneParty-König Tom Thomas: „Köln nicht mehr Trendstadt“
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Der Terminkalender von Tom Thomas ist voller als bei den meisten Menschen. Sein Smartphone steht einfach nicht still, der Stresspegel ist enorm.
Am Freitag erscheint der 53-Jährige deshalb mit 15 Minuten Verspätung zu seinem eigenen Pressetermin im Gewölbe des Café de Paris auf der Ehrenstraße. Der Grund: Ein handfester Skandal erschüttert die weltweite Techno-Szene und betrifft auch sein Aushängeschild, das Bootshaus in Deutz. Im Mittelpunkt stehen heftige Belästigungsvorwürfe gegen diverse DJs einer Booking-Firma aus Frankreich.
Das Gastro-Imperium von Tom Thomas
In den sozialen Netzwerken kocht die Sache hoch. Zahlreiche Clubs, darunter auch welche in NRW, reagieren bereits und nehmen die beschuldigten DJs von ihren Playlists. Tom Thomas handelt ebenfalls. „Wir haben vorsorglich jene vom Line-up genommen, bei denen Vorwürfe im Raum stehen. Aber Screenshots und Hörensagen sind keine gerichtlichen Beweise, wir schauen uns jeden Vorwurf genau an. Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt und sexueller Belästigung“, stellt Thomas sachlich und klar fest.
Doch jetzt zur Hauptperson: Seit 30 Jahren ist Tom Thomas im Geschäft, seit 22 Jahren gibt es das Bootshaus, wovon er 15 Jahre die Geschäfte führt. „Hallo, ich bin Tom Thomas“, sagt der 53-Jährige mit einem gewinnenden Lächeln und gibt jedem Journalisten persönlich die Hand.
Sein Name ist ein echtes Markenzeichen, das ein komplexes Geflecht aus Unternehmen und Läden zusammenhält. Im Jahr 2020 eröffnete er das Café de Paris, an dem Ort, wo früher das legendäre 4Cani die Prominenz und die Kölner Szene anzog. Die Renovierung verschlang mehrere Millionen Euro.
Zusätzlich führt Thomas den Club Flamingo Royal sowie das Restaurant Spencer & Hill an den Kölner Ringen. Abseits der Gastronomie hat Thomas seit 2021 mit dem edlen Modegeschäft Atelier X auf der Ehrenstraße ein weiteres Standbein. Hinzu kommen eine Agentur für Marketing und Merchandise, und erst vor Kurzem rief er das Plattenlabel „Bootshaus music“ ins Leben. Und das ist immer noch nicht das Ende der Fahnenstange.
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Hau raus!
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Als Investor hinter dem Gastro-Reich von Thomas agiert unter anderem der Unternehmer Fabian Thylmann. Der Aachener, der in Brüssel wohnt, steckte früher sein Geld in die Erotik-Branche; ihm gehörten Plattformen wie Pornhub und Youporn. Diesem Geschäft kehrte er 2013 allerdings den Rücken. Inzwischen steckt Thylmann sein Kapital beispielsweise in medizinisches Cannabis.
Thomas ist der Mann für die Action
Thylmann hält die Anteile, aber Thomas ist derjenige, der vor Ort die Fäden zieht. Laut den Rankings der Branche gehört das Bootshaus schon lange zur absoluten Weltspitze der Clubs. Dieser Erfolg ist kein Glücksfall. Vielmehr feilt Thomas mit seiner Mannschaft konsequent daran, den Club international auf Top-Niveau zu halten.
Mindestens alle zwei Jahre wird kräftig investiert: Die Technik für Sound und Bühne muss stets topaktuell sein, und die Events mit ihrer Deko sollen immer noch spektakulärer werden. Denn eines ist deutlich: „Die Gäste heute achten auf die Qualität und auf den Act, sie gehen bewusst und gezielt feiern, es ist vergleichbar mit einem Konzerterlebnis. Dank des Smartphones haben sie es nicht mehr nötig, auszugehen, um jemanden kennenzulernen oder ihre neuen Klamotten vorzuführen“, erklärt Thomas.
