Im Zentrum der Video-Macht So funktioniert der Kölner Keller

Kölner keller Steinhaus Vierer-Station

Der oder die VA, hier Bibiana Steinhaus (2.v.l.) wird beim Videobeweis vom AVA (Assitent-Video-Assistent) und zwei Operatoren unterstützt. 

Köln – Check Tor. Check mögliches Abseits vorm Tor. Check Handspiel. Check Rote Karte. Check. Check. Check.  Vier Menschen, acht Großbildschirme, jede Menge Technik, 90 Minuten plus Nachspielzeit unter Vollstrom. Herzlich Willkommen im „Kölner Keller“! Dem Ort, der immer wieder  bei Bundesliga-Fans für heftige Diskussionen sorgt – etwa am Wochenende beim Supercup in Dortmund...

Das „Video-Assist-Center“ (VAC) in Deutz: Es ist wohl Kölns modernster, aber sicher auch berüchtigtster Keller. Seit Einführung des Videobeweises (2017) soll hier, im ersten Untergeschoss der denkmalgeschützten Rheinhallen, für maximale Gerechtigkeit im deutschen Fußball gesorgt werden. Klappt häufig, aber nicht immer. Und wenn dann mal wieder trotz all der Bilder eine gefühlt maximal krasse Fehlentscheidung getroffen wird, gibt es bei Google mehr Suchanfragen nach dem „Kölner Keller“ als dem Kölner Dom.

Treppe Kölner Keller Videobeweis

Kein Parkhaus, sondern die Rheinhallen in Deutz: Hier geht es in den Kölner Keller, das „Video-Assist-Center“ (VAC) von DFB und DFL.   

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Bundesliga geht in ihre dritte Saison mit Videobeweis

Vor der dritten Bundesliga- und der bereits laufenden ersten Zweitligasaison mit Videobeweis haben DFB und DFL den Keller geöffnet. Wir waren dabei.

Bibiana Steinhaus: „Check Tor. Check mögliches Abseits.“

„Was hier läuft?“, fragt Deutschlands Vorzeige-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (40) und gibt selbst die Antwort: „Check Tor. Check mögliches Abseits. Das passiert hier ständig. Du checkst Abseits, und dann geht der Ball ins Aus – also ist die Sache erledigt. Wir drücken Reset, wir fangen wieder von vorne an.“

Bibiana Steinhaus

Bibiana Steinhaus wird in der Bundesliga als Schiedsrichterin, Video-Assistentin und 4. Offizielle eingesetzt. 

Fangen wir auch mal vorne an: Vier Arbeitsplätze bilden eine Station zur „Überwachung“ eines Spiels. Das Kommando führt der Video-Assistent VA, unterstützt vom AVA (Assistent-Video-Assistent) und zwei „Operatoren“.

„Ich hätte gerne dieses Bild, das groß, das bleibt klein, andere Kameraperspektive bitte“, lauten dann die Kommandos von VA Steinhaus an die Operatoren: „Samstags liegt hier ein Plan, auf dem alle Kamerapositionen eingezeichnet sind.“

Bibiana Steinhaus: „Warte einen Moment, wir checken“

Die vier „Bildschirm-Kontrolleure“ stehen via Headset im Dauer-Kontakt, der Schiedsrichter im Stadion wird nur bei Bedarf zugeschaltet. „Warte einen Moment, wir checken“, sagt Steinhaus dann: „Dann weiß er bescheid. Wenn ich sage, erledigt, Check abgeschlossen, geht’s weiter.“

Oder aber der Schiedsrichter nimmt selbst Kontakt mit Köln auf? „Na klar“, erklärt Steinhaus: „Es ist wichtig, dass er sagt: Ich hab’ hier ein Gefühl, ich hab’ aber nichts gesehen und ich weiß nicht, ob da was war. Guck da mal bitte.“

Videobweis: Bibiana Steinhaus im Checker-Modus

Dann geht Bibi wieder in den Checker-Modus. Überprüft werden vier mögliche Fälle: Tore (Regelwidrigkeiten bei oder im Vorfeld der Torerzielung), Elfmeter (nicht oder falsch geahndet), Rote Karte (nicht oder falsch geahndet) und Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte).

Und immer gilt: Die Entscheidung fällt auf dem Platz!

„Als VA beschreibe ich die Bilder, ich gebe kein Urteil, das Urteil ist die Baustelle des Schiedsrichters“, sagt Steinhaus: „Ich sage: Guck es dir bitte auf dem Videobildschirrm an, da ist das und das passiert, aber bitte entscheide selber, was du machst!“

Bibiana Steinhaus: „Der Anspruch ist, besser als die Technik zu sein“

Und wo ist die Schiedsrichterei schöner, im Keller oder auf dem Rasen? „Ich glaube, wir alle stehen natürlich am liebsten auf dem Feld“, sagt Steinhaus. „Trotzdem ist es ganz wichtig, zu wissen, dass wir nur so gut pfeifen können, so gut unser Team uns unterstützt.“

Kölner Keller Flur Videobeweis

Der „Kölner Keller": Hier geht es zum Video-Assist-Center (VAC) von DFB und DFL.

Ob sie die Einführung des Videobeweises rückblickend bedauere, verneint Steinhaus: „Tatsächlich bin ich großer Unterstützer des Videoassistenten. Natürlich ist der eigene Anspruch, besser zu sein als die Technik und diesen »Airbag« hier in Köln gar nicht in Anspruch zu nehmen. Aber: Manchmal gibt es Dinge, die man nicht sehen kann, zu denen man eine unterschiedliche Interpretation haben kann. Dann ist es umso wichtiger, auch den Kollegen hier Vertrauen zu geben. Jahrhundertfehlentscheidungen wie Diego Maradonas Handtor bei der WM 1986 – das sind Dinge, die werden uns gemeinsam nicht passieren.“

Und wenn bei weniger klaren Fällen dann selbst die letzte Kameraposition keinen Aufschluss geben kann, dann bleibt Steinhaus und ihren Kollegen am Ende doch nur die ultimative Empfehlung im DFB-Regelwerk: „Da die Spielregeln nicht jeden Einzelfall abdecken können, müssen die Schiedsrichter selbst entscheiden, wenn konkrete Regelungen fehlen. Sie müssen dabei dem Wesen des Fußballs folgen und sich stets fragen, was wohl der Fußball verlangen/erwarten würde.“ Puuh, das ist dann mal ’ne gute Frage…

Videobeweis: 111 Interventionen in der Saison 2018/19

Im für einen mittleren sechsstelligen Betrag umgestalteten  Video-Assist-Center stehen nun zehn Stationen mit je vier Plätzen – so kann künftig auch an den letzten Spieltagen der Saison, wenn alle Spiele parallel angepfiffen werden, jede Partie aus Köln kontrolliert werden.

VAC Kölner Keller Videobeweis

Insgesamt zehn Stationen mit jeweils vier Arbeitsplätzen stehen in zwei Räumen des Video-Assist-Center (VAC) im Kölner Keller. 

In der Bundesliga-Saison 2018/19 kam es in 306 Spielen zu 111 Interventionen durch den VA, 82 Mal wurde eine  Entscheidung korrigiert.  Ging der Schiri selbst zum Monitor, dauerte eine Unterbrechung durchschnittlich 69 Sekunden, ohne Ansicht der Bilder im Stadion 45 Sekunden.

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