Schock-Fund in Bornheim: Neben einem toten Mann finden Helfer 19 völlig verwahrloste Hunde in einem verdreckten Haus.
Grauen in BornheimToter Mann lag in verdrecktem Haus – 19 Hunde gerettet

Copyright: Jordan Wieland
Verängstigt versteckt sich dieser Hund in einem Spalt. Er ist einer von 19 Tieren, die der Verein Team für Tiere Köln und das Tierheim Troisdorf aus einem Messiehaus in Bornheim holten.
Ein furchtbarer Fund in Bornheim erschüttert die Helfer. Hinter einer aufgebrochenen Tür finden sie nicht nur einen toten Mann, sondern auch 19 völlig verwahrloste Hunde. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Für Jordan Wieland war es ein Einsatz, der alles Bisherige in den Schatten stellte. Der 1. Vorsitzende des Vereins Team für Tiere wurde am Samstagnachmittag vom Tierheim Troisdorf alarmiert. Gemeinsam mit einem Kollegen befreite er 19 Hunde aus einem verdreckten Haus, in dem zuvor der Bewohner leblos entdeckt worden war.
Unfassbarer Gestank und verdreckte Boxen
Das Tierheim selbst hatte einen Hinweis vom Ordnungsamt der Stadt Bornheim erhalten. Wie Severin Wolters, Sprecher der Bonner Polizei, auf Nachfrage erläuterte, hatte ein besorgter Nachbar die Behörden eingeschaltet, da er den Bewohner des Hauses schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. „Wir sind alarmiert worden, weil der Nachbar sich Sorgen machte“, so Wolters. Normalerweise klopfen und klingeln die Beamten. Wenn aber ein voller Briefkasten oder seltsamer Geruch auf eine Notlage hindeuten, wird die Feuerwehr zur Türöffnung angefordert.
So war es auch in Bornheim. Doch bevor die Polizisten das Gebäude betreten konnten, mussten die dort lebenden Tiere gesichert werden. Der Nachbar hatte von zehn bis 15 Hunden gesprochen, so Jordan Wieland. Tatsächlich waren es weitaus mehr, auch Welpen waren darunter.
„Vor dem Haus standen sehr verdreckte, selbst gebaute Hundeboxen, die uns ahnen ließen, was auf uns zukommen könnte. Der Gestank im Innenhof war schon unbeschreiblich“, berichtet Jordan Wieland im Austausch mit unserer Redaktion. Die Tierschützer legten Leinen und Geschirre bereit. Die Situation war extrem angespannt, wie Wieland erzählt: „Wir wussten nicht, was für Hunde sind im Haus, wie sind die drauf?“ Dazu kam die Befürchtung, dass der Bewohner verstorben war.

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Mehrere Hunde waren ohne Wasser und Futter in Boxen eingesperrt.
Der 1. Vorsitzende des Vereins Team für Tiere schildert, er habe schon bei der Alarmierung gewusst, dass er allein ins Haus gehen werde. „Ich wollte nicht, dass Leute aus dem Team das sehen müssen. Ich mache das schon lang, man sieht einiges und härtet ab.“
Als die Feuerwehrleute die Tür öffneten, standen bereits sechs Hunde dahinter. Die Tiere seien „sehr, sehr ängstlich, aber nett“ gewesen. „Wir haben zügig angefangen, sie rauszuholen, und erst einmal Wasser gegeben. Sie waren sehr, sehr durstig.“ Danach betraten er und der Mitarbeiter des Tierheims, ausgestattet mit Geschirren und Leinen, das Haus. „Wir haben Atemmasken zum Schutz getragen, mussten uns nach dem Einsatz desinfizieren. Der Boden, die Treppen waren voller Kot. Der Zustand war katastrophal, und das nicht erst seit gestern.“
Die Tierschützer suchten vorsichtig mehrere Räume nach weiteren Hunden ab. „Wir wussten nicht, wo die sich vielleicht verstecken.“ In jedem Zimmer befanden sich Tiere, teilweise in Boxen eingesperrt. Darunter war auch eine Hündin mit vier reglosen Welpen. „Da habe ich gedacht, die Welpen sind tot“, erinnert sich Wieland. Die Hunde in den Boxen hatten weder Futter noch Wasser. „Die übrigen Hunde haben die Tapete gefressen, die Matratze gefressen.“ Tiere hatten sich unter dem Bett und in Ecken verkrochen; sie waren in fast jedem Zimmer.
Gerettete Hunde auf mehrere Heime verteilt
Die völlig verängstigten Tiere ließen sich nicht einfach anfassen. „Wir haben sie dann separiert, die Türen geschlossen und erst einmal die Hunde in den Fluren gesichert, bevor wir die Räume abgegangen sind.“ Schließlich entdeckte Wieland in der Küche den toten Besitzer.
Ein Todesermittlungsverfahren wurde eingeleitet, erklärte Severin Wolters von der Bonner Polizei. Man gehe jedoch nicht von einem Fremdverschulden aus.

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Die vier Welpen werden nun mit ihrer Mutter im Tierheim Dellbrück aufgepäppelt.
Nach drei Stunden waren alle Hunde aus dem Haus gerettet, so Wieland. Nachdem die Tiere Wasser bekommen hatten, verteilten die Helfer sie auf ihre Autos. Das Tierheim Köln-Dellbrück nahm die Hündin mit ihren geschwächten Welpen auf. Der Tiertransport der Feuerwehr Köln fuhr sieben Hunde nach Mainz, wo sie aufgeteilt wurden. Die restlichen Tiere versorgt das Tierheim Troisdorf, wie die 1. Vorsitzende Helga Berben bestätigte.
Wie es den Tieren gesundheitlich geht, werden erst tierärztliche Untersuchungen zeigen, sagt Wieland. Da unkastrierte Hündinnen und Rüden zusammenlebten, könnten einige Hündinnen trächtig sein. Sicher sei, dass alle traumatisiert sind: „Die haben ja, egal wie schlecht die Haltung war, eine Beziehung zu ihrem Besitzer gehabt. Und sie sind sehr ängstlich, und dann kommen da fremde Leute und ziehen einem Leinen an und bringen einen fort.“
Die Information, das Kreisveterinäramt sei über die schlechte Haltung im Bilde gewesen, wie es Wieland vor Ort mitgeteilt wurde, sei falsch, so die Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. Sprecherin Bettina Heinrichs-Müller sagte, es sei keine Anzeige eingegangen. (red)