„Für sie muss es außergewöhnlich sein, Eindruck hinterlassen und Content für Social Media liefern.“ Das Verschwinden der Clubs sei real, meint Thomas; riesige Discos an den Autobahnen im Umland finde man kaum noch. Im Gegensatz dazu boomt das Geschäft mit den Festivals, und die Szene für elektronische Musik ist zu einem riesigen Industriezweig geworden. „Was früher eine Subkultur war, ist heute Popkultur, heute sind die DJs in den Charts und Popstars: so wie Robin Schulz oder David Guetta“, so Thomas. Das Ergebnis: Die Honorare gehen durch die Decke. „Früher war es normal, für einen DJ 2000 bis 10.000 Euro zu zahlen, heute verlangen internationale Star-DJs auch 200.000 oder 300.000 Euro.“
Solche Summen kann das Bootshaus nicht bezahlen. Trotzdem schafft es der Club immer wieder, Weltstars wie DJ Snake, David Guetta und Felix Jaehn an den Auenweg zu holen. Diese schätzen dann zur Abwechslung die persönlichere Stimmung mit 1500 oder 2000 Besuchern anstelle von 5000 oder 10.000. Thomas erfüllt es mit Stolz, dass sein Club die Stadt Köln international vertritt. „Köln steht dann mit Rio oder Ibiza in den Top-1-Liste. Wir vertreten Köln auch, wenn wir auf große Messen in Amsterdam und Zürich unterwegs sind.“
Besonders viel Herzblut wird ins Bootshaus gesteckt, wo das Team ständig nach den kommenden Trends jagt. Seine anderen Läden möchte er aber nicht vernachlässigt sehen. „Die sind wie meine Kinder, das eine braucht mehr Aufmerksamkeit, das andere ist selbständiger“, sagt Thomas. Der 53-Jährige kam in Köln zur Welt und studierte BWL an der hiesigen Universität. Schon während seiner Studienzeit schmiss er Partys für Studenten und knüpfte so erste wichtige Kontakte. Mit dem „H99“, einer Disco für Schwule am Hohenzollernring, startete er seinen ersten eigenen Club.
Als Thomas die ganz großen US-Stars an den Rhein holte
Danach kamen das „Diamonds“ und das „Vanity“, welche er später aber weitergab. In den Neunzigerjahren brachte er außerdem amerikanische RnB-Größen für Auftritte nach Köln, darunter Destiny's Child mit Beyoncé, Jay-Z, Missy Elliot und die im Jahr 2001 gestorbene Aaliyah. „Damals waren die Popkomm, das Ringfest, der Musiksender Viva und die Plattenfirma Emi noch in Köln. In den 90ern war Köln Trendstadt, was Berlin heute ist. Ich liebe Köln immer noch, aber den Vorsprung zu anderen Städten haben wir leider nicht mehr. Düsseldorf hat leider aufgeholt“, meint Thomas.
Dass er sein BWL-Studium nach 20 Semestern nicht beendet hat, findet Thomas schade. Aber die Welt der Nächte hatte ihn einfach fest im Griff. Er zeigt sich bescheiden, wenn er zurückblickt und meint, er habe seinen „Beitrag zum Kulturleben“ geleistet.
Was in Zukunft passiert? „Es würde auch ohne mich funktionieren“, sagt Thomas und deutet auf seine große Mannschaft von 120 Festangestellten und hunderten Aushilfen. Die Menge der täglichen Anrufe ist über die Jahre kaum anders geworden: „Früher riefen mich alle an, weil sie auf die Gästeliste wollen. Heute rufen mich alle an, weil sie wollen, dass ihre Kinder reinkommen.“ Und wo findet Thomas selbst mal Ruhe? „Bei der Familie“. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

