+++ EILMELDUNG +++ „Dramatische Hitzesituation“ Dieses Lazarett in der Messe soll Kölner Kliniken entlasten

+++ EILMELDUNG +++ „Dramatische Hitzesituation“ Dieses Lazarett in der Messe soll Kölner Kliniken entlasten

„Dramatische Hitzesituation“Dieses Lazarett in der Messe soll Kölner Kliniken entlasten

Helfer bauen das Notfallversorgungszentrum in einer Messehalle auf.

Copyright: Costa Belibasakis

In der Messehalle 3 wurde das Notfallversorgungszentrum eingerichtet, um dort Patientinnen und Patienten zu behandeln, wenn die Krankenhäuser keine Kapazitäten mehr haben.

Aktualisiert:

Um die Kölner Krankenhäuser angesichts der Hitzewelle zu entlasten, wurde in einer Messehalle ein Notfallversorgungszentrum eingerichtet. Dieses Konzept soll auch bei künftigen Krisen angewandt werden.

Die extreme Hitze in den vergangenen Tagen hat den Rettungsdienst in Köln an die Auslastungsgrenze gebracht. „Wir haben eine dramatische Hitzesituation in Köln. Der Hitzerekord für einen Juni ist gebrochen. Die Menschen sind belastet, es kommt immer wieder zu Notfallsituationen“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester am Sonntag (28. Juni 2026).

„Wir haben wenigstens die doppelte Anzahl an Rettungseinsätzen an diesem Wochenende, eine vermehrte Anzahl an Reanimationen und eine vermehrte Anzahl an Todesfällen. Die Kliniken sind vollgelaufen, Menschen haben sich selbst mit Symptomen eingewiesen. Mir ist wichtig, dass die Stadt auf diese Krisensituation reagiert hat.“

Notfallversorgungszentrum und Kälteinsel in Messehalle

Um die Krankenhäuser zu entlasten, wurde am Samstag gehandelt. Koelncongress-Geschäftsführer Ralf Nüsser prüfte freie Kapazitäten und wurde in der Messehalle 3 fündig, wo in der Nacht zum Sonntag ab 2 Uhr ein Notfallversorgungszentrum in Betrieb genommen wurde. Rund 50 Feldbetten stehen dort, medizinisches Material liegt bereit, Ärzte und Notfallsanitäter sind vor Ort.

„Es ging am Donnerstag bereits mit Belastungsspitzen los. Das hat sich immer weiter aufgebaut. Am Samstag hatten wir für kurze Zeit alle verfügbaren Rettungsmittel im Einsatz“, erläuterte Christian Miller, der Leiter der Kölner Feuerwehr. „Daraufhin haben wir nachgesteuert.“ 17 zusätzliche Rettungswagen und drei Notarzteinsatzfahrzeuge sind derzeit im Stadtgebiet unterwegs.

Am Samstag verzeichnete die Leitstelle insgesamt 1136 Einsätze, davon entfielen 936 auf den Rettungsdienst, 170 auf die Feuerwehr. An normalen Tagen sind es rund 500 Einsätze. Am Sonntag waren es bis 18 Uhr 687 Einsätze der Feuerwehr und des Rettungsdienstes – davon entfielen rund 600 auf den Rettungsdienst.

Hinzu kommt die angespannte Situation in den Kliniken. „Auch in den Notaufnahmen gab es Engpässe. Mit dem Notfallversorgungszentrum können wir für Entlastung sorgen. Die ganze Situation ist für die Menschen in Köln und uns als Einsatzkräfte sehr belastend“, sagte Miller. „Am elften Tag der Hitzewelle sind viele Gebäude aufgeheizt und viele Menschen am Ende ihrer Kräfte.“

Christian Miller, Torsten Burmester und Alex Lechleuthner im  Notfallversorgungszentrum in einer Messehalle.

Copyright: Costa Belibasakis

Feuerwehr-Chef Christian Miller, Oberbürgermeister Torsten Burmester und der Leiter des Rettungsdienstes, Alex Lechleuthner (v. l.), erläuterten die Hintergründe zum Notfallzentrum.

Deshalb wurde in der Etage über dem Notlazarett zusätzlich eine Kälteinsel eingerichtet. Hier können sich von der Hitze stark Betroffene in einem klimatisierten Bereich bei Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad aufhalten. Insgesamt stehen auf beiden Ebenen 360 Feldbetten zur Verfügung, um sich auszuruhen, abzukühlen und gegebenenfalls medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Alex Lechleuthner berichtete als Leiter des Rettungsdienstes von zahlreichen Wärmeopfern. „Besonders betroffen sind ältere Menschen und Obdachlose sowie Abhängigkeitserkrankte. Sie sind besonders empfindlich bei Hitze. Aber es gibt auch zahlreiche junge Leute, die einen Sonnenstich erlitten haben.“

Rettungswagen stehen vor dem Notfallversorgungszentrum in einer Messehalle.

Copyright: Costa Belibasakis

Da die Kapazitäten der Kölner Krankenhäuser erschöpft sind, ist die Messehalle 3 nun auch Anlaufstelle für die Rettungsdienste.

Der Mediziner sprach von mehreren Patienten mit einer Körpertemperatur von deutlich über 40 Grad, bei einem wurden sogar 44,5 Grad gemessen. „Das stimmt bedenklich.“ Die Todeszahlen kann er bislang nicht komplett einordnen. „Ich kann nur sagen, dass sie erhöht sind. Allerdings gibt’s das auch in den Wintermonaten bei bestimmten klimatischen Konstellationen.“

Blick in das Notfallversorgungszentrum in einer Messehalle.

Copyright: Costa Belibasakis

Die Messehalle ist mit Feldbetten und medizinischen Geräten zum Notfallversorgungszentrum umfunktioniert worden.

Angesichts der prognostizierten Temperaturen hoffen alle Verantwortlichen, dass sich die Lage in den nächsten Tagen entspannen wird. Das Notfalllazarett bleibt dennoch so lange stehen, wie es benötigt wird.

„Wir haben jetzt Maßnahmen getroffen, die wir jederzeit, sollte die Hitzewelle zurückkommen, wieder hochfahren können“, sagt Miller. „Wenn eine Halle frei ist, sind wir innerhalb weniger Stunden einsatzbereit.“

Auch in Merheim mussten zahlreiche Patienten im Schockraum behandelt werden (Symbolfoto)
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