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Tote nach Hitze-WelleKölner Sanitäter rechnet ab: „Für mich nicht zu verstehen“

Kölner Rettungssanitäter Luis Teichmann war bei der Hitze auch im Einsatz (Archivfoto).

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Kölner Rettungssanitäter Luis Teichmann war bei der Hitze auch im Einsatz (Archivfoto).

Ein Kölner Rettungssanitäter erlebt die Hitzewelle hautnah – und ist fassungslos: In Notaufnahmen, Rettungswachen und Altenheimen fehlt jede Klimatisierung.

Die Hitzewelle in Köln hat das Gesundheitssystem an seine Grenzen gebracht. Viele Menschen starben aufgrund der extremen Wetterlage. Die Kölner Polizei spricht von 120 ungeklärten Todesfällen an einem Wochenende.

Rettungssanitäter Luis Teichmann war in den vergangenen Tagen im Einsatz und erlebte hautnah, was er als strukturelles Versagen bezeichnet: „Wir bringen überhitzte Patienten in überhitzte Notaufnahmen zu überhitztem Pflegepersonal“, sagt er. „Für mich ist das einfach nicht zu verstehen.“

„Bullenhitze“ selbst in den Notaufnahmen

Der 30-Jährige beschreibt unter anderem auf seinem Instagram-Kanal „5_Sprechwunsch“ Szenen, die er so noch nicht erlebt habe. In den Notaufnahmen habe „Bullenhitze“ geherrscht, das Pflegepersonal sei am Schwitzen, die Stimmung am Ende gewesen.

„Man sieht Pflegekräfte, die wirklich tief durchatmen, um nicht in Tränen auszubrechen – weil es zu viel ist.“ Besonders treffe ihn, dass auch Rettungswachen, die in den Jahren 2024, 2025 und 2026 neu eingeweiht wurden, keine Klimatisierung haben. Und das, obwohl Hitzewellen längst keine Ausnahme mehr sind.

Auch vulnerable Gruppen seien betroffen: Ältere, vorerkrankte und in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten, die tagelang der Hitze ausgesetzt seien, dekompensierten irgendwann – und würden dann in Einrichtungen landen, die genauso heiß seien wie ihre Wohnungen. „Das Gleiche in Altenheimen“, sagt Teichmann. „Patientengruppen, die am vulnerabelsten sind, die am gefährdetsten sind für Hitze, müssen in Zimmern hocken, wo null Klimatisierung vorzufinden ist.“

Seine Kritik richtet sich klar an die Politik: „Ich verstehe nicht, wo da der Denkfehler ist, warum es dafür politisch keine Normen gibt, keine Richtlinien.“ Stattdessen werde über die Anzahl von Blaulichtern an Rettungswagen diskutiert oder darüber, wie viele Quadratmeter Reflexstreifen auf eine Einsatzjacke gehören. Ein Hitzeschutzkonzept – für Personal und Patienten – fehle bis heute.

Die Kliniken der Stadt Köln bestätigen das Problem – und benennen konkrete Lücken. Pressesprecher René Hartmann erklärt gegenüber EXPRESS.de: Während Notaufnahmen, Operationssäle und Intensivstationen klimatisiert seien, könnten Patienten auf den Normalstationen nicht in klimatisierten Räumen weiterbehandelt werden. „Mit Blick auf die zunehmende Zahl extremer Hitzeereignisse sehen wir dringenden Handlungsbedarf“, so Hartmann. Krankenhäuser müssten besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden – auch durch eine Refinanzierung der Klimatisierung weiterer Krankenhausbereiche.

Als langfristige Lösung verweist Hartmann auf das geplante unterirdische Krisenzentrum auf dem Gesundheitscampus in Merheim. Die Tiefgarage soll unter anderem über klimatisierte Behandlungs- und Versorgungsbereiche verfügen. Für die vollumfängliche Umsetzung werden noch rund 40 Millionen Euro benötigt. „Die aktuelle Hitzewelle zeigt eindrucksvoll, dass diese Investition dringend erforderlich ist“, so Hartmann.

Teichmann macht sich trotzdem große Sorgen. Er kennt das Muster: „Es geht mir tierisch auf den Keks, weil ich ganz genau weiß, dass es in einem Monat vorbei ist und danach wieder keine weiteren Schritte folgen.“ Sein Appell ist klar: „Wir müssen jetzt mal damit klarkommen und akzeptieren, dass wir Hitzeperioden im Sommer haben – und die entsprechenden Weichen stellen.“

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