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Eberl-Rücktritt wühlt Fans auf Ex-DFL-Boss Andreas Rettig fordert Umdenken nicht nur in Fußball-Branche

Pressekonferenz: Sportdirektor Max Eberl erklärt seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen.

Die Tränen von Sportdirektor Max Eberl auf der Pressekonferenz von Borussia Mönchengladbach am 28. Januar 2022 bewegten die Fans.

Nach dem Rücktritt von Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach wird über die Auswirkungen für die Fußball-Branche diskutiert. Andreas Rettig sieht sogar eine Signalwirkung für alle Berufszweige.

Das Kapitel Max Eberl (48) bei Borussia Mönchengladbach ist nach fast einem Vierteljahrhundert beendet. Sein Rücktritt unter Tränen bewegte nicht nur Fohlen- und Fußball-Fans. Anfang des Monats traf Andreas Rettig (58), Viktoria Kölns Vorsitzender der Geschäftsführung, mit seinem Team in einem Testspiel auf Gladbach mit Eberl.

Rettig hat großen Respekt vor Eberls Schritt und für die Offenheit seiner Worte. Der langjährige Bundesliga- und Verbandsfunktionär sieht in dem Hilfeschrei seines Kollegen ein wichtiges Signal an alle in der Branche. EXPRESS.de sprach mit Rettig über den Fall Eberl und die Folgen.

Was waren Ihre ersten Gedanken beim Betrachten der Pressekonferenz?

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Andreas Rettig: Hochachtung für diesen Schritt. Wer Max kennt, weiß, dass er alles stets mit Haut und Haaren angeht. Darin liegt aber auch schon ein Grundproblem. Der Fußball ist gläsern, jeder spricht mit, hat seine Meinung. Es herrscht eine permanente psychische Belastung, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Montag bis Freitag ist ein Manager im Büro gefordert, Samstag/Sonntag ist Spielbetrieb, dann beginnt wieder die neue Woche.

Was sagen Sie denen, die auf das hohe Gehalt in der Branche verweisen, was quasi ein Schmerzensgeld beinhalte?

Rettig: Man kann nicht sagen: Der verdient genug, das muss er aushalten. Natürlich wird in der Branche viel Geld bezahlt, aber Gesundheit lässt sich nicht damit aufwiegen, die ist unbezahlbar. Am Ende ist der Kreislauf so: Permanenter Stress führt zu schlechten Essgewohnheiten und wenig Schlaf. Deshalb ist man anfälliger für Infekte, und am Ende trifft man falsche Entscheidungen, weil die Konzentration nicht da ist. Schon die alten Römer wussten: ein gesunder Geist im gesunden Körper.

Andreas Rettig vom FC Viktoria Köln geht durch ein Stadion.

Andreas Rettig, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Viktoria Köln (hier am 17. Oktober 2021) äußerte sich zum Fall Eberl.

Wie sieht ein möglicher Weg aus dem Teufelskreis aus?

Rettig: Es gibt mehrere Tendenzen, die zeigen, dass es zu einem Bewusstseinswechsel kommt. Zum einen findet im Manager-Bereich ein Verjüngungsprozess statt. Rudi Völler, Michael Zorc werden bald ihre Jobs beendigen, bei Jörg Schmadtke ist es noch offen. Das ist auch ein Ergebnis der Belastungen. Je älter man wird, desto weniger ist man bereit, diesen Druck aushalten zu wollen.

Was sind weitere Signale?

Rettig: Die Zeiten der One-Man-Show im Manager-Bereich wie noch unter Rudi Assauer, Uli Hoeneß oder Reiner Calmund sind vorbei. Die Verantwortung wird in vielen Vereinen auf mehrere Entscheider verteilt. Bei den Spielern gibt es die sogenannte Belastungssteuerung, in dem Bereich müssen wir auch bei Verantwortlichen umdenken.

Andreas Rettig: „One-Man-Shows im Manager-Bereich sind vorbei“

Aber ein Manager kann doch nicht einfach abtauchen?

Rettig: Natürlich kann man im Profi-Fußball nicht um 17 Uhr nach Hause fahren und das Handy ausschalten, das geht auch im Medienbereich nicht. Aber dann muss eben ein anderer im Verein erreichbar sein, um Stellung zu beziehen. In meinen Augen sind die Arbeitgeber verpflichtet, ihre Arbeitnehmer auch einmal in den Zwangsurlaub zu schicken. Es muss ein Umdenken erfolgen, dass Urlaube oder Auszeiten nicht als Schwäche gesehen werden. Gerne heißt es ja dann: Der brennt nicht mehr, ist faul. Dabei ist gerade das verantwortungsbewusst.

Sie sprechen da aus eigener Erfahrung?

Rettig: Ich gönne mir auch immer mal wieder Ruhephasen, lege eine Fastenzeit ein. Ich war auch schon mal eine Woche in einem Kloster, um alle Dinge um mich herum auszublenden. Auch mein Wechsel zur Viktoria hatte letztlich private Gründe. Ich hätte auch in der Bundesliga arbeiten können, aber inzwischen bewerte ich die private Situation höher als das berufliche Fortkommen.

Glauben Sie, dass der „normale“ Arbeitnehmer auch so denken kann?

Rettig: Wir sprechen hier nicht von einem Fußball-Phänomen, das geht uns alle an. Natürlich wird es nicht durch Max Eberls Worte sofort zum Bewusstseinswechsel kommen. Ich sehe aber schon eine andere gesellschaftliche Erwartungshaltung. Jüngere Menschen profilieren sich nicht mehr alleine über Statussymbole und beruflichen Erfolg. Die Prioritäten verschieben sich. Das ist wie bei Nachhaltigkeitsfragen. Vor 20 Jahren wurden wir beim SC Freiburg ausgelacht, als wir Solarzellen auf das Stadion montiert haben. Heute ist dieses Denken überall angekommen. So kommt es auch in anderen Bereichen: Die Maxime lautet nicht immer höher, schneller, weiter – die Zufriedenheit gewinnt immer mehr an Bedeutung.

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